Wohin der Wind auch weht

Meharos Zauber


Inhalt

Episode 1: Meharos Jäger

Part 1: Alles hat seinen Anfang

Part 2: Schatten der Vergangenheit

Part 3: Ratten, Mäuse, Krokodile


Episode 1: Meharos Jäger Part 1: Alles hat seinen Anfang

Alwatan ist ein unbekanntes Sternensystem irgendwo in den unendlichen Weiten des Weltraums und doch fühlt man ein wenig Vertrautheit, wenn man es beschrieben bekommt: Eine Sonne, ein Mond, ein bewohnbarer Planet… Nein halt, das ist nicht wahr! Nicht nur ein Planet hat es zustande gebracht, Gastgeber für intelligentes Leben zu sein, sondern gleich sieben. Der, welcher der Erde am ähnlichsten ist, wird Dunyo genannt. Es ist die Heimat unseresgleichen, die des Menschen. Doch etwas ist anders und das Gefühl von Vertrautheit, löst sich bei diesem Gedanken in Luft auf: Hier regiert die Magie. In der alwatanischen Mythologie heißt es, dass Mutter Sonne die Quelle des Lebens ist und die Welt durch sieben Atemstöße geschaffen hat. Unter der Bevölkerung wird von sieben Winden gesprochen und in jeder Welt weht der Wind ein bisschen anders. Doch nicht nur Mutter Sonne bestimmt über das Leben, auch Vater Mond ist ein Teil des großen Ganzen. Denn er bietet den Alwatanern etwas, das unser eigenes Sonnensystem nicht hat, Magie. Die Kraft des Mondes ist der Grund dafür, dass Zauberer und Hexen kein Mythos sind. Doch nicht jeder ist in dieser Welt mit Magie gesegnet worden und diejenigen, die diese Gabe nicht erhalten haben, fanden einen anderen Weg sich selbst zu helfen. Die Kraft des Mondes ist um nichts weniger wichtig als die Energie Mutter Sonnes, denn obwohl so gut wie alles durch Solarenergie betrieben wird, sind manche Teile der alwatanischen Bevölkerung von ihrer Magie dermaßen stark abhängig, dass sie sich ohne sie gar nicht mehr zu helfen wissen würden. Alles was ein Zauberer kann, kann auch irgendwie mit Technologie gelöst werden und umgekehrt, aber kaum einer hat beides zur Verfügung. Und wenn doch, kann er sich glücklich schätzen. Eigentlich ist es ja so nur fair, könnte man meinen. Dass es auch genügend Konfliktmaterial bietet, muss kaum erwähnt werden.

Um Konflikte zu beheben gibt es eine große Organisation in Alwatan, die sich um Einheit, Respekt und Sicherheit kümmert: Die Intergalaktische Union, besser bekannt als IGU. Nach einer Welle von Kriegen ist ein Friedenspakt geschlossen worden, der diese Gemeinschaft ins Leben gerufen hat. Jeder bewohnte Planet hat seinen eigenen Vertreter, der nach kulturell unterschiedlichen Kriterien gewählt wird. Für Dunyo wäre das Teni Gendoi, ein schrecklich aggressiver Mann, der jedoch mit seiner Entschlossenheit die Wünsche von Dunyos Volk durchsetzt. Die Wahl eben dieses Vertreters hat allerdings im Jahre 512 nach der Gründung der Intergalaktischen Union, kurz 512 n. IGU, etwas ausgelöst, das lange hatte verhindert werden können. Es ist zu Gewaltausbrüchen gekommen und die Gemeinschaft hat keinen anderen Weg gesehen, als eine Einheit unabhängiger Ordnungshüter für den intergalaktischen Raum zu gründen. Das Team ist die Einheit zur Sicherung der intergalaktischen Ordnung genannt worden, kurz ESIO. Sie dient der Mediation innerhalb der gesamten Intergalaktischen Union und ist auch ähnlich aufgebaut. So hat das Team sieben Mitglieder, die nur gemeinsam die Vollmacht dazu haben, sich in das politische System von Alwatan einzumischen. Bestimmen darf keiner von ihnen etwas in der Politik, da sie alle weisungsgebunden sind und doch ist ihre Meinung entscheidend: Die ESIO gehört nämlich zu den Lieblingen des intergalaktischen Volkes.

Dazu zählen nun fertig aufgeschlüsselt und mit Vertretern:

