Truite au bleu - Forelle blau

Mein Prinz - geschrieben vor vier Jahren

Zum Abendessen soll es Forelle geben. Aber nach welchem Rezept soll ich sie zubereiten? B. hat immer für sein Leben gern gekocht, und eigentlich kommt er damit bei mir zu kurz. Ich koche auch gern, und vor allem leichter als er. Hab mal einen Artikel gelesen, dass die Männer gesundheitlich benachteiligt sind, wenn es die Frau ist, die immer kocht. Sie kocht nämlich, was ihr gefällt und was sie selbst gut veträgt, und das entspricht nicht immer den Bedürfnissen ihrer Männer. Andererseits, wenn Männer kochen ...

Na, in dem Augenblick denke ich nur daran, dass B. ja auch mal an die Reihe kommen muss mit Kochen, vor allem erinnere ich mich an sein sagenhaft gutes Forellen-Rezept, die Forelle blau.

"B., magst du die Forelle zubereiten? Nach deinem Rezept? Forelle blau?"

"Klar doch", stimmt er begeistert zu.

Es bleibt noch Zeit bis zum Essen, genug Zeit für die Vorbereitungen. Ich gehe ins Wohnzimmer, um ein paar Patiencen zu legen. Patiencen legen entspannt mich.

Kurz darauf tönt es aus der Küche: "Verdammt, wo ist denn mein Glas-Keramik Kochtopf?"

Ich eile herbei. Die beiden Schubfächer mit den Pfannen und Kochtöpfen sind herausgezogen, B. hat ein rotes Gesicht. Vor Zorn oder vom Bücken?

"Dein Kochtopf ... Ach ja, der ist in der Garage. Nimm doch einen der Kochtöpfe hier!" Es waren alles meine Edelstahl-Kochtöpfe.

"Die sind dafür nicht geeignet!" B. entschwindet und kommt eine Weile später mit seinem enormen Glas-Keramik Kochtopf zurück, den er in die "Ehe" mitgebracht und den ich in die Garage verfrachtet hatte.

Er sieht mich vorwurfsvoll an, und ich fühle mich tatsächlich etwas schuldig. Andererseits, wann brauchen wir ihn schon, und es gibt einfach keinen freien Platz für ihn in unserer recht kleinen Küche.

Ich spüle ihn schnell (Himmel, ist der schwer!) und trocke ihn ab: "Hier, wie neu. War nur ein bisschen Staub drauf."

B. füllt ihn fast ganz mit Wasser. B. füllt immer alles bis oben zum Rand, inklusive sein Weinglas, fällt mir mit Schrecken wieder ein. Wie oft schwappt es dann über! Und was die Kochtöpfe angeht, kochen sie dann über!

"Was? So viel? Für diese kleine Florelle?" protestiere ich.

"Das muss so sein!" Er sieht mich grimmig an, und ich mache mich lieber davon - zu meiner Patience. Und er macht die Küchentür hinter mir zu.

Ab und zu höre ich einen kräftigen Fluch aus der Küche. "Verdammt, wo ist denn brumm, brumm, brumm ..."

Ich gehe lieber nicht nachschauen, aber die Patience wirkt nicht mehr beruhigend auf mich. Die Küche, wie sie wohl aussehen mag ?

Schliesslich gehe ich nachsehen.

"So, der Sud ist fertig", erklärt B. befriedigt. Um den Rest kümmere ich mich in einer halben Stunde, bevor wir essen." Er geht davon, um sich auszuruhen.

Und ich räume auf. Und wasche ab. Früher, mit meinem ersten Mann und unseren beiden Töchtern, war das der einzige Augenblick, in dem sich niemand in der Küche blicken liess. Und ich war froh über diese Ruhe, ich brauchte sie, um über die Geschichten nachdenken zu können, die ich für die deutsche Presse schrieb. Ich habe nie eine Geschirrspülmaschine gehabt, und jetzt lohnt es auch nicht mehr. Jedenfalls nicht, wenn ich es bin, die koche.

Kennt ihr das Rezept der Forelle blau? Ach, das findet ihr im Internet.

Es ist soweit. Wir essen zu Abend. Die Forelle schmeckt wirklich wunderbar. Wir trinken einen trockenen Muscadet -Weisswein dazu, aus dem Val-de-Loire : "Un vrai festin de Balthazar", beglückwünsche ich den Koch, worauf der total erschöpft wirkende B. sich augenblicklich wieder belebt und mir sein schönstes Lächeln schenkt. Ach, ich liebe diesen Mann, der Augenblick ist so friedlich. Wir hören schöne Musik, wir essen die wunderbare Forelle, die nicht für nichts gestorben ist. Dann gibt es den Salat, den Käse mit Rotwein ...

Wir waren später dran mit dem Essen als sonst. Nach dem Nachtisch räume ich den Tisch ab, wasche ab, inklusive den enorm grossen und schweren Glas-Kochtopf, räume die Küche auf, putze den Herd (übergekocht!), koche unseren Kräutertee, verpasse den Wetterbericht, die Hälfte der Nachrichten, während Monsieur sich zufrieden vor dem Fernseher vom Kochen erholt.

Also nein, das nächste Mal werde ich selbst die Forelle zubereiten, ich kann es mindestens genau so gut wie er, und die Nebenschäden sind geringer!

ENDE