Mein neues Leben

1. Der Hausverkauf

Vor zwei Jahren verlor ich meinen B. Eine lange Zeit kämpfte er tapfer gegen die Folgen seiner Kriegsverwundungen aus seiner Zeit in der französischen Fremdenlegion, seine Diabetis und verschiedene andere Gesundheitsprobleme an, bis er mir erklärte: "Il est temps de prendre congé." (Es ist Zeit, Abschied zu nehmen). In derselben Nacht - er befand sich in einer auf Palliativpflege spezialisierten Klinik - starb er. Es war ein grosser Kummer für mich, aber auch die Erleichterung, dass er nicht mehr leiden musste. Immerhin hatte er das hohe Alter von 92 Jahren erreicht.

Zwei Jahre wohnte ich allein in unserem Haus in Velaux, bis meine jüngere Tochter Ina mir eines Tages nahe legte, in ihre Nähe zu ziehen. "Es wäre schön für uns alle", erklärte sie mir. "Wir könnten uns öfter sehen, und wenn du mal Hilfe brauchst ..." - "wär's einfacher für euch, und ich meinerseits kann Arthur und Cyril von der Schule abholen, wenn ihr Verspätung habt oder sonst verhindert seid", ergänzte ich.

Wir lächelten uns zu, wir haben uns immer gut verstanden. Der Zufall wollte es, dass mich ein paar Tage später - ich war im Vordergarten beschäftigt - ein sympathisch wirkender junger Mann ansprach und mich fragte, ob ich nicht zufällig mein Haus verkaufen wollte. Ja, das wollte ich, den Entschluss hatte ich schnell gefasst. Der junge Mann war ein selbstständig (übers Internet) arbeitender Immobilienagent, der sein Glück kaum fassen konnte, als ich ihn bat, sich mein Haus anzusehen. Später erklärte er mir, dass er sich in einer schwierigen beruflichen Lage befunden hätte und ich sein rettender Engel gewesen wäre. Noch später erfuhr ich, dass er ein Mormone war. Jedenfalls hatte er schon drei Wochen später mein Haus zu einem sehr korrekten Preis an ein junges Ehepaar verkauft, das allerdings so schnell wie möglich dort einziehen wollte.

Inzwischen hatte meine Tochter eine Wohnung für mich in ihrer Nähe ausfindig gemacht, der Wohnkomplex befand sich allerdings noch im Bau - bis etwa Ende Juli. Wo sollte ich hin in der Zwischenzeit? Um es kurz zu machen: Mein Ex-Mann (wir hatten uns in aller Freundschaft scheiden lassen, als unsere Töchter erwachsen und wie beide andere Partner kennengelernt hatten) bot mir spontan an, in das kleine Studio zu ziehen, das er an sein Haus hatte angebauen lassen. Es gibt dort eine Dusche und eine kleine Küche, die ein völlig unabhängiges Leben möglich machen. Seine Lebensgefährtin Nicole hatte nichts dagegen, wir haben uns immer gut verstanden.

Das sollte sich allerdings schnell ändern, auf ihrer Seite jedenfalls, denn kaum war ich mit meinem sehr beschränktem Gepäck eingezogen (meine Möbel u.s.w. befinden sich in einem Möbellager) begann sie, mich argwöhnlich zu beobachten.

Fortsetzung folgt ...