Dunyo: Das ist der Planet der Menschen und nur mit einem ganz geringen Prozentsatz an Magie ausgestattet. Als Vertreterin wurde Mira ti Igberaga, Tochter des exzentrischen Milliardärs Alaksoso ti Igberaga und seiner bereits verstobenen Frau Iwara do Nio ausgesendet, die sich im Laufe ihrer 27 Jahre zum Publikumsmagnet auf Dunyo entwickelt hat. Da sie eine der Ranghöchsten im duyoschen Militär ist und sich hoher Popularität erfreut, ist sie dazu eingeladen worden, diesen wichtigen Part für die IGU zu übernehmen. Zwei Mal musste diese Einladung jedoch ausgesprochen werden, denn zuerst wurde sie abgelehnt. Ganz Dunyo hat jedoch viel in Bewegung gesetzt, um den Wind für sich noch einmal zu drehen und die junge Frau dazu zu überreden den Posten anzunehmen.
Vom Aussehen her fällt Mira ti Igberaga jedoch unter Ausnahmeerscheinungen. Im Zuge eines Experiments diente ihre Haut als Spielwiese für einen Kybernetiker, der ihre Haut quasi in eine lebendige Rüstung verwandelt hat. Begabte Hände haben ihr im Anschluss ein effizientes, elektronisches System in die kybernetische Haut eingebaut, um den Vorteil noch einmal auszuweiten. Die schwarzhaarige Frau mit den nachtblauen Augen hat das Beste daraus gemacht und ist als menschliche Waffe in den Medien bekannt.

Nekomis: Hier regieren die Großkatzen. Die pelzigen Zweibeiner leben in Clans, haben aber gelernt, mit der Natur eins zu werden. Sie beherrschen zwar noch immer den Gang auf vier Pfoten, wenn sie ausreichend üben, doch üblicherweise werden nur zwei Beine benutzt. Mit der Kreation von künstlichem Fleisch oder Fleischersatz, entwickelten sich aber zwei Religionen: Die Raubkatzen und die Samtpfoten. Einer der Beweise, dass man sich auch in der Mitte treffen kann, ist leise Pfote Tiho, der sowohl das eine als auch das andere mit Genuss verschlingt. Der Kater ist zum zweiten Mal siebenjährig und hofft, dass die Zeit nicht allzu schnell vergeht, weil der Prozess, wenn er eines seiner sieben Leben aufbraucht, alles andere als angenehm ist. Optisch handelt es sich bei ihm um einen Leoparden mit rotem Fell, schwarzen Punkten, gepflegten Schnurrhaaren, schwarzer Nase, gelben Augen und kurzem, samtigen Fell. Er gehört zum Clan der Schattenkrieger und wurde wegen seiner inneren Ruhe und Vernunft ausgewählt, um den Planeten in der IGU zu vertreten. Nekomiser sind das wehrhafteste Volk in Alwatan.

Havugalagudu: Ähnlich wie bei den Katzen hat sich auch hier eine Tiergattung durchgesetzt, ohne die damalige Gestalt aufzugeben. Die in Familiendörfern lebenden Echsen gehören zu den erfolgreichsten Händlern. Anatomisch auffällig ist der übergroße Körperbau, die geschuppte Haut, die zu vielen Gliedmaßen, die sich in der Anzahl an Prankengliedern, Armen, Beinen, Köpfen oder Schwänzen outet. Absurd wird es, wenn auch mehr oder weniger Augen auftreten als beim Menschen üblich. Die gespaltene Zunge, die eine Aussprache des kurzen „S" so gut wie unmöglich macht. Aus diesem Grund wird auch Alwatanisch, eine zur Gründung der IGU eingeführte Sprache, bis heute nur selten oder ungern von den Echsenwesen gesprochen. Hier hat Tanikarataniki, eine bläulich geschuppte Echse mit violettem Stachelkamm, vier Armen und tiefschwarzen Augen, sein Sprachtalent benutzt, um Vertreter seines Volkes zu werden. Nebenbei ist er noch ein guter Stabkämpfer und eine besonders aufmerksame Wache.

Atlantida: Einst sah Atlantida Dunyo sehr ähnlich. Doch jahrhundertelanger Regen versenkte den Planeten im Wasser. Die Bewohner, die sich aus diesem Grund immer mehr im Wasser bewegt haben, haben sich den Umständen biologisch angepasst und sind nun Meermenschen mit einem eigenen Atmungssystem und Schwimmhäuten. Die Lunge hat es geschafft, das sauerstoffhaltige Wasser zu trennen und auch entsprechend zu benutzen. Trinken und Atmen geht somit in einem. Nur an die frische Luft außerhalb es Wassers müssen sie sich immer gewöhnen, wobei das eine ganze Weile dauern kann. So hat sich Jalapadme, Tochter von Salas, daran angepasst. Die neugierige Schnüffelnase wollte als Enthüllungsjournalistin in die große weite Welt begeben und hat dabei prompt einen Mordfall aufgeklärt. Sie ist mit ihrer blassblauen Haut, weißen Haaren mit aquamarinen Strähnen und zarter, kleiner Statur kaum von den Artgenossen zu unterscheiden, doch ihre neugierige Art und der bettelnde Blick, den sie beherrscht, machen sie einzigartig.

