Alte Briefe

ein wahrer Schatz

Gestern langweilte ich mich in wenig, ein guter Grund, um etwas Ordnung in meinem Schreibsekretär zu bringen. Etwas ächzend (mit meinen 76 Jahren bin ich nicht mehr die Jüngste) ging ich in die Hocke und öffnete die untere Schublade. Dort bewahre ich - unter anderem - die Briefe auf, die meine Eltern mit ihren Eltern wechselten. Mein Vater schrieb die Briefe schon damals per Schreibmaschine, meine Mutter mit der Hand - in gothischer Schrift, zumindest noch am Anfang. Die gothische Schrift lernten wir noch in der Schule, die junge Generation heute kann wohl kaum noch etwas mit ihr anfangen, und weil ich die Briefe sehr interessant finde (unter anderem berichtete meine Mutter darin sehr ausführlich und drastisch über meine Verdaungsprobleme als Baby), hatte ich vor einigen Jahren all diese Briefe abgetippt (223 Seiten in DIN A4-Format!) und sie - auch für meine drei Geschwister - ausdrucken und zu einem Band zusammenfassen lassen. Nun sehe ich mir diese Briefe wieder an, diese Briefe, die man berühren und aufheben kann, und denke an die e-mails und das Telefon, mit denen heute der Austausch stattfindet. Beides wird keine Spuren hinterlassen, ausser, man denkt daran, die Mails auszudrucken. In sofern ist es eine Rückkehr in frühe Zeiten, wo nur verbale Austausche stattfanden, die aber, nebenbei gesagt, auch für ein gutes Gedächtnis sorgten.