Wunderschöne Ferien

Bei Sophie und Bruno war es Liebe auf den ersten Blick. Sie wollen so bald wie möglich heiraten. Doch da sind noch ihr Sohn und seine Tochter. Und die wollen nichts von einer Ehe ihrer Eltern wissen ...

Bruno parkte seinen Wagen vor dem Gartentor. Das Haus hatte hellgelb gestrichene Fensterläden und war von einem kleinen, romantisch verwilderten Garten umgeben. Er sah Sophie, die neben ihm sass, lächelnd an und verkündete: "Wir sind da, Liebes. Was meinst du, ist es nicht genau der richtige Ort für unsere gemeinsamen Ferien?"

Sie löste den Sicherheitsgurt, beugte sich zu ihm hinüber und gab ihm einen Kuss: "Wunderschön. Es muss den Kindern einfach gefallen!"

Die Kinder, das waren Falk und Daniela. Der 22-jährige Falk, Sophies Sohn, studierte Mathematik in Freiburg. Brunos 20-jährige Tochter Daniela hatte ihm Herbst ihr Medizinstudium begonnen. Falk würde morgen ankommen, er hatte einen eigenen Wagen, und Bruno sollte seine Daniela übermorgen am Flughafen von Nizza abholen.

"Ach je, ich hoffe nur, dass alles gut geht", gab Sophie jetzt ihren bangen Gefühlen nach.

"Warum sollte es nicht? Nach allem, was du mir von Falk erzählt hast, mag ich ihn schon jetzt!" Bruno war zuversichtlich von Natur aus.

"Mir geht es genau so mit deiner Daniela, aber was werden die beiden von uns denken? Von einer Frau und einem Mann, die sich gerade vor vier Monaten kennengelernt haben und schon heiraten wollen?"

Bruno lachte und zog sie an sich: "Sie werden denken, dass sie sich sehr lieb haben müssen. Was sollen unsere Kinder denn gegen unsere Heirat haben? Sie sind erwachsen."

Sophie war da nicht so sicher, aber es tat ihr gut, Brunos Arm um sich zu spüren.

"Na, dann wollen wir uns mal das Haus ansehen", meinte Bruno fröhlich.

Sophie öffnete die Fensterläden, um Luft und Sonne hineinzulassen, während Bruno das Gepäck auslud. Das Haus, das Bruno für die Ferien gemietet hatte, lag etwas ausserhalb der Stadtmauern von Saint-Paul-de-Vence, im bergigen Hinterland von Nizza.

Sie wählte den grösseren der drei Schlafräume für Bruno und sich aus. Es war so still, so friedlich, dass sie sich einen Augenblick auf das Bett setzte, um ihren Gedanken nachzuhängen.

Bruno und sie hatten sich während einer internationalen medizinischen Tagung in Hamburg kennengelernt. Er hielt einen Vortrag, den sie simultan ins Französische übersetzte. Später hatte sie ihn in der Halle wiedergesehen, zusammen mit einem französischen Kollegen. Die beiden schienen ernsthafte Verständigungsschwierigkeiten zu haben, und Sophie hatte ihnen spontan ihre Hilfe angeboten. Zum Dank hatte sie ein strahlender Blick voll Charme aus sehr blauen Augen getroffen.

Es hatte damit geendet, dass Dr. Bruno Brakenhoff Sophie Elsberg zum Abendessen einlud. Und in dem gemütlichen kleinen Restaurant war endgültig der Funke übergesprungen. Als er sie dann sehr spät nach Hause brachte, waren sie füreinander schon Sophie und Bruno.

Bruno wusste von Sophie, dass sie viel zu früh ihren geliebten Mann verloren hatte und den damals dreijährigen Sohn allein aufziehen musste. Und Sophie wusste von Bruno, dass seine Ehe vor vier Jahren geschieden worden war. Seine Frau hatte das Leben an der Seite des vielbeschäftigten Arztes nicht mehr ertragen. Daniela war bei der Mutter geblieben, die bereits kurz nach der Scheidung wieder geheiratet hatte.