Lytse Minsken: Man muss sich vorstellen mal über 1,60 Meter groß gewesen zu sein und durch Naturkatastrophen dazu gezwungen zu sein unterirdisch zu leben. Die Gänge sind niedrig, das Licht höchstens künstlich, Sauerstoff gibt es wenig und das Essen ist fett und süß. Es ist somit zu erwarten, dass man im Zuge der Evolution schrumpft, im Dunkeln hervorragend sieht, kaum Luft zum Atmen braucht und etwas stärker ausfällt. Der Zwerg ist entstanden. Einer der bekanntesten ist Ingon bato Uta. Der Tunnelbaumeister und Herr des Sprengstoffes hat sich wegen seiner Erfolge in der Gesellschaft einen sehr hohen Rang unter seinesgleichen eingeholt. Rundlich, aber stark ist er, der braune Bart hängt ihm geflochten bis an die Brust herab und ist mit seiner Haarpracht so gut wie ident. Seine fast gleichfarbigen Augen sind sogar Sonnenlicht gewohnt. Er war als erster Zwerg seit langem an der Oberfläche, um das Belüftungssystem zu verbessern und wurde prompt von der IGU ausgewählt, um noch größer denken zu können.

A7194, Robotropolis: Er ist der einzige unbewohnte Planet in Alwatan gewesen, bis die Dunyoscher in besiedelt haben. Für viele Jahre war A7194, mit seiner einst sehr kleinen Kolonie, der wichtigste Industriebereich von Dunyos Wirtschaft. Auf Grund von Mangel an Bevölkerung haben sich die Bewohner immer mehr Roboter gebaut, um die Arbeit zu verrichten. So kam der Name Robotropolis zustande. Die Kolonie hat immer weiter expandiert, bis eines Tages die künstliche Intelligenz auf einmal selbständig geworden ist und sich gegen seinen Schöpfer richtete. Der Mensch ist auf Robotropolis ausgerottet worden und erst nach dem Krieg und dem Zusammenschluss der IGU sind die Roboter versöhnlich geworden. Ein Roboter des KLMEX Modells, jedoch wünscht sich eines nichts mehr als alles andere: menschlich zu werden. So hat KLMEX/S379-466 von Anfang an alles dafür getan, um von den Menschen als gleichwertig anerkannt zu werden. Er hat seinen Kopf durch einen All-in-One-Computer austauschen lassen und hat so viele menschliche Daten und Fakten aus dem Internet heruntergeladen, wie möglich. Um wie ein Mensch auszusehen und agieren zu können, hat er das Aussehen einer Person aus dem Internet als Vorlage für seinen Avatar verwendet. Mit einem selbst programmierten Programm kann er die Emotionen der Menschen deuten und via Algorithmus den Avatar entsprechend emotional reagieren lassen. Diese Fertigkeit und die Tatsache, dass er eine Büro-Maschine ist, hat ihm den Platz in der ESIO eingebracht. Anlässlich der Begebenheit hat sich KLMEX ein neues Image verpasst: Er nennt sich nun Mex und ist eine sie. Sonst ist sie ein gelblich-grauer Roboter, der ungefähr die Maße der großen Echsen hat, aber nur zweiarmig, plump und ungelenk ist.

Elbenheim: Hier sind die Elfen heimisch, die sich untereinander jedoch immer noch als Elben bezeichnen. Für viele mag dieser Unterschied gering sein, doch für das stolze Spitzohr ist es gravierend, denn die Änderung griff erst mit dem Beitritt der Intergalaktischen Union. Der ganze Planet ist vom Mond abhängig, da kaum ein Bewohner nicht magiebegabt ist. Der wichtigste Sinn der Elbenheimer ist der Gehörsinn, weshalb sich im Laufe der Zeit ihre Ohren verlängert haben, um jedes noch so kleine Geräusch zu erfassen. Was sich nicht angepasst hat, ist der Wille weltliche Veränderungen zu akzeptieren. Die Elfen, die daher sehr lange nicht bereit gewesen sind, die anderen Traditionen überhaupt als solche anzuerkennen, haben schließlich einen, für ihre Verhältnisse, Kultur-Rebellen zur IGU geschickt, um ihrem Auftrag, eine Vertretung für die ESIO zu entsenden, überhaupt nachkommen zu können. Sonstige Freiwillige hat es nicht gegeben. Als Kultur-Rebell gilt er da er eindeutig die dunyoscher Kultur als Vorbild hergenommen hat, um seinen Charakter zu untermalen. Der blonde Elf mit grünen Augen hat sich die Haare kurz geschnitten und seinen Blick geschärft. Da er sich regelmäßig der Sonne aussetzt, hat er, für einen Alben, ungewöhnlich gebräunte Haut und ist für sein Volk fast schon abwegig gekleidet. Statt langen Roben trägt er das, was das Modemagazin „Trendsetter" gerade vorschlägt. Seine Liebe zur menschlichen Kultur macht ihn bei der IGU sehr beliebt und zu einem wahren Frauenhelden. Omorfos Silberpfeil ist sein Name und er will, dass ihn jeder kennt.

Das Raumschiff LM 510, das von Padme zärtlich „Liebe Maja" genannt wird, ist eine gemütliche Kriegsburg. Man kann es sich wie ein Wohnheim mit Garage und Terrasse vorstellen, wobei erstere eine Art Flughafen und letztere eine Glaskuppel ist, unter der prompt wirklich gepflanzt wurde. Um das Glas über dem Garten vor Meteoritenschauern zu schützen, kann man ein metallenes Schild hochfahren lassen. Da ein Schiff, das so groß ist wie ein Wohnblock, keine Chance hat auf einem Planeten zu landen, befindet sich in der Garage ein Reiseschiff: die Altairan Rajul T4 mitsamt Transportbus für den Landweg, und pro Nase ein Einzelschiff, das ganz auf die Fertigkeiten des jeweiligen Piloten ausgelegt ist und auch entsprechend am Heimatplaneten gebaut wurde.

