Liebe Jinkizu, liebe Jerronja, this is the end! Falls ihr es etwas abrupt finden solltet, bitte meckern und Verbesserungsvorschläge einreichen :-) !

Liebe Grüße

Franziska

33. Der Abschied

Als Glaukos am nächsten Tag die Werkstatt des Bogenmachers betrat, brachen die Gesellen bei seinem Anblick in schallendes Gelächter aus. Der Meister schaute verärgert in die Runde und sie verstummen wieder.

„Du hast uns ja etwas Schönes eingebrockt", sagte er zu Glaukos, aber er freute sich offensichtlich ihn zu sehen. Er hatte die Daumen in seinen Gürtel geschoben und lehnte sich an das Regal mit den Werkstoffen.

„Womit?", fragte Glaukos, der sich keiner Schuld bewusst fühlte.

„Mit deiner Vermutung, dass unsere Waffen an Aufständische geliefert werden. Unsere ganze Werkstatt hat man auf den Kopf gestellt! Hatte ich dir nicht gesagt, dass die Armee die Bögen bestellt hat?"

Glaukos konnte es nicht abstreiten.

„Ich dachte man hat dich angelogen", erklärte er und schaute sich in der Werkstatt um, die in der alles wieder an seinem Platz lag. Auch der Geruch, der in der Luft lag war ganz der alte: Eine Mischung aus Sägemehl, Leim und Schweiß. Ganz plötzlich kam Glaukos ein beunruhigender Gedanke. „Woher kamen dann die Waffen, die ich im Gefängnis gesehen habe?", rutschte ihm spontan heraus, bevor er seine unbedachten Worte bereute.

„Du warst im Gefängnis?"

Meister Menippes starrte Glaukos befremdet an.

„Es ist nicht so, wie ihr euch das vorstellt. Ich habe nichts Verbotenes gemacht", beteuerte Glaukos mit einem entschuldigenden Blick auf die Gesellen, die in der Arbeit innegehalten hatten und ihn sensationsgierig anstarrten. „Aber leider darf ich darüber nicht reden." Warum hatte er nur das idiotische Versprechen gegeben, über den vereitelten Staatsstreich zu schweigen? Statt als Held gefeiert zu werden, wurde er nun für einen Verbrecher gehalten.

„Wichtigtuer!" rief der Hauptgeselle mit einem hämischen Grinsen auf seinem breiten Gesicht. „Bestimmt hast du nur die Zeche im einsamen Elefanten nicht zahlen können."

„Nein, du tust ihm unrecht", widersprach der Meister. Gedankenverloren trat er einen Schritt vor, griff nach einer Sehne und ließ sie durch die Finger gleiten. „Der Beamte, der die Werkstatt nach einem illegalen Waffenlager durchhsucht hat ..." Er warf Glaukos einen belustigten Seitenblick zu. " ... meinte, dass er sich große Verdienste um unseren Staat erworben hat. Es hat etwas mit dem Sturz des Vorsitzenden des Kronrats zu tun. Mehr wollte er leider nicht verraten"

Glaukos nickte eifrig, ärgerte sich aber noch immer, nicht von seinen Heldentaten berichten zu dürfen. Antiope und Hauptmann Demetios werden sicherlich befördert werden, Neos war Leibarzt geworden, aber was blieb ihm? Nur die Rückkehr in das tägliche Allerlei. Wenn er doch nur wieder zu Hause wäre! Auf Ithaka könnte ihm niemand verbieten, von seinen Abenteuern zu berichten. Aber würde man ihm dort Glauben schenken?

„Der neue Meister der königlichen Waffenkammer hat mir unter der Hand gesagt, dass Antigonos Waffen aus Armeebeständen entwendet hat. Die wirst du wohl gesehen haben", sagte der Meister so leise, dass es nur Glaukos sehen konnte. Sein Blick wanderte von den fertigen Bögen, die auf einem Tisch gestapelt waren zum Fenster, durch das die Morgensonne schien. In ihren Strahlen tanzten die Staubkörner. Mit einer ruckartigen Bewegung wandte er sich wieder Glaukos zu und in seinen Augen blitze so etwas wie Humor auf. „Meine Frau meint, ich solle dich nicht gleich wieder an die Arbeit schicken." Ohne es wirklich zu wollen nickte Glaukos. Vor seinem inneren Auge sah er die Matrone, die ihn mangels eigener Kinder von Anfang an bemuttert hatte. "Zufällig ist der Jagdbogen für den Oberaufseher der Schleusenanlage von Hypokamponie fertig."

