Sicherheit

Du kannst mir nicht versprechen,
dass ich nicht alles verliere,
beschmutzt sehe, entrissen bekomme, verderbe
was mir wichtig ist, wertvoll in dieser Welt –
vielleicht allzu wichtig.

Du kannst mir nicht versprechen,
dass ich nicht überfallen werde,
entblößt, geschunden, vergewaltigt,
zerfressen von Schwäche, Krankheit, Tod,
gefoltert an Leib und Seele.

Du kannst mir nicht versprechen,
dass ich nicht mit Dir am Kreuz hänge,
Hände, Füße durchbohrt, zerfleischt, das Herz zerstoßen,
Stacheldraht festgezurrt um meine Gedanken,
Dunkelheit um mich, und schreie, brülle, „Wo bist Du?"

Du kannst mir noch nicht einmal versprechen,
dass ich bewahrt werde, abgehalten
davor, in die Schlinge des Fängers zu laufen,
verdunkelt, verblendet auf Wege zu taumeln,
die meine Seele noch weiter zersplittern.

Doch Du versprichst mir,
dass die Flamme niemals endet,
dass die Glut nie völlig verlöscht.

Im tiefsten Kerker der Angst,
wenn ich Dich nie wieder zu finden vermeine,
brennt Dein Herz schmerzerfüllt
lichterloh für mich hinter den Wolken.

In der trockensten Dürre,
wenn ich mit Worten auf Dich schlage wie Fäuste,
hängt doch am Rand des entleerten Glases
ein einziger, kleiner, letzter Tropfen
meiner Liebe für Dich, an der Du dich labst.

Dies Eine
wird immer geschützt sein –
und so sehr ich auch weine, fluche, wüte,
zerre an Fesseln, vermeintlich vergehe,
zu hoffnungslos kaltem Eis erstarre,
sage ich tief im Innern: Es ist genug.

„Alles
an Ihm
ist liebenswert," „
der Schönste
unter Zehntausenden."
Denn meine Identität ist
Braut.