Aber Sophie dachte auch an Falk. Sie war immer eine berufstätige Mutter gewesen. Wie hätte sie es anders machen können? Falk hatte früh lernen müssen, allein zurechtzukommen und Verantwortung zu übernehmen. Das hatte ihr manchmal bitter leid getan. Falk war ein vernünftiges, sehr zärtliches Kind gewesen. Sie erinnerte sich an die rührenden kleinen Blumensträusse, die er ihr auf Spaziergängen gepflückt hatte. In den letzten Jahren war er seinem Vater, innerlich und äusserlich, immer ähnlicher geworden. Auch die mathematische Begabung hatte er von ihm geerbt.

Sie selbst hatte ihm zugeredet, in Freiburg zu studieren, obwohl sie wusste, dass er ihr fehlen würde. Es war besser für ihn. Er sollte das unbeschwerte Leben eines Studenten führen können. Aber wenn sie sich sahen, war alles wie vorher. Sie waren die besten Freunde der Welt, Komplizen. Falk war stolz auf seine erfolgreiche, jung gebliebene Mutter, und sie auf ihren begabten, gutaussehenden Sohn. Falk war immer bei den anderen beliebt gewesen, auch in Freiburg hatte er gute Freunde gefunden. Gab es eine Liebe in seinem Leben? Sophie wusste es nicht und wollte auch nicht fragen.

Sie selbst hatte ihm von Bruno erzählt. Kennengelernt hatten sich die beiden Männer allerdings noch nicht. Vielleicht war alles zu schnell gegangen, denn als sie Falk anrief um ihm zu sagen, dass Bruno und sie heiraten wollten, hatte er sehr abweisend reagiert: "Du willst wieder heiraten? Aber warum denn, um Himmels Willen? Ausserdem habe ich diesen Mann überhaupt noch nie gesehen!"

Sie war etwas erschrocken, reagierte aber ruhig: "Eben deshalb hat Bruno für uns alle ein Ferienhaus in Saint-Paul-de-Vence gemietet. Seine Tochter Daniela kommt auch."

"Auch das noch ..."

Nein, es hatte alles andere als begeistert geklungen. Immerhin hatte er zugesagt. Er würde kommen.

Bruno betrat das Zimmer mit ihren beiden Koffern, stellte sie ab und setzte sich neben sie: "Du siehst so nachdenklich aus", meinte er.

Sie schüttelte ihre Beklommenheit ab und lächelte ihm zu: "Ich liebe dich."

Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie zart auf den Mund: "Ich liebe dich auch. Und ich lade dich heute Abend ganz gross in die 'Colombe d'Or' ein. Alle Tage wird das nicht möglich sein, aber den ersten Ferientag, den wollen wir doch feiern."

Nach dem ausgezeichneten Essen im berühmten Restaurant spazierten sie Hand in Hand durch die engen Gassen des malerischen Ortes. Sie bewunderten die ockerfarbigen Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit ihren Wappen über den Türen, ihren Arkaden und Balkonen, standen lange auf dem kleinen Platz vor dem Brunnen und lauschten dem leisen Plätschern des Wassers. Sophie lehnte ihren Kopf an Brunos Schulter und wünschte, dieser Augenblick möge ewig dauern ...

Falk kam am frühen Nachmittag. Sophie wollte gerade Kaffee kochen und sah vom Küchenfenster aus, wie er aus seinem alten, mit Liebe und Sachkenntnis instand gehaltenen kleinen Vehikel kletterte, seinen Seesack aus dem Kofferraum holte, ihn über die Schulter warf und mit langen Schritten auf das Haus zuging.

Sophie öffnete ihm die Tür: "Willkommen mein Junge. Hast du eine gute Fahrt gehabt?"