Nicht schon wieder! Ich habe keine Lust mit diesem faulen Menschen zu sprechen, durchfuhr Glaukos. Andererseits besser als die Arbeit in der staubigen Werkstatt war es allemal.

"Er doch sicherlich vor auf die Entenjagd zu gehen?", fragte er dann, denn wie ein passionierter Jäger sah träge Argos nicht gerade aus.

"Nein, er möchste die Raubtiere verjagen, die die Nester der Seevögel ausrauben." Der Meister stemmte die Hände in die Hüfte. "Ich wusste gar nicht, dass du ihn kennst."

"Genau darüber soll ich nicht reden", bemerkte Glaukos resigniert, bevor er sich die neue Waffe aushändigen ließ.

Erst am folgenden Tag kehrte Glaukos von seinem Botengang zurück, der länger als geplant gedauert hatte, da Argos ihn mit seinem besten Wein bewirtet hatte. Glaukos hatte ebenfalls Durst verspürt, es hatte sicherlich an der Seeluft gelegen. Nach der dritten Runde, in der auf die alten Zeiten angestoßen wurde, hatte er das Angebot des Schleusenwächters dankbar angenommen, im Gästezimmer seines Wohnsitzes zu übernachten.

Der Anblick der stolzen Königsstadt Poseidonia versetzte Glaukos in eine tiefe Melancholie. Noch immer war es sein glühendster Wunsch, nach Hellas zurückzukehren. Doch mittlerweile hatte er die Hoffnung aufgegeben, das fremde Reich, in dem er sich noch immer nicht eingelebt hatte, jemals wieder zu verlassen. Dennoch zog es ihn in diesem Augenblick, unwiderstehlich zum Hafen. Wenn ich nur einen Tag nicht vorbeischaue, dann verpasse ich bestimmt das einzige Schiff aus Hellas, das es in Jahrhunderten hierher verschlägt, sagte er sich und lenkte das Monoceros seines Meisters auf die zerklüfteten Klippen der Küste zu.

Kanäle durchzogen das Hafenfünftel wie ein Spinnennetz. Der Gestank ihres Wassers vermischte sich mit der würzigen Seeluft. Hinter den Kais erhoben sich Lagerhäuser. Hafenarbeiter waren damit beschäftigt, vertäute Frachtschiffe zu löschen und Amphoren mit Olivenöl, Salzfässer, Getreidesäcke, Bleibarren und Tuchballen über die Anlegestellen zu den Lagerhäusern zu schleppen. Glaukos ritt die Kais entlang, vorbei an Lastenträgern, die ein Schiff mit Ziegelsteinen beluden. Der feine, rote Staub hatte ihre Gewänder verfärbt und sie sahen wie lebende Statuen aus.

Plötzlich entdeckte am letzen Kai ein Schiff, das bei seinem letzten Besuch noch nicht dort geankert hatte. Beim Anblick des Schiffes blieb Glaukos fast das Herz stehen, denn seine Konstruktion ließ keinen Zweifel daran, dass es in einer griechischen Werft gebaut worden war. Mit rasendem Puls und weichen Knien sprengte er den Hafen entlang, bis er das Seefahrzeug erreicht hatte. Er zügelte sein Monoceros, sass aber nicht ab. Eine kalte Faust presste sein Herz zusammen. Aus Angst, wieder einmal enttäuscht zu werden, wagte er es einige Minuten nicht, einen der drei Seeleute anzusprechen, die an Bord die Bodenplanken schrubbten. Dann fasste er sich endlich ein Herz.

„Woher kommt ihr?", rief er in den Wind.

„Aus Kreta", scholl es zurück.

Glaukos hatte ein ganz unwirkliches Gefühl. War das ein Traum, aus dem er bald unsanft gerissen werden würde?

„Und was hat euch hierher verschlagen?", wollte er wissen, obwohl er lieber könnt ihr mich minehment gefragt hätte.

