Wie peinlich - und auch Männer schwatzen.

Mein Prinz - geschrieben vor vier Jahren

Am Samstag rief meine Freundin Catherine an. B. und ich spielten gerade Domino, diese letzte Partie haben wir nie zuende gespielt, denn wenn Catherine und ich uns unterhalten, dauert es immer sehr lange. Wir sehen uns leider kaum noch, Catherine und ich waren einmal Nachbarinnen, jetzt lebt sie mit ihrem Patrick zu weit weg. Bei beiden ist es, wie bei B. und mir, die zweite Partnerschaft.

Catherine und ich erzählten uns also die neusten Ereignisse, sprachen ein wenig über das Altern, und dabei fiel mir mein letztes Missgeschick wieder ein: "Das war mir sowas von peinlich. Also, plötzlich bemerkte ich, dass in meinem kleinen Auto vorn am Amaturenbrett zwei Warnlichter aufleuchteten, wenn ich den Motor anliess. So eine kleine Ölkanne mit einem Tropfen am Ende, und dann noch ein anderes Zeichen, das ich nicht - nicht mehr - zu deuten wusste. Als ich dann losfuhr, verschwand beides. Aber ich machte mir Sorgen. Ïn der Gebrauchsanweisung las ich, dass es sehr gefährlich sein konnte, wenn diese beiden Warnsignale aufleuchten, dass sie bedeuteten, dass der Öldruck zu schwach sei und etwas mit der elektrischen Verkabelung nicht stimmt. Ich fuhr schleunigst zur Werkstatt. Der Garagenbesitzer steckte den Schlüssel ins Schloss, die beiden Warnlichter erschienen. Er liess den Motor an, die Warnlichter verschwanden.

'C'est ça, votre problème?' (Ist das Ihr Problem?) fragte er.

Als ich es bestätigte, grinste er über das ganze Gesicht: 'Mais, c'est normal, Madame! C'est toujours comme ça. C'est juste un essai. Pour voir, si la signalisation fonctionne!' (Aber das ist ganz normal. Das ist immer so. Es ist ganz einfach ein Test, ob die Warnlichter gut funktionieren.)

Als er mein verdutztes Gesicht sah, fügte er freundlich hinzu: 'Vous l'aviez juste oublié.' (Sie hatten es ganz einfach vergessen).

Jetzt stellte ich mir vor, dass er überlegte, ob ich Oma wohl noch lange Autofahren könnte. Wie blöd war ich bloss gewesen, ich hätte die Gebrauchsanweisung besser lesen sollen!"

Catherine, die fünf Jahre jünger ist als ich, kicherte: "Mach' dir nichts draus. Mir ist neulich etwas Ähnliches passiert. Unser Handy tat's nicht mehr. Das Anzeigefeld war dunkel. Ich wechselte die Batterien, das Anzeigefeld war immer noch dunkel. Ich nahm die neuen Batterien wieder heraus, reinigte die Kontakte, setzte die Batterien wieder ein. Immer noch schwarz. Ich bin mit dem Handy zur Reparaturwerkstatt gegangen. Der junge Techniker hat auf einen Knopf gedrückt, worauf das Anzeigefeld aufleuchtete, und mich dann wie ein kleines Kind belehrt: 'Wissen Sie, Madame, wozu dieser Knopf da ist? Er dient ganz einfach zum An- und Abschalten des Handys.' Ja, da kommt man sich wirklich blöd vor. Diesen Knopf hatte ich total vergessen, weil wir ihn nie benutzen. Normalerweise schalten Patrick und ich nämlich den Handy nie ab, nicht einmal nachts. Einer von uns muss aus Versehen draufgedrückt haben."

Das ist das Schöne an Gesprächen mit Freundinnen, sie rücken alles wieder zurecht. Wir haben dann noch über unsere Kinder und Enkel gesprochen. Ein paarmal ging B. an mir vorbei und seufzte ziemlich laut. Ich wandte ihm schnell den Rücken zu und ging ein paar Schritte weiter, um in Ruhe weitersprechen zu können.

Als Catherine und ich schliesslich fertig waren, war es Zeit, sich um das Abendessen zu kümmern. B. hatte die Dominosteine schon weggepackt und seufzte noch einmal laut: "Ah, les femmes, quelles pipelettes!" (Ah, die Frauen, welche Schwatzmäuler!).

Gestern war Sonntag. Kurz nach elf sah ich aus dem Küchenfenster und rief sofort B. herbei: "Jetzt guck dir das mal an!" Ich zeigte auf Jacques, Bernard und Georg, unsere drei Nachbarn, die sich auf der Strasse unterhielten und gerade lauthals lachten: "Ich wette, dass sie noch in einer viertel Stunde da stehen. Mindestens. Ihr könnt es nämlich genau so gut wie wir."

"Was können wir genau so gut?"

"Schwatzen! Gestern hast du Catherine und mich als Schwatzmäuler bezeichnet, erinnerst du dich?"

"Die drei, das sind Männer. Männer schwatzen nicht, die erzählen sich da gerade Witze."

"Kann sein, aber schwatzen und sogar klatschen tut ihr Männer trotzdem genau wie wir."

"Was du aber auch immer erfindest. Auf alle Fälle stehen wir nicht den ganzen Tag am Fenster und spionieren den Nachbarn nach."

Also, manchmal geht er mir wirklich auf die Nerven. Genau, wie Patrick manchmal Catherine auf die Nerven geht. Auch darüber können wir uns stundenlang unterhalten

Noch ein Blick aus dem Küchenfenster: Jacques, Bernard und Georg standen immer noch draussen. Jetzt lachten sie nicht mehr, sie hatten ihre Köpfe zusammengesteckt und KLATSCHTEN! Da war ich ganz sicher. Ich war einmal zufällig im Vordergarten und hörte, wie sie sich Schlechtes über ihre Frauen erzählten. Als sie mich sahen und ich ihnen zum Spass mit dem Finger drohte, haben sie mir scheinheilig zugewinkt und nachher ganz leise gesprochen, damit ich nicht mehr hörte, was sie sagten.

Ich drehte mich nach B. um, aber er war verschwunden, denn ER SPIONIERT JA NICHT DEN NACHBARN NACH!

Als ich anfing, das Mittagessen vorzubereiten, kam B. mit zwei Aperitifgläsern zurück. Porto für mich, Whisky für ihn. Galant überreichte er mir mein Glas: "Pour vous, Madame. Trinken wir auf ein glückliches Zusammenleben." Dabei lächelte er ganz lieb - und ich schmolz. Er hat ja recht. Vergessen wir unseren kleinen Hickhack. Tschin-tschin!

ENDE