Inkarnation

Für verlorene Schönheit
neue, andere,
ist nicht genug –
sie kann das Unwiederbringliche nicht ersetzen.

Für zerstörte Sicherheit
neue Versprechen
sind nicht genug –
wenn die Angst in den Ecken lauert.

Für zerbrochenes Leben
neue Chancen jeden Morgen
sind nicht genug –
sie führen das Zerstreute nicht zurück.

Sei Du selbst
mein Ruhekissen:
deine bloße Brust, meine Wange darangekuschelt,
der Hort meiner Tränen;

Umwebe Du mich
von Kopf bis Fuß
seidenweich, unzählbarschichtig, undurchdringlich
in Kokongespinst Deines Geistes;

Hülle Du mich,
ehrenvoll,
Erheber meines Hauptes,
in besticktes Priestergewand Deiner Stärke;

Atme
in das Tal der Totengebeine
Hauche
in die Wüste der zerstreuten Knochen
Behauche
die Fragmente der zerstückelten Seele
mit Lichtperlen Deines Lebens.

Wie Du den Blinden heiltest,
mit der Trostspur Deiner Hände,
mit dem Speichel Deines Mundes
berühre, bestreiche, verleime, durchtaue, eine
mein zersplittertes Herz.

Dezember 2015