Ein Nachmittag mit meinen Töchtern - und Nathalie...

... der meine Neuronen in Schwung gebracht hat.

Im Augenblick ist meine Tochter Julie, die nun schon sehr lange in den USA lebt, zu Besuch bei meiner Tochter Vanessa, in deren Nähe ich ja bald ziehen werde. Vorgestern habe ich einen wunderbar interessanten Nachmittag mit ihnen verbracht.

Als ich gegen drei Uhr Nachmittags dort ankam, waren meine Enkel Arthur, Cyril und der amerikanische Reno mit ihren elektronischen Spielen beschäftigt, sicher froh darüber, dass die Eltern, die sich angeregt miteinander unterhielten, sie in Ruhe damit spielen liessen statt ihnen andere Aktivitäten vorzuschlagen. Und es gab einen weiteren Gast: Nathalie, eine Freundin meiner amerikanischen Tochter Julie aus ihrer gemeinsamen Studentenzeit in Paris.

Nathalie hatte mich in jenen Jahren einmal zur idealen Mutter erklärt, was mich sehr berührte. Sie selbst hatte eine recht schwierige, autoritäre Mutter und keine sehr glückliche Kindheit. Auch ich habe ganz bestimmt nicht immer alles richtig gemacht, hatte neben meinen Töchtern mein eigenes, nicht immer sehr konventionelles Leben, aber immer, wenn Nathalie und ich uns sehen, freuen wir uns.

Nathalie ist Radio-Reporterin und hatte ihr Aufnahmegerät dabei. Sie wollte Julie und mich interviewen. "Keine Bange", beruhigte sie mich, "das Interview ist völlig anonym, eure Namen werden nicht genannt."

Trotzdem fühlte ich Stress in mir aufsteigen, aber schon schaltete sie ihr Gerät ein, stellte ihre erste Frage an Julie, damit diese von ihrem Leben und ihrer Arbeit in den USA erzählte, dann fragte sie mich, ob es mir nicht schwer gefallen wäre, meine Tochter so weit fort ins Ausland ziehen zu sehen.

Meine Antwort: "Aber ich hab doch das gleiche getan, bin von Deutschland nach Frankreich gezogen, obwohl es natürlich nicht dieselbe Entfernung ist."

Nach einigen anderen, interessanten Fragen, auf die Julie und ich antworteten (mein Stress war verschwunden), kam eine neue Frage an mich: "Julie hat vor kurzem ihren Beruf gewechselt. Vorher arbeitete sie sehr erfolgreich als Team-Leader für grosse Unternehmen, die auf Videospiele spezialisiert waren. Sie empfand dann aber mehr und mehr das Bedürfnis, nicht nur am Computer zu arbeiten, sondern wieder schöpferisch mit ihren Händen tätig zu sein. Jetzt tachidermiert sie Mäuse*, kostümiert sie, schenkt ihnen ein neues Leben als äusserst phantasievolle Kreaturen. Bereitet Ihnen dieser Berufswechsel kein Problem?"

Ich lachte: "Natürlich nicht. Auch da hab ich das Gleiche gemacht. Urspünglich war ich Chemotechnikerin, hab als solche sogar noch in Frankreich gearbeitet, bis ich dazu überging, meine Geschichten für die deutsche Presse zu schreiben. Ich wollte zu Hause arbeiten, wollte da sein für meine beiden Töchter. Ausserdem hab ich immer gern geschrieben, genau, wie Julie schon als Kind gern zeichnete und malte.

Nathalie stellte noch andere interessante Fragen, die Julie und ich beantworteten, aber es sind vor allem diese beiden, die mich immer noch beschäftigen. Ich hatte noch nie darüber nachgedacht, wie viel man auf seine Kinder überträgt. Natürlich ist vieles erblich bedingt, aber das Verhalten der Eltern und der Charakter der Kinder spielen ebenfalls eine grosse Rolle. Hatte Vanessa ebenfalls Lust, auf Entdeckungsreisen zu gehen? Ich weiss es nicht. Für sie war ein junger, sehr sesshafter Mann wichtiger, es war bei Beiden Liebe auf den ersten Blick gewesen, und sie führen auch heute noch eine glückliche Ehe.

* Für diese Arbeit verwendet Julie eingefrorene Mäuse, die normalerweise für die Ernährung anderer Tiere, hauptsächlich in Zoos, bestimmt sind. Oben auf dem Foto zur Geschichte seht ihr eine dieser Mäuse in ihrem neuen Leben als Fotograf.

Fortsetzung folgt