"Hm, geht so. Tag Mutz." Gewöhnlich war Falks Blick offen und wohlwollend. Jetzt stiessen seine dichten Augenbrauen fast über der Nasenwurzel zusammen. Seine Augen, die grauen Augen seines Vaters, gingen über sie hinweg, als suchten sie schon den Gegner. Die Umarmung seiner Mutter erwiderte er nur halbherzig, was ihr sehr weh tat.

Aber sie zwang sich zu einem fröhlichen Ton: "Komm, ich zeige dir dein Zimmer. Bruno ist auf der Terrasse hinter dem Haus. Wir wollten gerade eine Tasse Kaffee nach dem Essen trinken. Hast du überhaupt schon gegessen?"

"Habe ich. Unterwegs. Vielen Dank", war seine knappe Antwort.

"Aber eine Tasse Kaffee trinkst du doch mit uns?"

"Ja, wenn du möchtest."

Sie öffnete die Tür zu seinem Zimmer. Er sah sich kurz um und stellte seinen Seesack ab.

Ein wenig später trat sie mit ihm auf die Terrasse hinaus. Bruno war schon aufgestanden, kam mit ausgestreckter Hand auf Falk zu: "Willkommen, Falk. Ich freue mich, dich endlich kennenzulernen."

Falk musterte ihn, ergriff die Hand aber erst nach ein paar Sekunden. Über seine Lippen kam kein Wort, und Sophie schämte sich zum ersten Mal für ihren Sohn. Das war ja noch schlimmer, als sie befürchtet hatte. Was war denn bloss mit ihm los?

Auf einmal fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: Es war Eifersucht. Falk war eifersüchtig. Bis jetzt hatte er sie, seine Mutter, für sich allein gehabt, jetzt würde er sie mit diesem Mann teilen müssen.

In ihrem Bemühen, die Atmosphäre zu entspannen, schlug sie einen munteren Ton an: "Na, dann will ich mal den Kaffee kochen. Setzt euch doch, ich bin gleich wieder da."

Als sie mit dem Tablett zurück kam, sprangen beide Männer auf, um es ihr abzunehmen. Falk machte das 'Rennen', und der Blick, mit dem er Bruno bedachte, liess keinen Zweifel daran, dass die höfliche Geste diesmal nicht so sehr seiner Mutter galt als vielmehr gegen ihn, Bruno, gerichtet war.

Sophie lächelte Bruno entschuldigend zu, drückte kurz seine Hand. Eine stumme Bitte, Geduld zu haben. Und Bruno verstand, lächelte beruhigend zurück.

Sophie seufzte innerlich. Hoffentlich war Bruno nicht allzu leicht zu kränken. Sie schenkte den Kaffee ein, schob Bruno Zuckerdose und Sahnekännchen zu.

Dieser bediente sich genüsslich, gab beides, da Sophie ihren Kaffee schwarz trank, an Falk weiter.

"Danke, nein, ich möchte keinen Bauch bekommen", lehnte dieser schroff ab.

Jetzt erstarrte Sophie förmlich. Da war Falk entschieden zu weit gegangen. Sicher, Bruno war nicht ganz schlank, und sein kleiner Bauchansatz war nicht zu übersehen. Er bestand nun einmal nicht mehr nur aus Knochen und Muskeln wie Falk.

Sie war so wütend, dass sie Falk am liebsten wie ein ungezogenes Kind vom Tisch geschickt hätte. Was sollte sie nur tun, um die Situation zu entschärfen?

Aber schon erwiderte Bruno ganz ruhig: "Du hast recht. Es wäre tatsächlich schlimm, wenn du in deinem Alter schon Speck ansetzen würdest." Gleichmütig rührte er weiter in seiner Tasse und nahm einen Schluck vom süssen Getränk.

Jetzt sah Falk ihm gerade in die Augen: "Man kann in jedem Alter auf seine Figur achten. Mutti tut das ja auch!"

