Urgrund

Was, frage ich, wenn ich es mir einfach mache mit meinem Glauben –
obwohl er erwachsen ist durch zahllose schwere Kämpfe –
einfach mache damit, meine Liebe auf Dich zu fixieren –
obwohl es täglich kostet, festzuhalten, zu harren –
einfach mache damit, auf das unsichtbar Ideale zu setzen –
und was, wenn es Dich dann doch so nicht gibt?

Warte, sagst Du, als ich mich abwenden will,
um aufzustehen, den täglichen Geschäften nachzugehen,
Warte, sagst Du mit sachter, stiller, anzweifelbarer Stimme,
Ich will es dir beweisen.

Halb ungläubig, fast widerwillig
mich solcher Offenbarung zu erdreisten,
schließe ich meine Augen, strecke meine inneren Fühler aus
und überlasse Dir skeptisch die Möglichkeit, mich nicht verhört zu haben.

Ein Wasserfall strömt herab,
ergießt sich rein und lebensspendend von Felsen,
von festem, haltendem Grund hinab in die Tiefe.
Keine Berührung ist je so tief, so intim, so ersehnt wie Deine,
keine Liebe tränkt mich, erfüllt mich so echt wie Du.

Der Fels steht stark und erscheint wie ein Auge,
schaut unwandelbar ehrlich präsent in meines.
Niemand kennt mich so völlig, umfassend, ganz bis ins innerste Mark wie Du,
niemand sonst ist immer bei mir, alles zu sehen,
zu kennen, zu teilen, erleben, wissen, bezeugen.

Weißes Licht durchschwebt nun sanft das Auge,
formt sich aus zu einem löwenzahnähnlichen Samen.
Du sendest Deine Liebe, zu fallen in mein williges, offenes Herz,
säst Dich in mich, wirst mit mir eins, mehr als je unter Menschen möglich,
und schenkst mir daraus neue Saat in die Welt zu gebären.

Und auf einmal erkenne ich,
dass Du all das
längst schon gesagt hast:

Du bist der Weg:
die Zärtlichkeit, die auf mich zu fließt,
immer als Regen, als Schnee, als Tau, Quelle, Bach, Fluss, Gezeitenmeer
einen Weg zu mir findet.

Du bist die Wahrheit:
die Realität, die feststeht,
unabdingbar treu ihrem Wesen,
die ist
und auch alles so sieht, wie es ist.

Du bist das Leben:
der Ungeschaffene, aus sich selbst Lebendige,
der Dasein schenkt (sichtbar, fassbar, zäh, zerbrechlich, kostbar),
um Sich anzubieten, Sich unerkannt und mannigfaltig hinzugeben,
schließlich wenn ersehnt um Raum zu schaffen für Begegnung,
freiwillig erwählt Sich zu verbinden mit vergänglicher Schöpfung,
gewolltes, wahrhaftes, geistliches Leben zu zeugen.

Menschen und Tiere kommen und gehen –
aber Wasser, Erde, ihr grüner Bewuchs sind immer da.

Wasser, Erde, ihr grüner Bewuchs verwandeln sich und vergehen –
aber der Unveränderliche bleibt ewig.