Die Besatzung ist nun seit einem halben Jahr im Auftrag der IGU miteinander unterwegs und hat sich zu einer kleinen Familie entwickelt. Und genau dort beginnt nun die Geschichte, die jetzt erzählt wird.

„Filmeabend!", ruft Omorfos „Omo" Silberpfeil und flankt sich über die Lehne des blitzblauen Sofas, das schief mitten im Raum auf der linken Ecke eines weißen Teppichs mit blauer Quadratmusterung steht. Daneben steht auf der rechten Ecke desselben Teppichs ein identes Sofa und zwischen den beiden Sitzmöbeln ist ein passender Lehnstuhl platziert. Diesen beansprucht gleich einmal Ingon, der die ideale Größe dafür aufweist und gleichzeitig mit dem blonden Elfen gekommen ist. Während er sich auf die Sitzfläche wuchtet, lacht er: „Jaha! Irgendwas mit viel Krach-Bum!"
„Muss denn immer gleich etwas explodieren?", fragt Jalapadme nun, die sich zu den beiden gesellt. Der Elf, der ausgestreckt auf der gesamten Liegefläche des Sofas liegen geblieben ist, winkelt nun die Beine so ab, dass sich zwischen seinen Knien und der Lehne eine Lücke bildet und genau dort hinein setzt sich die Weißhaarige und macht es sich gemütlich. „Ja, aber hallo! Alles andere ist doch langweilig!", grölt Ingon, während er die zwei Turteltäubchen beobachtet, die seit dem ersten Tag schon miteinander flirten, aber noch keinen Meter darüber hinausgekommen sind. Als dann eine weitere Frauenstimme von hinten meint: „Mir wäre es lieber, wir hätten was Spannendes zu tun, da kann ich auf Aufregung im Film dann auch gut verzichten.", drehen alle schon Sitzenden den Kopf nach hinten und beobachten Mira, die um das rechte Sofa wandert und sich ganz außen mit dem Rücken zur Lehne hinsetzt. Die Schuhe zieht sie aus bevor sie beide Füße auf die Sitzfläche stellt und die Beine bequem anzieht. Aus irgendwelchen Gründen wandert Padmes Blick währenddessen zu Omos Füßen, die nackt, aber blitzsauber sind. Verspielt kitzelt sie die Sohle, was dem Elfen ein Lachen entlockt, wobei er sich krümmt.
„Ja, du hast Recht, aber wir können uns ja trotzdem einen guten Film reinziehen! Das lenkt uns von der Langeweile ab.", stimmt Omo dann, noch immer grinsend, zu und versucht die Meerfrau zwischen seinen Füßen ein wenig zu ärgern. Da hört man die schweren Schritte der Echse, gefolgt von einem Zischlaut und dem Quietschen vom metallenen Sofagestell, das viel Gewicht standhalten muss. „Mir issssst langweilig! Wir haben sssson ssssso viele Filme gessssehen!", seufzt Tanikarataniki und lässt die Zunge hervorschnellen, wobei er einen erneuten Zischlaut macht. Mira, die das Kommen des Sofa-Kameraden erwartet hatte, hat die Beine schon eingezogen, damit auch der Echsenschwanz aufs Sofa passt.
Während sich Taniki und der Cyborg noch organisieren, schlängelt sich Tiho zwischen Sessel und Sofa hindurch und macht es sich direkt am Teppich gemütlich. „Habt ihr schon gewählt?", will er wissen, während er sich mal hin- und mal herdreht und schließlich genüsslich am Bauch liegt, den Schwanz hin und her zucken lassend. „Nein, aber es wird höchste Zeit!", ruft Ingon, mit den Füßen, die in seinen dicken braunen Wollsocken stecken, gegen den Sessel tretend. „Ssssstimmt.", bestätigt Taniki sofort und verschränkt alle vier Arme vor sich.
„Rettung naht, Kameraden! Ich habe mir gerade den neuen Blockbuster aus Dunyo geholt!", meldet sich plötzlich eine Stimme aus einem Lautsprecher und das vertraute Geräusch von Mex' Rollen unter den Füßen ist zu hören. „Welchen?", möchte Padme wissen und versucht sich so zu verdrehen, dass sie einen Blick auf den Bildschirmkopf des Roboters werfen kann. Doch das Verrenken geht nicht so gut in der aktuellen Position, also lässt sie es mit dem Ziehen einer Grimasse sein.
„Schatten der Vergangenheit" heißt er. Wollt ihr den Trailer sehen oder starten wir einfach einmal?", will Mex wissen während sie hinter Ingon stehen bleibt und die Räder einfährt, was einen sehr eigenartigen Ton produziert. Da dreht sich der Zwerg vollständig um stellt sich dann, den Roboter ansehend, auf den Sessel. „Und er ist nicht langweilig?", hinterfragt er. „Sie hat gesagt, dass das ein Blockbuster ist, ein gern gesehener Film. Wird schon gut sein.", kommentiert Mira. Omo bestätigt: „In der Regel ja. Erwarte ich mir auch." „Also gut. Wenn alle einverstanden sind, starte ich den Film", lässt der Roboter wieder vernehmen und Tiho hebt die Pfote, während er sich mit der zweiten aufstützt: „Aber bitte nicht zu laut, mir klingeln die Ohren noch immer vom letzten Mal." „Man, bist du empfindlich!", schimpft der Zwerg und setzt sich wieder, als er den Ton vom Fernseher hört, der gut sichtbar an der Wand hängt. „Sei nicht immer so garstig zu ihm. Er hat halt empfindliche Ohren. Omo hört auch besser als wir.", mischt sich da Padme ein und der Blonde nickt eifrig. „Pssssssst. Esssss geht lossss!", zischelt Tanikarataniki nun noch, ehe Mex das Licht dimmt und das Intro zu spielen beginnt.

