Welche Geschenke für die Enkel?

Meine Enkel, geschrieben vor drei Jahren

Ich weiss noch, wieviel Freude es mir noch vor einigen Jahren machte, Geschenke für meine Enkel Arthur, Reno und Cyril auszusuchen - und wieviel Freude sie daran hatten. Mit den Plüschtieren, Bällen, Kinderbüchern, Spielen, Marionetten, Drachen, Knetpasten, Dreirädern und kleinen Gartengeräten haben sie begeistert gespielt. Vieles davon haben sie heute noch, und ihr seit langem nicht mehr tadelloser Zustand zeugt von dem fleissigen Gebrauch, den sie davon machten. Und dann ihre erwartungsvolle Blicke, wenn ich sie besuchte! Was natürlich ungleich häufiger bei Arthur und Cyril geschah und immer noch geschieht als - leider - dem fernen, amerikanischen Reno.

Wann merkte ich zum ersten Mal, dass ich bei Arthur und Cyril mit meinen Geschenken etwas daneben lag? Sie bedankten sich immer noch sehr lieb und höflich, gaben mir einen Kuss, aber Arthur wandte sich nach einem kurzen Blick auf mein Geschenk gleich wieder seinen elektronischen Spielen zu, die er gerade entdeckte, und Cyril, obwohl er doch drei Jahre jünger ist als sein Bruder, tat es ihm gleich. Statt sich mit meinen Mitbringseln zu beschäftigen, wollten sie jetzt, dass ich mit ihren spielte. Elektronisch! Natürlich verlor ich haushoch dabei. Das Blatt hatte sich gewendet. Jetzt waren es diese kleinen Hüpfer, die mehr konnten als ich!

Seitdem bin ich dazu übergegangen, ihnen ganz einfach Geld zu schenken. Zum Geburtstag, zu Weihnachten und auch bei meinen Besuchen. Zu Anfang war mir nicht sehr wohl dabei, aber alle drei waren erneut hoch begeistert. Bei Arthur und Cyril kann ich mich selbst davon überzeugen, bei Reno berichtet mir meine amerikanische Tochter davon.

Ich erinnere mich noch an das Familienfest am ersten Weihnachtstag bei meiner jüngeren Tochter. Das war vor zwei Jahren. Die ganze Familie war da, alle brachten Arthur und Cyril in hübsches Papier eingepackte Geschenke mit, die sie erwartungsvoll öffneten. Es gab da Legosteine, Spiele und vieles anderes mehr. Meinen im Vergleich so bescheidenen Umschlag öffneten die Jungs zuletzt, zogen die hübsche Karte heraus, die ich zu den beiden Geldscheinen gelegt hatte - und sahen ziemlich enttäuscht aus.

"Nun seht noch mal genauer nach, was da noch im Umschlag ist", forderte ich die beiden auf. Sie warfen etwas skeptisch erneut einen Blick hinein, worauf sich ihre Gesichter auf spektakuläre Weise erhellten. Rasch zogen sie die beiden Geldscheine heraus, ich bekam einen Kuss, dann rannte Arthur rasch davon, um die Scheine in seine Sparbüchse zu stecken, während Cyril überall zwischen den Gästen herumlief und dabei begeistert seine eigenen Geldscheine schwenkte. "Je suis riche, je suis riche!" (Ich bin reich, ich bin reich!) jubelte er. Das war mir nun doch etwas peinlich. Ich fing ihn schnell ein und lachte: "Psst, das tut man aber nicht, so mit dem Geld zu prahlen. Hast du nicht auch eine Sparbüchse, wie Arthur? Da tun wir jetzt das Geld rein, und wenn du das nächste Mal mit deinen Eltern einkaufen gehst, dann suchst du dir etwas Schönes dafür aus."

Nun, ich bin bei den Geldgeschenken geblieben. Ehrlich gesagt ist das auch sehr bequem. Einmal fragte ich meine Töchter, was sie davon hielten, ob ich nicht lieber wieder Geschenke wie vorher machen sollte. Beide versicherten mir, dass ich den Jungs keine grössere Freude machen könnte, also mache ich weiter so.

Es gibt ja auch genügend Argumente, die dafür sprechen. Einmal haben die Jungs super-schnell und ausgesprochen gern dank der Scheine und Münzen rechnen gelernt. Ein 5-Euro-Schein und eine 1-Euro-Münze, das sind 6 Euro. Fünf 5-Euro-Scheine, das sind 25 Euro. Ein 10-Euro-Schein plus ein 20-Euro-Schein, das sind 30 Euro. Und so weiter ...

Sie lernen auch den Umgang mit Geld. Cyril protzt schon lange nicht mehr mit seinem "Reichtum". Der diskretere Arthur hat es nie getan.

Wenn ich sie besuche, bekommen Arthur und Cyril jeder 5 Euro von mir. Einmal vergass ich, ihnen gleich bei der Begrüssung das Geschenk zu machen. Ich unterhielt mich noch mit meiner Tochter, als Cyril sich mit seiner Spardose in der Hand näherte. Er schüttelte sie vorsichtig und sah mich dabei erwartungsvoll an. Meine Tochter warf ihm einen strengen Blick zu, und der Schlaumeier verteidigte sich sofort: "Ich will Mamie doch nur zeigen, wie hübsch meine Spardose ist!" Aber ich hatte die Botschaft natürlich schon verstanden, holte den Schein aus meinem Portemonnaie und steckte ihn zu seiner grossen Freude in die Spardose. Und natürlich hat auch Arthur seinen Schein bekommen. Auf diese Weise wusste ich jetzt auch, wie viel ihnen diese Geldgeschenke bedeuteten! Meine Tochter unterliess es ausserdem nie, zu betonen, dass 5 Euro sehr, sehr viel Geld wären. Damals bekamen die Jungs noch nicht einmal Taschengeld!

Als ich das letzte Mal bei ihnen war und meine Tochter und mein Schwiegersohn kurz auf einen geplanten Kauf anspielten, mit dem sie aber noch etwas warten mussten, sagte Cyril sofort: "Warum wollt ihr warten? Wir können es doch gleich kaufen. Arthur und ich, wir haben genug Geld, wir schenken es euch!" Nun, ich weiss nicht, ob ihr Geld dafür gereicht hätte, aber dieser spontane Vorschlag zeugt doch von Grosszügigkeit - und natürlich auch einem gewissen Stolz, eine gut gefüllte Sparbüchse zu haben.

Was mir bei meinen Enkeln besondere Freude bereitet, ist aber auch, dass alle drei ausgesprochen gern lesen, zeichnen und malen. Dass es für sie also bei weitem nicht nur die elektronischen Spiele, das Fernsehen - und meine Geldgeschenke gibt!

Oben seht ihr wieder ein Bild vom 5-jährigen Cyril. Er übt sich jetzt im Schreiben, und um unseren gewöhnlich falschen Interpretationen vorzubeugen, hat er - geholfen von seinem älteren Bruder - seine Gestalt als LION, Löwe, für alle leicht erkennbar gemacht. Denn wenn man es weiss, sieht man es ja auch ...

ENDE