Und so sah ich mich gezwungen, mich mit einem Gedanken auseinandersetzen zu müssen, mit dem ich nie vorhatte mich beschäftigen zu müssen.

Ich war der Einen, großen, alles übertreffenden Liebe begegnet.

Ich war dir begegnet um feststellen zu müssen, das es zu früh war.

Wir kamen zu früh und damit war es zu spät.

Zur falschen Zeit am rechten Ort.

Und niemand vermochte das Geschehene rückgängig machen zu können.

Und noch immer bin ich mir nicht sicher, ob, würde sich die Gelegenheit ergeben, ich es mir überhaupt zu wünschen wagte.

Es war die klassische tragische Teenie-Komödie, rückblickend eher dem Genre der Tragödien zuzuordnen.

Beide hatten wir noch nicht die Volljährigkeit erreicht, unseren Platz in dieser Welt nicht gefunden, wussten wir doch nicht einmal wer wir waren.

Stellten uns mit Namen vor, die nicht auf unseren Pässen hinterlegt waren.

Und es war uns egal.

Alles was wir wollten war uns wohl zu fühlen.

Und das tat ich in den dünnen Armen eines 4 Zentimeter kleineren, ein Jahr und 2 Monate jüngeren Menschen.

Und dabei konntest du mich in den Wahnsinn treiben, wie kein anderer.

Vielleicht gerade deswegen.

Die Art mit deiner Mutter zu sprechen, blieb mir stets ein unbegreifliches Rätsel, ebenso die Art, wie du auf deine Haare und andere Äußerlichkeiten fixiert warst, die du jedoch nie auf mich übertrugst.

Und dafür war ich dir dankbar.

Waren es doch so unsichere Zeiten, die mein Selbstwertgefühl in die Untiefen meines Seins verdrängten.

Nicht jedoch in deiner Anwesenheit.

War ich in deiner Gegenwart eher ich, als ich es je wieder sein würde.

In nächtlichen Videochat-Gesprächen erklärte ich dir wie man mathematische Gleichungen zu lösen hatte, nur um später festzustellen, dass du den Schulabschluss nicht geschafft hattest.

Versuchte dich vor dem tiefen Loch des Alkoholismus zu bewahren, in das ich später selbst fallen sollte. Kaufte ich dir doch am Münchener Hauptbahnhof ein Bier, das einzige Mal, dass ich nicht meinen Ausweis vorzuzeigen aufgefordert wurde.

Nie wieder würde ich das tun.

Du erzähltest mir später, Monate nachdem sich unsere Wege getrennt hatten, doch noch immer diese seidene Verbindung bestand, du wärest mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik eingeliefert worden.

Dein damaliger Freund jedoch in eine Andere.

Und es sollte nicht dein einziger Kontakt mit medizinischem Fachpersonal bleiben.

Magisch zogst du Verletzungen an, wie die unsichtbare Gravitation uns, die wir es nicht schafften uns vollständig voneinander zu lösen.

Niemals wieder würde ich es wagen, einem Menschen diese drei einfachen Worte zuzuflüstern, ohne dabei das Gefühl zu haben zu lügen.

Konnte man doch nicht zwei Menschen zugleich derartig intensive Gefühle entgegenkommen lassen.

Später würde ich nicht eine halbe Stunde Autofahrt auf mich nehmen, um sie zu sehen.

Hatte ich doch für dich 4 Stunden in verschiedenen Zügen und an Bahnhöfen verbracht, ohne danach zu fragen, ob es sich lohnen würde, denn dessen war ich mir sicher.

Wie ein Idiot wollte ich mich benehmen, wie ein Besessener deine Nähe spüren, wie ein Irrer dich lieben.

Auch wenn es mich innerlich zerfraß.

Vielleicht ist es nicht möglich eine solche Liebe auszuhalten, ohne dabei kaputt zu gehen.

Fühlte es sich doch zugleich so gut an, wusste ich doch, dass ich aufhören musste.

Und als es so weit war, war ich mir so sicher.

Hinterließ es doch nur eine Leere, die nur du füllen könntest.

Mit deinen unbeholfenen Gesten, deiner Stimme, die ich auch jetzt noch in mir hören kann, deinem Geruch, den ich bei Umarmungen stets tief einatmete, in der Angst, ich könne etwas verpassen, mit den Liedern, die für immer die Deinen sein würden, hatten wir sie doch gemeinsam mit Erinnerungen aufgefüllt, um sie für immer konservieren zu können.

Ich schalte meinen Player an, lehne mich zurück, schließe die Augen.

Und stelle mir vor du wärst zurückgekommen.

Und für diesen einen Moment gestehe ich mir, wie sehr ich dich vermisse.