Gerade werden die ersten düsteren Szenen einer zerstörten Stadt gezeigt und eine tiefe Männerstimme beginnt zu erzählen: „Meine Heimat… nun ja, oder zumindest was davon übriggeblieben ist. Grausame Dinge sind hier passiert. Ich…", als sich plötzlich ein breiter Schriftzug quer über das Bild legt und ein sich bewegender Text mitteilt, dass ein Anruf eingeht. Auch der deutliche Tut-Tut-Ton des Kommunikationssystems überdeckt den Film und Mex geht mit einem stillen Programmierkommando ran. Das letzte Mal, als jemand gestört hat, war es Jalapadmes Vater, Salas, gewesen, der sich mindestens einmal die Woche nach dem Wohlbefinden seiner Tochter erkundigt und damit schon allen auf den Geist geht. Entsprechend darauf wartend staunt das Team nicht schlecht, als plötzlich das junge, dunkelhäutige Gesicht von Mooi Prenti, Teni Gendois Sekretärin, auftaucht. „Guten Abend, Team ESIO! Ich rufe im Namen von Mister Gendoi an, der eure sofortige Kursänderung auf das Mutterschiff der IGU wünscht." „In wessen Namen rufst du denn sonst an, Mo?", will Omo daraufhin wissen und bringt die junge Frau mit den schwarzen Haaren prompt in Verlegenheit. „Du musst nicht immer so penibel höflich sein, Mooi! Wir kennen dich alle schon.", winkt auch Tiho die Formalität ab, der inzwischen nur mehr kniet. „Nun, wie auch immer!", mischt sich Mira ein, die ihre Hausschuhe anzieht, die ein bisschen wie Turnpatschen aussehen, und sich erhebt. „Mira, wie immer die Pflichtbewusste. Dann sehen wir uns demnächst bei Mr. Gendoi!" „Jawohl, Mooi! Bis dann.", verabschieden sich alle nacheinander und das Bild wird ganz schwarz. „Du hast es verschrien. Das hatte jetzt ein schnelles Ende!", schimpft Ingon nun, woraufhin Taniki meint: „Mira korrigiert nur den Kursssss, dann können wir wieder Fernsssssehen! Aussssserdem braucht allesssss einen Anfang! Wirssssst ssssehen! Esssss wird beim Ssssssef sssson aufregend genug." Dem stimmten alle zu, während die Pilotin den Raum verlässt.
Trotz Ingons heftigem Gedrängel warten alle, bis Mira zurück ist, ehe sie den Film noch einmal starten. Dabei spüren sie, dass das Raumschiff, in dem sie sitzen, sich zur Seite neigte und an Fahrt aufnimmt. Gut, dass alles festgeschraubt ist und die Besatzung das bereits gewohnt ist. Jetzt aber geht es ins Abenteuer, zum ersten echten Auftrag, wie alle hoffen.

Part 2: Schatten der Vergangenheit

Der Film „Schatten der Vergangenheit", bei dem es um einen Mann geht, der durch illegale Drogengeschäfte zum Millionär wird und dann auf legale Geschäfte umsteigt, verdeutlicht der Gruppe eindrucksvoll, dass man der Vergangenheit nicht entkommen kann. Alle sieben Teammitglieder wirken danach etwas zerknirscht, doch die gute Laune setzt gleich wieder ein, als Ingon meint: „Der Film war wirklich nicht schlecht. Hab' Schlimmeres erwartet." „Die Geschichte ist doch schlimm genug, oder? Der Kerl war ein Verbrecher, nichts weiter.", greift Padme das Thema sofort auf und klettert aus ihrem Plätzchen am Sofa, wobei sie wieder über Omorfos Beine musste, der sie mit seinen Zehen kitzelt. Darauf reagiert sie aber nicht.
„Sie ist aber sehr realistisch.", kommentiert Mira, die gerade wieder in ihre Hausschuhe schlüpft und hinzufügt: „Wir sollten demnächst zum Sprung-Tor kommen. Bereitet euch darauf vor, und nehmt eure Plätze dann bald ein. Wir werden am anderen Ende des Tores erwartet." Während der Rest nickt, verlässt sie bereits das Wohnzimmer und marschiert ins Cockpit, um alles für den Hyper-Sprung vorzubereiten.

