Eine Armee von Schutzengeln

wacht über die Kinder.

Am letzten Freitag war es etwas aufregend. Es war geplant, dass ich um 17 Uhr meinen 9-jährigen Enkel Cyril von der Schule abholen sollte, Vanessa und mein Schwiegersohn arbeiten ja beide noch zu der Zeit. Um Arthur, der ausnahmsweise nur vormittags Schule hatte, kümmerten sich seine Grosseltern väterlicherseits. Ich fuhr also zu Cyrils Schule. Dort war, wie immer bei Schulschluss, kein Parkplatz mehr zu finden. Ich musste auf dem Parkplatz der Post gleich gegenüber in Doppelreihe parken und wartete im Auto auf Cyril, aber das ist er gewohnt, ein Polizist hält den Verkehr an, damit die Kinder unbeschadet auf die andere Seite kommen, und mein rotes Auto sieht er sofort von weitem.

Aber diesmal klappte es nicht. Eine halbe Stunde hab ich gewartet, und es war immer noch kein Cyril in Sicht. Dafür gab es ein fröhliches Fest mit Buden und Karoussels genau vor seiner Schule. Also, ich bin einfach wieder nach Hause gefahren, hab mir gesagt, dass er sich sicher mit seinen Kumpeln auf dem Fest vergnügt und anschliessend zu Fuss zu mir kommen wird. Schliesslich braucht er dafür nur 20 Minuten, und es ist nicht das erste Mal, dass er das macht. Nur sieht das mein Schwiegersohn nicht so gern, er macht sich immer Sorgen, dass Cyril etwas passieren könnte, wenn er die Strasse überqueren muss, selbst wenn es nur ein einziges Mal ist. Ausserdem fahren die Autos langsam und passen auf, und Cyril tut es (eigentlich) auch. Nun, Cyril kam dann auch bald wohlbehalten bei mir an und erzählte, klar doch, begeistert von dem Fest.

Der Vorfall hat aber allerlei Überlegungen in mir ausgelöst. Als meine beiden Töchter noch klein waren, so um die 6-7 Jahre, waren sie einmal zu Fuss die lange und sehr befahrene Verkehrsstrasse unterwegs, die von unserer isoliert gelegenen Wohnsiedlung bis zum Ort führte, um Süssigkeiten von ihrem Taschengeld zu kaufen. Unser Nachbar, der mit seinem Auto auf der Gegenseite unterwegs war, hatte sie gesehen und mir davon berichtet, worauf ich ins Auto sprang, um meine Töchter aufzusammeln. Klar haben sie tüchtig Schimpfe von mir bekommen, aber dann hab ich sie doch noch bis zum Geschäft gefahren, wo sie glücklich ihre Bonbons gekauft haben.

Also, Kinder setzen sich oft Gefahren aus. Aber es heisst ja, dass eine Armee von Schutzengeln über sie wacht, denn in den aller- allermeisten Fällen geht doch alles gut aus. Man kann sie ja auch nicht dauernd überwachen und bevormunden, schliesslich müssen sie ihre eigenen Erfahrungen machen und lernen, selbst die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Fortsetzung folgt...