Auch jetzt blieb Bruno noch ruhig: "Früher habe ich viel Sport getrieben, aber mir fehlt schon seit langem die Zeit dazu."

"Ja, das sieht man!"

Das war pure Provokation. Sophie machte den Mund auf. Sie wollte Falk bitten, ihr ins Haus zu folgen, um ihm gehörig den Kopf zu waschen, um ihm zu sagen, dass sie ihn überhaupt nicht wiedererkennen würde, aber vor Aufregung kam kein Ton über ihre Lippen. Und es war auch schon zu spät. Bruno war rot angelaufen, und jetzt explodierte er förmlich: "Ich war früher einmal ein ausgezeichneter Langstreckenläufer. Unter anderem. Und mit einem rotznäsigen Dreikäsehoch wie dir kann ich es auch heute noch aufnehmen!"

Falks Augen blitzten. Er hatte es geschafft, hatte Bruno endlich aus seiner Reserve gelockt: "Soll das eine Herausforderung sein? Ich nehme sie an. Wir können ja einen Wettlauf veranstalten!"

Endlich fand Sophie ihre Stimme wieder: "Falk", schrie sie auf. "Was soll das? Ich verlange, dass du dich sofort bei Bruno entschuldigst. Wenn dir hier etwas nicht passt, kannst du gleich wieder wegfahren!"

"Wegfahren?" knirschte Bruno da schon. "Das kommt überhaupt nicht in Frage. Los, wir ziehen uns um und bringen es hinter uns!"

"Falk, ich verbiete dir ..."

Aber die beiden Männer waren schon aufgesprungen und stürmten an ihr vorbei ins Haus.

Wenig später klappte die Haustür, und Sophie sah, wie sie in Bermudas und T-Shirts Ellenbogen an Ellenbogen den Gartenweg entlang auf die Strasse liefen und sich entfernten.

Untätig hier auf ihre Rückkehr zu warten, das ging über ihre Kräfte. Sie liess das Kaffeegeschirr stehen, holte ihre Umhängetasche und ging den kurzen Weg bis nach Saint-Paul-de-Vence. In der Rue Grande setzte sie sich in ein Café. Was war, wenn Bruno und Falk weiterhin so schlecht miteinander auskamen, grübelte sie, und das Herz tat ihr bei dem Gedanken weh.

Ein Mädchen mit einer Reisetasche betrat das Café. Es hatte ein apartes, schmales Gesicht, das die Frisur - nach hinten gebundenes Haar und dichte Ponyfransen - sehr jung erscheinen liessen. Es trug eine leichte Hose mit einem modischen Top, sah nett aus, aber vor allem müde und unglücklich.

Die Reisetasche plumste zu Boden. Das Mädchen setzte sich an den Nebentisch und liess sich ein Getränk bringen. Es schenkte sich ein, trank einen Schluck, stellte das Glas auf den Tisch zurück, und plötzlich liess es seinen Kopf auf die verschränkten Arme fallen und brach in Tränen aus.

Liebeskummer? Von zu Hause fortgelaufen? Sophie, die das Mädchen beobachtet hatte, war ganz erschrocken. Sie vergass sofort ihre eigenen Sorgen, beugte sich zum Nachbartisch hinüber und fragte behutsam auf Französisch: "Ich möchte nicht indiskret sein, aber - kann ich etwas für Sie tun?"

Das Mädchen sah nicht auf, schüttelte nur verzweifelt den Kopf.

"Manchmal tut es gut, mit jemandem zu sprechen", versuchte Sophie es geduldig weiter.

Es dauerte eine Weile, dann richtete das Mädchen sich auf, strich die von Tränen nassen Haare aus dem Gesicht und antwortete ebenfalls auf Französisch: "Es ist dumm, einfach so loszuheulen, aber es ist so viel passiert in letzter Zeit ..."

"Was denn?" hakte Sophie freundlich nach.