Nach der kurzen Prüfung einiger Radare und eine ganze Weile später, versucht Mira mit der nächsten Raumstation in der Umgebung eine Funkverbindung aufzunehmen: „LM 510, ESIO, Mira ti Igberaga, erbitte Kontaktaufnahme!" Und sie hat Glück, denn sofort erhält sie die Rückmeldung: „Station Havugalagudu, Unteroffizier Wachtmeister Rishad Mul, bereit zum Service!", schallt es aus dem Kopfhörer im Cockpit, in dem Mira sitzt. „Ansuchen um Hyper-Sprung zum Sektor Nekomis.", gibt sie nun durch. „Bestätigt. Sprung-Tor-Öffnung wird initiiert. Geschwindigkeit Drosseln bis Freigabe." „Roger."
Wie schon hunderte Mal geübt drosselt Mira die Geschwindigkeit des Raumschiffs und dreht mit dem rechten Zeigefinger einen Regler am Kopfhörer. Dies wechselt zwischen der Verbindung zur Station über den offenen Kanal zur Verbindung mit ihrer eigenen Besatzung. Erst, als beide Hände wieder am Steuer sind, gibt sie durch: „Hoffe ihr sitzt schon alle, in ein paar Momenten starten wir den Hyper-Sprung." „Verstanden!", kommt es von Mex zurück. Damit wechselt die Pilotin zurück auf die Verbindung zur Station, die nun immer näherkommt.

Die Station, die zu sehen ist, lässt sich optisch ein wenig mit Muttern auf einer Schraube vergleichen. An der Spitze befindet sich das Cockpit mit einem sichtbaren Laser. Dieser Teil lässt sich sogar abkoppeln. Dahinter ist ein langes, breiteres Stück, um das herum ein blau leuchtender Ring verläuft. Auf der Rückseite ist, ebenfalls einem Zahnrad gleichend, ein Hangar, in dem Schiffe landen und starten können.
Der große Ring beginnt sich in diesem Augenblick zu drehen und produziert einen starken, ebenfalls blauen Lichtstrahl, der wie ein Zylinder durch das All strahlt.
Genau auf diesen steuert Mira nun die LM 510 zu und hört schließlich Wachtmeister Muls Freigabe: „Sprung-Tor bereit. Gute Weiterreise." „Roger und Danke!", gibt Mira zurück und beginnt das Tempo des Schiffes zu erhöhen. Immer schneller gleitet die „Liebe Maja" durch den Weltraum und erreicht schließlich ihre Maximalgeschwindigkeit. Mit eben dieser trifft sie auf den Lichtzylinder, der um sie herum feste Form annimmt und sie quasi durch einen Tunnel steil nach oben schleudert. Die geübte Pilotin zieht die Nase des Schiffes hoch, um keinen Katapult-Effekt zu haben und erreicht damit die nötige Hypergeschwindigkeit, um das obere Ende des Tunnels zu erreichen. Kurz wird es gänzlich dunkel, ehe der der Tunnel an Substanz verliert und wieder zu einem Lichtzylinder wird. Schließlich verlässt die LM 510 das Sprungtor und die funkelnde Umgebung im violetten Nebelschleier wird deutlich erkennbar.

„Mutterstern, Oberstabswachtmeisterin Manja Otentha an LM 510, ESIO, bitte um direkten Einflug in Port 3.", ertönt die Anweisung nur einen Moment später. Die Gruppe ist tatsächlich bereits erwartet geworden und aus irgendeinem Grund muss es dringend sein, denn Mira ist sich sicher, dass sie bisher immer um vorherige Kontaktaufnahme gebeten worden ist. So ist prompt schon alles vorbereitet geworden.
Der Kanalwechsel ist somit sofort nötig, denn das gilt es als wichtige Info mit der Belegschaft zu teilen. „Es läuft wohl heute etwas strenger als gewohnt, irgendwas ist im Busch. Wir sollten bereits fix und fertig hergerichtet sein, wenn wir andocken. Die IGU ist uns entgegenkommen, wir haben bereits Sichtkontakt.", gibt sie durch, ehe sie auf Lautsprecher umstellt, um sich selbst die Uniform anzuziehen.

