Einkaufen im Supermarkt

geschrieben vor 3 Jahren. Inzwischen hat der Supermarkt wenigstens die Einkaufswagen erneuert!

Wir haben in unserem Dorf ein sehr friedliches und angenehmes Leben, nur gibt hier nicht alles zu kaufen. Ab und zu muss ich also zum zwanzig Minuten entfernten Supermarkt fahren, der sich in einem grösseren Nachbarort befindet.

Gestern war es wieder soweit. Zum Glück fand ich einen Parkplatz nicht weit vom Eingang entfernt, aber ich musste vier Versuche machen, ehe ich es mit meiner Plastikmarke schaffte, einen Einkaufswagen loszubekommen. Wenigstens klemmten die Räder nicht beim Rollen.

In dem Riesen-Einkaufszentrum kommt man erst an vielen kleinen Boutiken vorbei, aber dann war ich am Ziel, es konnte losgehen. Mit meiner Einkaufsliste in der Hand bahnte ich mir einen Weg durch die Menschenmenge. In Supermärkten gibt es keine Verkehrsbestimmungen, man darf rollen, wie man will. Links, rechts, quer, in der Mitte. Man darf anhalten, den Wagen einfach stehenlassen (allerdings möglichst da, wo er nicht den Verkehr blockiert) um eine Ware zu suchen. Es wurde ja darüber nachgedacht, diese flexible Verkehrsart auch im Strassenverkehr einzuführen, zumindest im Stadtzentrum. Na, ich weiss nicht. Man darf nicht vergessen, dass der "Verkehr" in einem Supermarkt sich im Schrittempo abspielt und den Leuten Zeit lässt, zu reagieren. Und einen im Weg stehenden, einsamen Einkaufswagen kann man einfach beiseiteschieben, was bei einem Auto ja schlecht möglich ist.

Also gut, ich ging mit meinem Einkaufswagen langsam weiter. Wenn ich Zeit habe, gucke ich immer gern, was es sonst noch alles gibt. Jetzt näherte sich eilig eine Frau. Sie hielt ein Paket Nudeln in der Hand und sah sich suchend um. Einen Augenblick blieb sie stehen, dann kehrte sie um, hielt auf der anderen Seite Ausschau und kam wieder zurück. Sie sah mich an, schüttelt ratlos den Kopf und sagte: "Eh bien, je ne comprends pas. J'avais laissé mon chariot ici, et il a disparu!" (Also, das verstehe ich nicht. Ich hatte meinen Einkaufswagen hier stehen lassen, und er ist weg!)

"Hoffentlich finden Sie ihn wieder, ich wünsche Ihnen viel Glück", antwortete ich sehr mitfühlend auf französisch.

Sie war schon weitergelaufen, und ich dachte an das Mal, an dem ich selbst meinen Einkaufswagen nicht wiederfand. Ich hatte schon die Hälfte meiner Einkäufe erledigt, was mich eine erhebliche Zeit gekostet hatte. Ich suchte gute zehn Minuten lang, gab es schliesslich auf, holte mir einen neuen Einkaufswagen und fing meine Einkäufe von vorn an. Als ich schliesslich auf dem Weg zur Kasse war, sah ich meinen verlorenen Einkaufswagen an einer Stelle, an dem ich ihn ganz bestimmt nicht stehen gelassen hatte! Mit all meinen Einkäufen darin, die ich jetzt ja doppelt hatte! Natürlich liess ich ihn da stehen, was sollte ich jetzt noch damit? Ganz offensichtlich war eine andere Person damit losgezogen und hatte ihn, als sie ihren Irrtum merkte, einfach stehen lassen, ehe sie sich auf die Suche nach ihrem eigenen Einkaufswagen zurück begab.

Die Frau von vorhin hatte mehr Glück. Ich begegnete ihr etwas später wieder, und sie erklärte mir, dass sie ihren Einkaufwagen etwas weiter entfernt wiedergefunden hätte: "Da habe ich ihn nie im Leben abgestellt, jemand muss ihn mit dem eigenen Einkaufswagen verwechselt haben. Na, das ist mir auch schon mal passiert, aber ich hab wenigstens den Wagen an die ursprüngliche Stelle zurückgebracht und mich bei der Kundin, die ihn schon verzweifelt suchte, entschuldigt."

Ich erzählte ihr nun meine eigene Geschichte, zu der sie noch eine andere Geschichte wusste. Das Thema ist ja wirklich unerschöpflich.

Nachher an der Kasse musste ich anstehen. Auch dabei wird sich viel unterhalten. Vor mir wartete eine junge Mutter. Ihr noch sehr kleiner Sohn lief unermüdlich auf seinen strammen kleinen Beinen nach links und rechts. Seine Mutter liess ihn nicht aus den Augen, rief ihn zurück, sobald er sich zu sehr entfernte und erklärte mir: "Er wollte nicht mehr im Wagen sitzen bleiben, er stemmte sich auf dem Sitz hoch und wäre fast herausgefallen." Nun passten wir beide auf den Jungen auf. Sie hatte ihre Einkäufe schon auf den Rollteppich gelegt und war jetzt an der Reihe. Schnell fing sie ihren kleinen Sohn wieder ein und verfrachtete ihn auf den Sitz zurück: "Sois sage, et ne bouge pas!" (Sei artig und sitz still) forderte sie ihn energisch auf.

Ich legte nun meinerseits meine Einkäufe auf den Rollteppich und war gerade fertig, als der kleine Junge sich im Sitz aufrichtete und gefährlich über den Rand beugte. Schnell lief ich nach vorn, drückte ihn auf den Sitz zurück und rief seiner überforderten Mutter zu: "Lassen Sie nur, ich passe auf ihn auf!" Und dann redete ich mit dem Kleinen, was ihm aussergewöhnlich gut zu gefallen schien. Er sass ganz still da und hörte mir aufmerksam zu. Als ich eine Pause machte, antwortete er mir. Er konnte noch nicht sprechen, gab nur verschiedene Laute von sich, ahmte aber dabei perfekt die Mimik eines ernsthaften Gespächspartners nach (vielleicht ahmte er mich nach?). Es war absolut verblüffend und drollig. Als er schwieg und mich erwartungsvoll ansah, war ich es wieder, die sprach. Danach meldete er sich erneut zu Wort. So "unterhielten" wir uns eine ganze Weile. Schliesslich musste ich lachen, und er lachte zurück. Ich hätte ihn knuddeln können.

Seine Mutter hatte jetzt ihre Einkäufe im Wagen verstaut und bezahlt. Sie bedankte sich herzlich bei mir, und zum Abschied winkten der kleine Junge und ich uns noch einmal fröhlich zu.

Und dann hatte ich es eilig, nach Hause zu kommen, um B. alles zu erzählen.

ENDE