Erstes Kapitel

Es gab einmal ein kleines Kind, das sehr leicht böse wurde und viel zu empfindlich war. Und es dachte, dass es immer recht hatte. Als es mit Freunden sprach, sagte es ihnen, "Das ist falsch! Geh weg! Ich will dich nicht mehr sehen!" Und die Freunde gingen weg.

Eines Morgens saß es an den Tisch, während seine Mutter Frühstück kochte. Die Mutter sagte ihrem Kind, "Guten Morgen, lieber Sohn! Fröhlichen Freitag!"

"Aber heute ist Donnerstag!" antwortete das Kind.

Die Mutter sah sich den Kalender an und rief aus, "Du hast recht!"

"Ich hab' immer recht," sagte das Kind stolz, und steckte die Nase in die Luft.

Die Mutter runzelte die Stirn, schüttelte den Kopf, und sagte, "Mein Kind, du bist zwar sehr Klug. Aber das ist keine gute Haltung zu haben. Niemand hat immer recht. Das ist wahrlich unmöglich. Jeder macht Fehler, und das ist OK."

"Aber ich habe immer recht!" protestierte das Kind. "Das sage ich alle meinen Freunden, wenn wir etwas diskutieren oder einen Streit haben. Ich sage ihnen, 'Das ist falsch! Ich habe recht! Geh weg! Ich will dich nicht mehr sehen!' Und dann gehen sie weg. Sicher wissen sie, dass ich recht habe. Andernfalls würden sie bleiben, um ihr Argument zu rechtfertigen."

"Mein lieber Sohn, mit dieser Haltung wirst du im Leben nichts erreichen. Und wenn du fortfährst, mit deinen Freunden so zu sprechen, wirst du alle sie verlieren."

Das Kind wurde böse. "Das ist aber noch nicht passiert!" schrie es und verließ die Küche, ohne Frühstück zu essen.

Zweites Kapitel

Das Kind war ganz allein im Park. Niemand wollte mit ihm spielen. Aber es hatte eine gute Vorstellungskraft, und wusste, ganz allein Spaß zu haben. Es saß allein und stellte sich vor, dass es ein Lehrer wäre, und seine Schüler zu ihm aufsähen, weil es immer recht hätte. Und es stellte sich vor, dass es mit einem Zauberer spräche.

"Warum sitzt du ganz allein, mein Kind?" sagte der Zauberer.

"Die andere haben mich nicht gern," antwortete das Kind.

"Und warum ist das?" fragte der Zauberer.

Das Kind dachte ein Paar Minuten danach und sagte, "Vielleicht können sie nicht akzeptieren, dass ich immer recht habe. Mutti sagt, dass niemand immer recht haben kann. Aber ich glaube ihr nicht. Ich habe immer recht."

"Na gut," antwortete der Zauberer. "Ich kann dir helfen. Geh mit deinen Freunden spielen, und wenn sie etwas sagen, was falsch ist, sag es ihnen. Sag ihnen, dass du recht hast, und dann werden sie verschwinden."

"Das klingt echt gut!" rief das Kind aus.

Die laute Stimme des Kindes fesselte einen seiner Freunde, ein dicker Junge mit Brillen. Der Junge sah seinen Freund und rannte gerade zu ihm.

"Was machst du hier ganz allein, mein Freund?" kam eine Stimme von hinter dem Kind her. Das Kind drehte herum, und sah seinen dicken Freund mit Brillen.

"Ich bin nicht allein," protestierte das Kind.

"Ja, du bist's," antwortete der Freund. "Ich sehe denn niemanden mit dir!"

"Seh, mein Freund ist da!" schrie das Kind, und zeigte zum Zauberer.

"Ich sehe niemanden," antwortete der Freund noch einmal.

Das Kind wurde böse. "Das ist falsch!" rief es aus. "Ich habe recht! Geh weg! Ich will dich nicht mehr sehen!"

Und der Freund verschwand.

Drittes Kapitel

Das Kind war mit seiner Freundin in der Schule. Sie hatten eine kleine Pause.

"Was für einen schweren Unterricht!" rief das Kind aus.

"Ja," stimmte die Freundin zu. "Es war witzig, wenn der Lehrer dich gerufen hat und du die Antwort nicht gewusst hast!"

Das Gesicht des Kindes wurde so rot wie das Kleid seiner Freundin. "Das war nicht witzig!" schrie es.

Die Freundin runzelte die Stirn. "Warum wirst du böse?"