Ein untersetzter Seemann mit wettergegerbten Gesicht erhob sich und schlenderte zur Bordkante.

„Wir sind von einem Orkan abgetrieben wurden", rief er zurück. "Ich hätte niemals vermutet, dass es Atlantis tatsächlich gibt!" Der Seemann beugte sich über die Reling, um Glaukos besser mustern zu können. „Und was ist mit dir? Nach deiner Sprache zu schließen, bist du ein Landsmann?"

„Ja, das bin ich", behauptete Glaukos, um seine Chancen zu erhöhen, dass man ihm half. Aber klang er wirklich wie ein Kreter? Er schluckte hart und wagte es endlich, die Frage zu stellen, die ihm soviel bedeutete. "Wann fahrt Ihr wieder nach Hause?"

„Das weiß ich leider auch nicht. Unserer Kapitän wird gerade von der Hochkönigin, wie heißt sie noch mal empfangen?"

„Pentagonia!"

„Genau! Der Hafenbeamte sagt, sie könne uns einen Lotsen zur Verfügung stellen, der uns den Weg durch die Klippen weist."

Unfähig, diese aufregenden Nachrichten für sich zu behalten, verabschiedete Glaukos sich und eilte zum Palast der Hochkönigin. Er passierte alle Portale, konnte aber die Amazone nicht finden.

„Ich muss dringend mit Antiope sprechen", rief der dem Pförtner des Traktes zu, in dem sich die Mannschaftsquartiere befanden.

„Sie hat den Dienst quittiert", brummte der behäbige Mann und sah Glaukos an, als sei das ein todeswürdiges Verbrechen.

Wusste Antiope bereits, dass sich ein griechisches Schiff nach Poseidonia verirrt hatte?

„Ich habe sie vor dem großen Triton-Brunnen gesehen", sagte ein Soldat, der zufällig vorbeikam und das Gespräch mitbekommen hatte. „Sie feiert dort mit ihren Kameraden."

Voller Mittelungsfreude eilte Glaukos so schnell um den Palast, dass er fast rannte. Im Schloßgarten fand er tatsächlich die Amazone am Brunnen inmitten ihrer neuen Freunde. Sie hielten Trinkgefäße in den Händen und waren guter Dinge. Glaukos vermutete, dass sie auf den erfolgreichen Abschluss des Königstreffens anstießen.

„Ich habe unglaubliche Neuigkeiten", rief er der Amazone schon von weitem entgegen. „Unten am Hafen liegt ein Schiff aus der Heimat."

„Ich weiß", antwortete Antiope beiläufig. „Alle sprechen im Palast davon."

Glaukos war befremdet über den emotionslosen Tonfall der Amazone.

„Aber weißt du denn nicht, was das bedeutet? Wir können endlich nach Hause!" schrie er sie förmlich an.

„Ich bin inzwischen hier zu Hause."

Glaukos war fassungslos.

„Du kommst nicht mit?" Wortkarg wie immer, schüttelte die Amazone den Kopf. Aber sie wirkte, im Gegensatz zu sonst beschwingt und heiter. „Warum, um der Götter willen nicht? Wie kannst du dich hier zu Hause fühlen?"

Sie errötete, schaute zu Boden, damit es niemand merkte.

„Die Göttin von Paphos hatte Recht. Ich habe mich verliebt", sagte Antiope so leise, dass sie kaum zu hören war.

„Du hast was?"

„Du hast mich gut verstanden."

Glaukos war wie vor den Kopf gestoßen. Machte sich Antiope machte über ihn lustig?

„Sag, mal! Das sollte doch ein Witz sein?", fragte er mit unsicherer Stimme.

„Mit dergleichen scherzt man nicht! Denk an Hippolytos."

„Kenne ich ihn?", fragte Glaukos und wusste nicht, ob er die Antwort tatsächlich wissen wollte.

„Weißt du das tatsächlich nicht?", fragte Antiope.

Einen verrückten Augenblick lang dachte Glaukos an den Zwerg, aber dann erinnerte er sich an die Art und Weise, in der Gnomos die junge Hippolita immer angesehen hatte.

Demetrios gesellte sich zu Antiope. Er legte seinen Arm um ihre Schulter.

