Wiebke wurde als Leihmutter benutzt

Die junge und naive Wiebke verliebte sich in den 14 Jahre älteren, verheirateten Unternehmer Joachim. Als sie ein Baby von ihm erwartet, schlägt er ihr einen seltsamen Handel vor ...

Wiebke verliess mit 20 Jahren die Kleinstadt, in der sie mit ihren Eltern und Geschwistern lebte, und zog nach Hamburg. Sie hatte dort eine Stelle als Laborantin gefunden, aber sie kannte niemanden und fühlte sich sehr allein. Nach drei Monaten lernte sie jedoch den 14 Jahre älteren Unternehmer Joachim K. kennen. Sie überquerte eine Strasse. Die Fussgängerampel stand auf Grün, aber plötzlich kam ein Wagen um die Ecke und hätte sie fast angefahren. Es passierte nichts, aber der unvorsichtige Fahrer lud sie auf den Schreck - und um sich zu entschuldigen, wie er sagte - zu einer Tasse Kaffee und einem Glas Cognac für sie in ein Café ein.

Joachim K. sah gut aus, wirkte welterfahren und selbstsicher. Sie unterhielten sich eine Weile miteinander, dann bestand er darauf, sie nach Hause zu bringen.

Vor ihrer Haustür sah er sie noch einmal eindringlich an und erklärte dann lächelnd: "Sie würden mich zum glücklichsten Mann der Erde machen, wenn ich Sie morgen Abend in ein Restaurant einladen darf."

Wiebkes Herz stand da schon lichterloh in Flammen. Für die hübsche junge Frau mit den langen dunklen Haaren war er ein Mann, von dem jede Frau nur träumen konnte. Alles kam ihr vor wie ein Märchen. Sie nahm die Einladung an.

Dass Joachim verheiratet war, erfuhr sie erst, als sie seine Geliebte geworden war. Er sagte es ihr fast nebenbei, als sei es nicht wichtig. Und weil er so viel Zeit für sie hatte und ihr immer wieder versicherte, wie sehr er sie liebte und brauchte, nahm sie an, dass es nicht zum Besten stand mit seiner Ehe. Fragen oder hinterhaken mochte sie nicht. Heute schüttelt sie den Kopf über sich selbst. Wie konnte sie so naiv, so verliebt sein ...

Weil die junge Frau in der Liebe ziemlich unerfahren war, kümmerte Joachim sich um die Verhütung. Er wollte nicht, dass sie die Pille nahm, er hielt sie für schädlich. Und sie vertraute ihm blind.

Als sie ihm wenige Monate später gestand, dass sie schwanger war, nahm er sie in die Arme und weinte vor Freude. Wiebke wusste, wie sehr er darunter litt, dass seine Frau ihm keine Kinder schenken konnte und nahm an, dass er sich nun zu ihr bekennen und sich scheiden lassen würde. Statt dessen eröffnete er ihr, dass das nicht möglich sei. Er hatte mit dem Geld seiner Frau sein Unternehmen aufgebaut.

Er bat sie inständig, das Kind ihm und seiner Frau zu überlassen, schlug ihr sogar eine finanzielle Entschädigung vor.

Völlig verstört lehnte sie damals ab. Es schockierte sie, dass er das Kind wie eine Ware kaufen wollte. Aber gleichzeitig sagte sie sich, dass seine Weigerung, sie zu heiraten, eine gerechte Strafe dafür war, dass sie in eine Ehe eingebrochen war. Denn er hatte ihr ja nie wirklich gesagt, dass er unglücklich war mit seiner Frau. Sie hatte nur geglaubt, das aus seinem Verhalten ableiten zu können.

Wiebke machte sofort mit ihrem Gebliebten Schluss und beschloss, das Kind allein aufzuziehen. Sie wusste, dass es nicht leicht sein würde, aber das Kind herzugeben, das brachte sie nicht fertig.