"Zum Beispiel: Ich schaffe es nicht mit dem Studium."

"Und was studieren Sie?" Nur das Gespräch nicht abreissen lassen, dachte Sophie.

"Medizin. Meinem Vater zuliebe. Aber ich vertrage den Anblick von Blut nicht. Ich habe das meinem Vater nie sagen mögen, ich dachte, ich würde mich daran gewöhnen. Aber es ist eher schlimmer geworden. Ich würde so gern anderen Menschen helfen, wie mein Vater, aber das kann ich doch nicht, wenn ich dauernd schlapp mache, oder?" Es zog eine traurige Grimasse.

Sophie musste lächeln. "Das ist allerdings eine schwierige Situation. Vielleicht sollten Sie etwas anderes studieren."

"Ich würde gern Sprachen studieren. Französisch und Italienisch."

Sophie horchte auf: "Dann sind Sie gar keine Französin?"

"Nein, ich bin Deutsche."

"Sie sprechen jedenfalls fabelhaft Französisch."

"Danke!" Endlich lächelte das Mädchen.

Sophie sah es nachdenklich an. Auch Daniela studierte Medizin ... Unsinn, sagte sie sich gleich darauf. Daniela sollte doch erst morgen am Flughafen von Nizza ankommen.

"Sie sollten auf alle Fälle mit Ihren Eltern darüber sprechen", riet sie. Sie sprach weiter Französisch. Es fiel ihr kaum auf, sie war in beiden Sprachen zu Hause.

"Ach, meine Eltern sind geschieden. Sie haben wenig Zeit für mich. Mutti hat wieder geheiratet und ist total mit ihrem neuen Mann beschäftigt. Mein Stiefvater ist nett. Ich mag ihn, aber ich habe immer das Gefühl, dass ich störe. Und Vati hat nie viel Zeit gehabt. Seine Kranken lassen ihn kaum zur Ruhe kommen. Ich nehme ihm das nicht übel, es ist nun mal so. Aber jetzt will er wieder heiraten. Ich soll hierherkommen, um seine zukünftige Frau kennenzulernen." Das Lächeln war erloschen, das hübsche Gesicht hatte sich verhärtet.

"Seit er sie kennt", fuhr es bitter fort, "habe ich ihn kaum noch zu Gesicht bekommen. Es ist, als hätte ich überhaupt keine Eltern mehr!"

Sophie war jetzt fast sicher, dass das Mädchen Daniela war. Ihr Herz zog sich zusammen, als sie daran dachte, dass sie ihm tatsächlich, ohne es zu wollen, viel von der kostbaren Zeit ihres Vaters genommen hatte.

Am liebsten hätte sie das Mädchen in die Arme genommen, hätte ihm gesagt, dass sie gern eine Freundin für es sein wollte, aber sie traute sich nicht.

"Mein Vater erwartet mich erst morgen. Ich sollte das Flugzeug bis Nizza nehmen. Aber es ergab sich dann, dass mich Freunde im Wagen mitnehmen konnten", fuhr das Mädchen fort. "Ich habe mir gedacht, dass ich Vati die Fahrt nach Nizza ersparen könnte. Und es kam so ja auch viel preiswerter, aber jetzt sage ich mir, dass er es vielleicht gar nicht gut findet, dass ich jetzt schon da bin, denn heute soll auch der Sohn dieser Frau kommen. Das wird dann mein angeheirateter Bruder, oder wie soll man das nennen? Ich will aber gar keinen Bruder, und schon gar nicht so einen. Er studiert Mathe in Freiburg und soll ein richtiger Wunderknabe sein. Tolle Noten, toller Sportsmann und unglaublich gut erzogen. Vati hat mir am Telefon geradezu was von ihm vorgeschwärmt!"

Plötzlich musste Sophie lachen. Es klang wie befreit: "Also, da kann ich dich gleich beruhigen", sagte sie auf Deutsch. "Falk ist ganz und gar kein Musterknabe. Er benimmt sich im Gegenteil geradezu unmöglich im Augenblick!"