„Die Missverständnisse zwischen uns sind endlich aufgeklärt. Wir werden wir eine Schule für Waffenkunst eröffnen. Davon träume ich schon seit Jahren, aber es fehlten mir bisher die Mittel. Mit der Belohnung der Hochkönigin können wir endlich die Garde verlassen."

„Ich bin es Leid mein ganzes Leben in der Einöde zu verbringen", sagte Xanthos unvermittelt. Glaukos bemerkte, dass er nicht glücklicher wirkte als er selbst.

„Wann kehrst du in dein Dorf zurück, ich weiß gar nicht, wie es heißt?", wollte Glaukos wissen.

Xanthos dachte nach.

„Es hat keinen Namen. Alle sagen einfach „Dorf". Da wir kein anderes kennen, weiß jeder, wovon die Rede ist. Ich reite schon morgen früh dorthin zurück. Länger möchte ich Hanniba nicht allein lassen. Sie ist bestimmt schon sehr einsam."

„Im Gegenteil", unterbrach ihn Demetrios lachend, "Hanniba ist zum Elefanten der Hochkönigin gebracht worden. Jetzt kann sie endlich die Gesellschaft eines Artgenossen genießen."

Xanthos kratzte sich am Kopf.

„Meine Frau wird sich schon fragen, wo ich stecke. Ich habe ihr gesagt, dass ich für zwei Tage zur Basileos-Mine reite…."

Er zögerte einen Augenblick und sah dann Demetrios fragend an.

„Meinst du, dass ich ausnahmsweise die Erlaubnis erhalten kann, mit meiner Familie zurückzukommen? Ich würde meiner Frau gern Poseidonia zeigen."

„Davon bin ich überzeugt. Das ist das Mindeste, was dir die Hochkönigin schuldet." Demetrios schwieg einen Moment lang. „Ich kann natürlich nichts versprechen, aber ich werde der ihr vorschlagen, dieses idiotische Verbot aufzuheben. Bestimmt hat Antigonos euch verboten, das Dorf zu verlassen um seine eigenen Machenschaften zu verschleiern."

„Warum gründet ihr nicht eine eigenen Truppe", brummte eine Stimme aus der Tiefe. Glaukos hatte Gnomos übersehen, der hinter dem hochgewachsenen Demetrios stand. „denn dann hättet ihr mich schon als Kunden gewonnen. Ich reise nie wieder unbewaffnet durch Atlantis."

Glaukos realisierte, dass sich auch Gnomos hier heimisch fühlte.

„Das ist verboten", erwiderte Demetrios hörbar belustigt. „Nur die Könige dürfen Truppen aufstellen, aber was mich betrifft, ich habe genug von der Armee. In unserer Schule kann mich niemand mehr herumkommandieren."

Von Antiope abgesehen, dachte Glaukos und fragte sich, ob Demetrios wusste, worauf er sich einließ.

„Aber zuerst machen wir eine Hochzeitsreise in die Südprovinz!" Antiope sah Gnomos an. „Wollt ihr uns nicht begleiten?"

Dem Zwerg behagte diese Idee offensichtlich nicht, denn er verzog das Gesicht.

„Ich habe gehört, dort isst man Monoceros", maulte er. Dann blickte er sich um. „Ihr müsst vorsichtig sein. Bestimmt hat euch Hexagonia nur eingeladen, um euch zu ermorden."

Antiope lachte.

„Du bist unverbesserlich. Hexagonia ist uns sehr dankbar, dass wir ihre Schwester gerettet haben", sagte sie, nicht ohne Eitelkeit.

„Eben deshalb", insistierte Gnomos, „du hast ihre Pläne durchkreuzt. Ohne dich wäre sie jetzt Hochkönigin. Nein, ich bleibe vorerst in Poseidonia."

„Inzwischen hat Hexagonia erkannt, dass dies auf Dauer nicht gut gegangen wäre", wandte Demetrios ein.

So schnell gab der Zwerg sich nicht zufrieden.

„Und wenn sie es sich anders überlegt? Wenn sie diesmal mit ihrem Mann gemeinsame Sache macht, hätte sie bessere Chancen!"

Antiope lachte.

„Dabei würde König Minos nicht mitmachen. Außerdem hat der Oberpriester Recht. Hexagonia hat eine günstige Gelegenheit ausgenützt, aber sie würde ihrer Schwester niemals etwas antun."

