Katze oder Hund?

geschrieben vor drei Jahren

Meine Töchter wollten, als sie klein waren, unbedingt einen Hund haben. Einen Hund? Nie im Leben, habe ich gedacht. Um einen Hund muss man sich kümmern, man muss mit ihm spazieren gehen, er heult, wenn man ihn allein zu Hause lässt, er ist unglücklich. Ich mag niemanden unglücklich machen, nicht einmal einen Hund! Ich habe meinen Töchtern statt dessen ein Meerschweinchen geschenkt. Es ist nicht dasselbe, aber nun ja ... Eines Tages war es dann zu Ende mit ihm, meine Töchter und ich haben es im Garten begraben - und waren nicht sehr traurig. Es war ohnehin ich, die dem Meerschweinchen zu fressen gab, die sein Ställchen saubermachte, die ... "Wir wollten doch auch gar kein Meerschweinchen", sagten sie vorwurfsvoll, wenn ich sie ermahnte, sich mehr um ihren kleinen Spielkamaraden zu kümmern. "DAS MEERSCHWEINCHEN, DAS WOLLTEST DU!"

Eines Tages brachten meine Töchter ein kleines Kätzchen mit nach Hause. Sie hätten es auf der Strasse gefunden, berichteten sie aufgeregt. Ganz allein und zitternd vor Kälte. "DÜRFEN WIR ES BEHALTEN?"

Gut, sie durften. Eine Katze, fand ich, war besser als ein Hund. Es war ein schneeweisses Kätzchen, wir nannten es Blanchette. Blanchette, die ich, sobald es möglich war, kastrieren liess, wuchs zu einer riesigen Katze heran. Und sie lebte sehr, sehr lange, geliebt von meinen Töchtern und mir. Wir brauchten sie mehr als sie uns brauchte. Für Blanchette war eigentlich nur wichtig, dass ihr Futternapf immer gut gefüllt war. Zuerst gab sie sich mit recht preiswerter Nahrung zufrieden, aber bald schon wurde sie ganz schön wählerisch. Ich brauchte erheblich länger, um im Supermarkt das Dosenfutter für Blanchette auszusuchen, das ihr hoffentlich gefallen würde, als mich für unsere eigene Nahrung zu entscheiden. Zumal Blanchette oft ihre Meinung änderte. Was sie in der letzten Zeit gerne frass, gefiel ihr plötzlich überhaupt nicht mehr, und dann sass ich da mit meinen Dosen ...

Oft hatten wir sogar zwei Katzen, alle ganz winzig von meinen Töchtern auf der Strasse aufgelesen, wie sie behaupteten. Irgendwie habe ich selbst nie winzige verlorene Kätzchen auf der Strasse gesehen. Viel später erst kam mir die Idee, dass vielleicht jemand diese Kätzchen, kaum waren sie abgestillt, meinen Töchtern geschenkt hatte? Einmal war es ein schwarzer Kater. Wir nannten ihn Blacky. Blacky war selten zu Hause, besonders im Frühjahr, aber auch im Herbst, musste er ein riesiges Viertel gegen seine Rivalen verteidigen. Oft kam er morgens total erschöpft, zerrauft und schmutzig nach Hause, sank mit einem kleinen pfeifenden Laut auf sein Kissen und schlief umgehend ein. In der Zeit wurde er richtig mager, denn ihm blieb nicht einmal mehr genug Zeit, um richtig zu fressen.

Manchmal blieb er tagelang fort. Er blieb immer länger fort. Als er sich eines Tages nach einer besonders langen Abwesenheit wieder bei uns blicken liess, erkannten wir ihn kaum wieder. Sein Bäuchlein schleifte fast auf der Erde, er war sauber und sogar parfümiert, und eine rote Schleife schmückte seinen Hals. Und er war kastriert! Und er sah rundherum zufrieden aus. Es war das letzte Mal, dass er bei uns vorbeikam. So ist das mit den Katern.

Meine Töchter sind längst erwachsen, sind verheiratet und haben selbst Kinder - und Katzen. Natürlich wünschten sich ihre kleinen Söhne eigentlich einen Hund. Aber um einen Hund muss man sich kümmern, man muss mit ihm spazieren gehen, na, ihr wisst schon ...

Ich habe mir auch eine Katze geschaffen. Aus Pappmaché. Oben könnte ihr sie sehen.

Sie braucht kein Futter, man braucht nicht ihren Kasten zu leeren, nicht mit ihr zum Tierarzt. Und sie lebt ewig und wird immer bei mir bleiben. Einmal habe ich sie hinter die Fenstertür des Wohnzimmers gestellt (für das Foto habe ich die Tür offen gelassen). Die Nachbarkatze schlenderte gerade vorbei. Als sie meine Pappmaché-Katze sah, machte sie einen Riesensatz zurück, ihre Haare sträubten sich, ihre Krallen fuhren aus. Drei Sekunden stand sie so da, dann näherte sie sich wieder vorsichtig. Meine Katze stand immer noch völlig unbeweglich da und sah sie von oben herab an. Noch ein paar Sekunden, dann wandte die Nachbarkatze sich verächtlich ab und schlenderte cool davon. Aber immerhin, einen kleinen Augenblick dachte sie, es sei eine wirkliche Katze. Ich war richtig stolz.

Meine Freundin Denise hat dagegen einen Hund. Es ist der sechste oder siebte - mindestens. Wenn sie jung sind, springen sie einem auf den Schoss, sie sind sehr turbulent. Natürlich streichel ich sie - und behalte meine Gedanken für mich (das sich herumdrehen auf meinem Schoss, als müssten sie sich ein Nest trampeln, sie lecken einem die Nase, sie jaulen und hecheln, ganz zu schweigen von den Hundehaaren. Und bellen tun sie auch, was mich immer zusammenfahren lässt). Denise hat immer einen Hund gehabt. Sie geht mit ihm spazieren, sie hat Hunde, um mit ihnen spazieren zu gehen. Allein, sagt sie, würde sie nicht spazieren gehen: "Da begegne ich dann anderen Hundebesitzern, die mit ihrem Hund spazieren gehen, man kommt mit ihnen ins Gespräch, das mag ich so gern."

Manche haben auch einen Hund UND eine Katze, und das Erstaunliche ist, dass sie sich meistens gut vertragen ...

ENDE