Das Kind antwortete, "Ich habe die Antwort gewusst! Aber ich war nicht bereit zu sprechen!"

Die Freundin lachte. "Eine hübsche Ausrede!"

Das Kind protestierte, "Aber das ist die Wahrheit."

Die Freundin schüttelte den Kopf. "Das ist unmöglich," sagte sie. "Es ist OK, du weißt, falsch zu sein."

"Aber….aber…" stotterte das Kind. Es war so böse und so beschämt, dass seine Hände schuttelten. "Ich hab' immer recht!"

Die Freundin sagte ruhig, "Während des Unterrichts hast du nicht recht gehabt. Du hast die Antwort nicht gewusst."

Das Kind schrie, "Das ist falsch! Ich hab' dir schon gesagt, ich habe die Antwort gewusst!"

Die Freundin wurde auch böse und rief aus, "Das ist nicht wahr! Du bist zu stolz und zu empfindlich!"

Das Kind stampfte den Fuß. "Das bin ich nicht! Ich habe immer recht! Geh weg! Ich will dich nicht mehr sehen!"

Und die Freundin verschwand.

Viertes Kapitel

Nun hatte das Kind keine Freunde mehr, weil alle sie verschwanden. Also saß das Kind allein in der Küche, wo seine Mutter Brot backte. Das Kind war traurig und seufzte.

Die Mutter hörte den Seufzen ihrer Sohnes und fragte ihn, "Lieber Sohn, warum bist du so traurig?"

Das Kind antwortete, "Im Park habe ich einen Zauberer getroffen, und er hat mir gesagt, dass wenn ich mit meinen Freunden zanke, muss ich ihnen sagen, dass ich recht habe, und dann würden sie verschwinden. Ich habe das gemacht, und sie sind alle verschwunden. Jetzt habe ich keine Freunde mehr."

Die Mutter schüttelte den Kopf, nahm das Brot aus dem Ofen, und sagte, "Ich habe dir gesagt, dass wenn du diese Haltung hättest, würdest du alle deine Freunde verlieren. Siehst du? Ich hatte recht."

Das Kind wurde böse. Es erkannte, dass seine Mutter recht hatte, aber konnte es nicht akzeptieren. Also stampfte das Kind den Fuß und schrie, "Das ist falsch! Du weißt nicht, worüber du sprichst!"

Die Mutter war so geschockt, sie ließ fast das Brot fallen. Sie schimpfte, "Sprich nicht so zu deiner Mutter!"

Das Kind stampfte noch einmal den Fuß und protestierte, "Meine Freunde können nicht akzeptieren, dass ich immer recht habe! Was du sagst ist falsch. Ich habe recht! Ich habe immer recht! Geh weg! Ich will dich nicht mehr sehen!"

Und die Mutter verschwand. Das Brot auch. Jetzt hatte das Kind keine Mutter mehr, und nichts zu essen mehr.

"Ich bin todgeweiht!" schrie das Kind, und rannte verzweifelt aus dem Haus. Es war total verloren, und wusste nicht, was zu tun.

Fünftes Kapitel

"Was machst du ganz allein, mein Freund?" kam die Stimme eines Jungen. Das Kind machte die Augen auf, richtete sich auf, und sah seine zwei Freunde: ein dicker Junge mit Brillen, und ein kleines Mädchen in einem roten Kleid.

Die Freundin fragte, "Warst du eingeschlafen?"

Das Kind rief aus, "Ich habe geträumt, ich hätte keine Freunde, keine Mutter, und nichts zu essen mehr!"

"Was für einen schrecklichen Traum!" keuchte die Freundin.

"Aber jetzt bist du aufgewacht," sagte der Freund. "Also gehen wir spielen!"

"Ich habe ein neues Spiel!" rief die Freundin aus. "Spielen wir es alle zusammen!"

"Aber ich habe neuen Spielen!" protestierte das Kind.

Die Freundin runzelte die Stirn. "Letzten Mal hast du das Spiel gewählt."

"Ja," stimmte der Freund zu. "Jetzt soll jemand anders an der Reihe sein."

Das Kind dankte ein Paar Minuten danach, dankte an seinem Traum, stand auf, und sagte endgültig, "Ihr weißt, ihr habt recht. Spielen wir euer Spiel."

"Das klingt echt gut!" sagte die Freundin und lächelte.

"Los geht's!" rief der Freund aus.

Und die drei Kinder gingen spielen.