Mein Ex

in dessen Studio ich ja momentar lebe.

In meinen Geschichten gebe ich meinen Töchtern, meinen Enkeln und Bekannten andere Namen, und jetzt auch meinem Ex, der dies allerdings absolut nicht gutheissen würde - wenn er es wüsste. Denn sein Lebensziel ist es ja, als Kunstmaler berühmt zu werden.

Mein Ex, den ich hier Toan nenne, ist ein gebürtiger Vietnamese, der mir vor 47 Jahren - wir lebten damals beide in Toulouse - so glühend den Hof machte, dass ich ihm schliesslich mein Ja-Wort gab. Er wollte unbedingt eine Deutsche als Frau, eine Deutsche, die Klavier spielte, was genau auf mich zutraf. Und für mich war er eine Rückkehr nach Asien (ich bin ja - von deutschen Eltern - in Japan geboren und habe bis zu meinem 8. Lebensjahr dort gelebt). Von Beruf war mein Ex wie gesagt Physiker und arbeitete in der Forschung, aber in seiner Seele war und ist er ein Künstler. Er hat von klein auf gemalt, folgte darin dem Beispiel seines Grossvaters, der in Vietnam ein recht bekannter Maler war. Nun, zwischen Toan und mir, das war keine wirkliche Liebesheirat, aber wir übten eine gewisse Faszination aufeinander aus. Von Treue hielt Toan auch nicht sehr viel (sein sehr bewunderter Grossvater, ein reicher Grossgrundbesitzer, hatte schliesslich drei Frauen). Qué hatte nur eine Ehefrau, mich, aber darüber hinaus auch immer Mätressen (oft seine Modelle), mit denen ich mich aber gut verstand. Sie nahmen mir die Arbeit mit seinen Ausstellungen ab, und ich hatte Zeit, um mich richtig um unsere beiden Töchter zu kümmern und auch, um meine Geschichten zu schreiben. Ausserdem war ich für Toan, der seit 18 Jahren mein "Ex" ist, auch immer seine Hauptfrau, die er respektierte. Bah, man könnte ein Buch über ihn schreiben, genau wie über meinen "B". Ich hätte mich auch nie gern mit einem Mann gelangweilt, und da war ich mit beiden ja bestens bedient.

Das Bild oben ist ein Foto, das ich hier im Garten gemacht habe.

Fortsetzung folgt