Hippolita kam mit einem Weinkrug. Glaukos wunderte sich, dass sie sich selbst im Palastgarten für die Bewirtung zuständig fühlte.

„Ich glaube, die Gefahr ist vorbei", sagte sie und lächelt Gnomos an, „Ich wollte schon immer in die Südprovinz reisen. Sie gilt als die schönste des ganzen Landes."

Glaukos wagte einen letzen, verzweifelten Versuch.

„Gnomos! Im Hafen liegt ein Schiff aus Kreta. Wir können wieder nach Hellas fahren! Du kannst ja Hippolita mitnehmen."

„Ich wüsste nicht, was ich dort soll!"

Hippolita sah verärgert zu Glaukos hinauf. Offensichtlich missfiel ihr der Vorschlag.

„Was hast du hier, auf dieser von den Göttern verdammte Insel zu schaffen?", fragte Glaukos und kam sich selbst albern vor.

Gnomos trank einen Schluck Wein.

„Ich finde sie eigentlich ganz hübsch. Zwar ist es viel zu heiß, aber es gibt Erzgruben im Überfluss. Außerdem hat man mir den freigewordenen Posten des Verwalters der Basileus-Grube angeboten. Da kann ich doch nicht nein sagen! Wusstest du, dass die zehn Könige ein Abkommen unterzeichnet haben, in dem sie zusichern, einander bei der Niederschlagung von Umsturzversuchen und im Falle von Naturkatastrophen beizustehen. Das geht weit über den rein zeremoniellen Charakter hinaus, den das Königstreffen sonst hatte."

„Was kümmert's mich?", fragte sich Glaukos schlecht gelaunt, „Außerdem hätten die anderen Könige die wahnsinnige Duweißtschon auch nicht zurückhalten können!"

„Glaukos", sagte Demetrios, das Gespräch an sich reißend. „Komm, mach nicht so ein Gesicht. Da wird ja der Wein sauer."

Er drückte Glaukos einen randvoll gefüllten Kelch in die Hand.

„Trink mit uns, dann sieht die Welt gleich ganz anders aus! Der Wein ist wirklich ganz ausgezeichnet. Er stammt aus dem Keller der Hochkönigin."

Zwei Wochen später stach das Schiff aus Kreta in See. Gnomos und Antiope hatten halbherzige Versuche unternommen, Glaukos zum Bleiben zu bewegen. Glaukos war sich sicher, dass sie im Grunde ihres Herzens wussten, dass sich nun ihre Wege trennen würden, auch wenn er in Poseidonia bliebe.

Als Glaukos bei der Hochkönigin nachfragen ließ, ob sie für seine Passage aufkommen würde, versuchte sie nicht einmal zu verbergen, dass sie froh war, den Zeugen ihrer geistigen Umnachtung außer Landes zu wissen. Glaukos wiederum hatte der Hochkönigin verschwiegen, dass er das Manuskript aus Troia gegen einen Goldbarren eingetauscht hatte – das Fragement würde zukünftig der Nationalbibliothek von Poseidonia gehören – denn er war der Meinung, dass er sich eine Belohung verdient hatte.

Nur Xanthos, mit dem Glaukos nach ihrem Besuch beim König der Südprovinz kein Wort gewechselt hatte, schien seine Abreise zu bedauern.

„Leukippe hat sich nach dir erkundigt", hatte er betont und Glaukos hatte sich gefragt, ob das tatsächlich der Fall war oder, ob ihn der Hauptmann verkuppeln wollte, aber es war ihm eigentlich egal, denn der Gedanke an Leukippe ließ in Glaukos die Erinnerung an die schöne Doris aufsteigen.

Er wollte nicht in diesem fremden Land versauern. Glaukos erwog, seine neu erworbenen Kenntnisse in der Kunst der Bogenherstellung weiterzuvermitteln, aber er verwarf den Gedanken sofort wieder, denn er fühlte sich noch immer zu Höherem berufen. Auf der langen Fahrt nach Hause wollte er endlich damit beginnen, seinen Reisebericht zu verfassen. Er hatte genügend Schreibmaterial an Bord gebracht um sich endlich in das größte aller Abenteuer zu stürzen, das der Phantasie.