Daniela starrte sie verwirrt mit weit aufgerissenen Augen an: "Sie ... wer sind Sie?"

Sophie seufzte komisch: "Ich bin die schreckliche zukünftige Frau deines Vaters, und ich würde mich sehr freuen, wenn du 'Sophie' und 'du' sagen könntest."

Daniela wurde über und über rot: "Sie ... du bist überhaupt nicht schrecklich. Aber ich ... ich habe all diese schrecklichen Sachen gesagt ..."

"Es war das, was du auf dem Herzen hattest, und ich verstehe dich sehr gut. Was meinst du, wollen wir zum Haus gehen? Dein Vater und Falk veranstalten gerade einen Wettlauf", fügte sie hinzu.

"Einen Wettlauf?"

"Sie laufen um die Wette, um sich etwas zu beweisen. Dein Vater, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört, und mein Schwachkopf von Sohn, dass er der Stärkere ist", erwiderte Sophie grimmig.

Sie bestand darauf, für Daniela mitzubezahlen, und dann gingen sie einträchtig den Weg bis zum Haus. Daniela trug ihre Reisetasche, die zum Glück nicht schwer war.

Als Sophie das Gartentor aufstiess, legte sie einen Finger auf die Lippen: "Horch einmal!" Tatsächlich, von der Terrasse hinter dem Haus kam Gelächter. Leise schlichen sie sich heran. An der Ecke machte Sophie Daniela ein Zeichen, dass sie stehen bleiben sollte. Sie selbst näherte sich den beiden Männern, die, noch in ihren verschwitzten Sachen, vor einem Bier sassen, und fragte laut: "Nun, wer hat gewonnen?"

Bruno und Falk wandten sich gleichzeitig um. Auf Falks Stirn prangte ein grosses Pflaster, aber er lachte über das ganze Gesicht.

"Wie ist denn das passiert?" fragte Sophie erschrocken.

"Meine Schuld, Mum. Ich habe mich umgedreht, um zu sehen, ob Bruno überhaupt noch in Sichtweite war, und dabei bin ich gegen einen überhängenden Ast gerannt."

"Worauf ich erste Hilfe geleistet habe", grinste Bruno. "Es ist nichts, nur abgeschürft."

"Toll, einen Arzt in der Familie zu haben", flachste Falk und wurde dann ernst: "Ich habe mich einfach blöd benommen. Ich habe mich schon bei Bruno entschuldigt und tue es jetzt auch bei dir."

"Na gut, Schwamm drüber", seufzte Sophie erleichtert und blickte ihre beiden Männer liebevoll an. "Und jetzt kommt die Überraschung. Seht mal, wer da ist!"

Es gab ein grosses Hallo, als Daniela auftauchte. Ihr Vater drückte sie fest an sich, und Sophie stellte ihr Falk vor.

Bruno trat dicht an Sophie heran und strich nachdenklich über seinen kleinen Bauchansatz: "Der Bengel hat recht, ich müsste etwas dagegen tun!"

"Der Bengel hat etwas anderes zu tun, als seine Nase in Dinge zu stecken, die ihn nichts angehen", flüsterte sie und zeigte verstohlen mit dem Kinn auf die beiden jungen Menschen, die immer noch voreinander standen und ihre Blicke nicht voneinander lösen konnten. "Man hört es ja förmlich knistern!"

Endlich kam Leben in Falk. Er schenkte Daniela sein schönstes Lächeln, griff nach ihrer Reisetasche und fragte: "Soll ich dir dein Zimmer zeigen?"

Sophie und Bruno sahen ihnen lächelnd nach.

Sie schmiegte sich an ihn und meinte: "Du, ich glaube, es werden wunderschöne Ferien."

"Daran habe ich nie gezweifelt", schmunzelte er und gab ihr einen Kuss.

ENDE