Sie bekam ein kleines Mädchen, das sie Lola nannte. Joachim bestand darauf, sich offiziell zu seiner Vaterschaft zu bekennen. Das konnte ihm Wiebke schon Lolas wegen nicht verwehren. Sie hatte doch ein Recht auf ihren Vater.

Der Unternehmer überwies pünktlich jeden Monat Geld für die Kleine. Soviel, dass Wiebke sogar einen Teil davon auf ein Extrakonto einzahlte. Das sollte Lola später einmal bekommen.

Aber das Unglück verfolgte sie junge Frau. Als Lola fünf Monate alt war, erlitt Wiebke einen schweren Unfall, lag lange im Krankenhaus. In ihrer Not vertraute sie Lola Joachim an.

Sie hatte beide Beine gebrochen, musste mehrere Male operiert werden und nachher in einem Rehabilations-Zentrum mühsam wieder gehen lernen. Nur der Gedanke an ihre kleine Lola liess sie durchhalten.

Als sie endlich wieder zu Hause war, verlor sie ihre Stelle, fand trotz aller Bemühungen keine andere Arbeit.

Sie wollte Lola trotzdam wieder zu sich nehmen, sie fehlte ihr so schrecklich. Aber Joachim redete mit Engelszungen auf sie ein, machte ihr klar, dass die Kleine besser bei ihm und seiner Frau aufgehoben sei, dass sie dort auch später die besseren Chancen haben würde.

Diese Argumente verfehlten nicht die Wirkung. Wiebke dachte an ihre kleine Wohnung, daran, dass sie früher oder später wieder arbeiten und für Lola einen Krippenplatz oder eine Tagesmutter suchen musste. War es nicht egoistisch von ihr, das Kind unter diesen Bedingungen zurückhaben zu wollen?

Schweren Herzens stimmte sie zu, dass Lola bei Joachim und seiner Frau blieb, zumal der Unternehmer ihr versicherte, dass sie ihr Töchterchen sehen könnte, wann sie wollte.

Aber immer, wenn sie kam, schlief die Kleine gerade, oder Edith war mit ihr beim Kinderarzt. Oder einfach nur ausgefahren. Die Hausangestellte gab Wiebke Bescheid, aber einmal sah Wiebke, wie sich im oberen Stock eine Gardine bewegte.

Erst als Wiebke mit der Polizei drohte, durfte sie Lora endlich sehen. Diese Begegnung tat ihr entsetzlich weh. Ihre Tochter hatte gerade gehen gelernt. Als sie Wiebke sah, lief sie auf Edith zu und zog an ihrem Kleid. Sie hatte Angst vor ihrer leiblichen Mutter!

Die Frau des Unternehmers nahm das Kind liebevoll in den Arm. Was die junge Mutter am meisten schmerzte: Ihre Tochter sagte Mama zu Edith, und auch ihr Lächeln galt ihr. An Wiebke hatte sie keine Erinnerung mehr.

Joachim und seine Frau Edith haben die kleine Lola inzwischen mit Wiebkes Zustimmung legal adoptiert. Resigniert sagt Wiebke sich heute, dass sie bekommen haben, was sie wollten. Immerhin hat sie Lola noch einige Male gesehen, konnte sich davon überzeugen, dass sie es gut hatte und glücklich war. Sie versucht, keinen Hass auf ihren früheren Geliebten und seine Frau zu verspüren und sie im Gegenteil zu verstehen. Sie haben ihr das Kind weggenommen, aber sie haben Lola lieb. Es wird ihr an nichts fehlen.

Trotzdem hatte Wiebke das bittere Gefühl, dass alles ein abgekartetes Spiel war und sie dem Ehepaar als Leihmutter gedient hat.

Wiebke hat Arbeit in einer anderen Stadt gefunden. Sie hat keinen Kontakt mehr zu ihrer Tochter, weil sie das Kind nicht verwirren möchte, hofft aber, dass Lola später einmal den Weg zu ihr findet - und sie dann nicht verurteilt ...

ENDE