Meine Bilder

Meine Tochter Vanessa hatte mir netterweise in meiner neuen Wohnung die Bilder (Ölbilder, Aquarelle...) aufgehängt, aber es blieben noch leere Stellen, die mich störten. Nicht, dass es mir an Bildern gemangelt hätte; mein Ex-Mann Toan hat gemalt und mir viele Bilder geschenkt, ich selbst habe auch ein wenig gemalt, und B., der zweite Mann meines Lebens, war ein grosser Kunstliebhaber und hat den Malern, die er kannte, viele Bilder abgekauft. Vanessa fand jedoch, dass zu viele Bilder an den Wänden sich gegenseitig Konkurrenz machen, ich hingegen fand, dass zu viele leere Stellen (besonders, wenn die Wände wie bei mir weiss gestrichen sind) sich nicht gut machen. Nun hatte ich Vanessa aber schon die Bilder, die sie überflüssig fand, geschenkt, und weil ich selbst schon seit langer Zeit nicht mehr male, hab ich mir zwei wunderschöne, selbstklebende Wandbilder bestellt: Einen goldenen Herbstwald, der jetzt eine meiner ebenfalls weissen Wohnungstüren unglaublich verschönt, und einen von Bäumen umstandenen, friedlichen Waldweg hinter geöffneten Fenstern, den ich nun am Kopfende meines Bettes vor dem Schlafengehen - und auch sonst - lange betrachte, um die Ruhe und Schönheit, die er ausstrahlt, auf mich einwirken zu lassen. All diese Bilder verschönen mir das Leben.