Das enorme Raumschiff der IGU, das vom Grundriss her wie ein Falke im Sturzflug aussieht, ist hoch genug, um dem Reiseschiff von der ESIO eine einfache Landung zu ermöglichen. Dies erfolgt auf der Bauchseite des Schiffes. An der Schnabelspitze ist das breite Cockpit und die Brücke eingebaut. Die Rückseite ist mit zwei mächtigen Düsen ausgestattet, um ein schnelles Vorankommen zu ermöglichen.
Nachdem die LM 510 im Hangar abgestellt worden ist, verlässt die herausgeputzte und uniformierte ESIO das Schiff, wo sie gleich von einem Haufen Leute empfangen wird. Im Hintergrund steht ein Putztrupp und ein hoher Stapel Kisten, die vermutlich Vorräte aller Art enthalten. An vorderster Front steht schließlich das Ratsmitglied Mr. Gendoi mit Mooi. Während die Dunkelhäutige klein und fast schon zerbrechlich wirkt, macht Mr. Gendoi den Eindruck eines rüstigen Seniors aus vornehmem Hause. Allerdings waren ihm Geduld und der gute Ton nicht in die Wiege gelegt worden. Er tritt in schwarzen Lackschuhen, schwarzem Anzug, einer Dunkelblauen Krawatte auf weißem Hemd und einer getönten Brille auf. In den weiß behandschuhten Händen hält er einen silbernen Gehstock mit aufwändiger Gravur. Mit diesem schlägt er mehrmals auf den Metallboden und schimpft: „Ich habe schon gedacht, dass ich die ganze Nacht auf euch warten muss. Nun aber Beeilung."
Die Einheit zur Sicherung der intergalaktischen Ordnung salutiert und folgt dem strengen, alten Mann einfach. Mooi lächelt entschuldigend und zuckt hilflos, in einer Hand ein Tablett haltend, mit den Schultern als sie sich dem Zug anschließt und mit ihrem Chef und dem Team durch den Hangar wandert.

Am Ende des Hangars steht eine Schwebebahn. Vor dem silbernen Wagon kann man alle paar Meter stählerne, eisblau glühende Platten sehen, über die er sich bewegen kann. Der Innenraum des Gefährts ist geräumiger als er von außen aussieht. Sogar Mex und Taniki haben sorglos Platz und Ingon kann den Mund nicht halten: „Das ist kein Zug, das ist ein Panzer!" „Für so fette Leute wie dich muss auch genug Platz sein. Sei lieber dankbar, Zwerg.", fuhr Mr. Gendoi den Bärtigen an, der zu einer Erwiderung ansetzt, aber von einem schüchtern lächelnden Kater den Mund zugehalten bekommt. „Selbstverständlich sind wir dankbar für jeglichen Luxus, den Sie uns hier ermöglichen, Sir.", versucht Tiho das noch zu retten. Offenbar mit Erfolg, denn das Ratsmitglied sagt dazu nichts mehr.
In genau diesem Moment geht dann aber die Türe zu, die Schwebebahn setzt sich in Bewegung und nimmt langsam, aber stetig an Fahrt auf. Mooi, die vorne am Steuerpult gestanden ist, gesellt sich zu ihrem Vorgesetzten und schweigt. Dieses Schweigen zieht sich quer durch die ganze Fahrt, vom Weg durch das stählerne Labyrinth des „Muttersterns" bis in den Besprechungsraum ganz in der Nähe der Kommandobrücke und alles, das zu hören ist, ist das Surren und Piepsen von Kameras, das Zischen von Schleusen und Türen und das monotone Brummen der Belüftungsanlage.

Im Besprechungszimmer angekommen sieht man einem langen Tisch, der die gesamte Raumlänge in Anspruch nimmt. Die Sessel stehen so, dass man noch bequem dahinter vorbeigehen kann, ohne mit der hohen Metallwand in Berührung zu kommen. An der Decke vor dem Tisch ist ein schwenkbarer Projektor montiert und an der gegenüberliegenden Wand, zirka 15 Meter weg, befinden sich neun Monitore, Rahmen an Rahmen aneinandergereiht, sodass sich ein langer und sicherlich vier Meter hoher Streifen ergibt. Über jedem Monitor hängt eine Kamera, und ein, in zwei Ringe geteilter, Lautsprecher.
Mr. Gendoi nimmt in der Mitte des Tisches Platz, während Moi sich an seine linke Seite setzte. Mira, die ja vom selben Planeten wie der ständig grantige Weißhaarige stammt, wird lautlos dazu genötigt, sich neben ihren Landsmann zu setzen, was sie auch tut. Der Rest verteilt sich zufällig gleichmäßig an die jeweils freie Seite der beiden Frauen.
Als alle sitzen, macht das Ratsmitglied eine scheuchende Handbewegung, woraufhin seine dunkelhäutige Assistentin eilig zu ihrem Tablet greift und darauf herumdrückt. Dies führt dazu, dass der mittlere Bildschirm, aktiviert wird und eine blonde Frau mit streng hochgesteckten Haaren, den ersten Falten und der üblichen Uniform zu sehen ist. „Generalin Chand, verzeihen Sie die lange Wartezeit. Dem Team war es nicht möglich, ihre Hinterteile schneller herzubewegen.", spricht Mr. Gendoi die Frau an, wobei die Höflichkeit gegenüber der Frau auf der anderen Seite der Leitung eindeutig höher ist als die, die er dem beinahe gleichrangigen Team entgegenbringt.
Einen kurzen Moment dauert es, bis die angesprochene Generalin die Schultern strafft und selbst spricht: „Guten Abend, auch wenn es schon spät ist. Danke, dass Sie meiner Bitte so schnell gefolgt sind, Mr. Gendoi.", dann drückt sie auf einem Pult vor sich herum. Die Intergalaktische Union hat mit der Einführung der gemeinsamen Sprache auch eine einheitliche Uhrzeit festgelegt. Mit dieser sind zwar nicht alle glücklich, aber immerhin ist es so geregelt, dass für alle gleich spät.
In der kurzen Pause lässt sich der alte Herr vernehmen: „Ich verstehe bis jetzt nicht, wieso sie darauf beharrt haben, genau diese Truppe zu holen und nicht die Jagdeinheit zu schicken, um das Piratenpack zu kassieren." Da hebt die Generalin den Blick erneut und zieht einen Mundwinkel hoch. „Weil die Sache mehr braucht als nur eine Jagdeinheit. Miss ti Igberaga kann sich aber bestimmt noch gut daran erinnern, wieso ich dieser Ansicht bin."
Sofort wandern alle Blicke zu Mira, die angespannt auf ihrer Lippe herumkaut, ansonsten jedoch eine sehr starre Miene behält. „Generalin, Sie sprechen jetzt aber nicht von diesem Piratenkapitän, der sich selbst Rattenkönig nennt, oder?", ergreift sie das Wort nun schneller als Mr. Gendoi, der verärgert auf den Tisch schlägt. Der Agentin ist das aber egal, denn sie ist auf ihre Gesprächspartnerin fixiert, die nickt. „In der Tat. Ich spreche von Kapitän Arratoi." „Piraten… Mira, wann hattest du mit Piraten zu tun?", will Omorfos nun wissen. „Die sind ein wenig dafür mitverantwortlich, dass ich hier bin… ich erkläre euch das später.", winkt die Dunyoscherin nun ab und verschränkt die Arme. „Ich führe hier das Gespräch!", bellt das Ratsmitglied nun und schlägt noch einmal auf den Tisch. Es sind nun wieder alle ruhig und so räuspert sich der Weißhaarige, ehe er fortfährt: „Diese stinkende Ratte ist also wieder unterwegs und nur, weil eines der Weibsbilder hier schon mit ihnen zu tun gehabt hat, brauchen wir diesen Zigeunerhaufen hier?" Generalin Chand lässt sich von der Wortwahl aber nicht beeindrucken, genauso wenig wie Mira. Nur Padme fühlte sich etwas angegriffen. Mex hat gar nicht mitbekommen, dass sie auch reagieren hätte sollen. Sie war eben doch nur ein Roboter, da kann sie sich über so etwas gar nicht aufregen.
„Wenn Sie mich bitte erklären lassen. Der Hintergrund dafür, dass ich mir Miss ti Igberaga mit ihren Kameraden dafür gewünscht habe, ist ihr Vorwissen in der Materie und ein essenzieller Schachzug, der es ihr ermöglichte, die Intergalaktische Union überhaupt auf die Sache aufmerksam zu machen." „Worauf wollen Sie hinaus?", verlangt Mr. Gendoi zu erfahren. „Meharos Zauber und das entwendete Schiff! Wofür habe ich Ihnen einen Vorbericht gesendet?!" „Ich habe Fräulein Prenti gesagt, dass mich dieser Firlefanz nicht interessiert, ich habe Wichtigeres zu tun, als mich mit ein paar Ratten abzuplagen! Machen Sie, was Sie wollen, aber ich übernehme für nichts, in dieser Hinsicht, die Verantwortung. Aber wo sie das Schiff erwähnen: Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, weshalb das nicht geahndet wurde. Sämtliche Anträge darauf sind abgelehnt worden und trotzt allem wurde sie rekrutiert. Und das ohne mein Einverständnis!" Dabei schießt er seiner Landsfrau einen Mörderblick entgegen, den sie in derselben Intensität erwidert, ehe sie etwas mürbe von sich gibt: „Im Endeffekt habe ich es dem Besitzer zurückgebracht." Ihren Genossen fallen die Kinnladen runter und alle machen große Augen. Dabei fällt nur mehr Mex auf, dass sich Teni Gendoi nach der Aussage mit einem grantigen Grunzen erhoben hatte und bereits dabei war, den Besprechungsraum zu verlassen.
Schließlich hält es Omo nicht mehr aus und lacht: „Du, als Predigerin von Gesetzen, hast ein Schiff gestohlen?" „Ich habe es von den Piraten entwendet, um einen Zivilisten in Sicherheit zu bringen…aus meiner Sicht hat alles gepasst. ", erklärt sie nun, wenig glücklich über das Eselsohr in ihrem Lebenslauf, auch wenn es nicht als solches klassifiziert wurde, und wendet sich der Generalin am Bildschirm zu. Die Beunruhigung wegen der Reaktion von Mr. Gendoi kann sie nicht verstecken, als sie spricht: „Das hat hoffentlich jetzt keine Nachwirkungen… Mir ist versichert geworden, dass alles in bester Ordnung sei." „Keine Sorge, ich habe mich damals um alles gekümmert. Nicht umsonst sind Sie als Kandidatin in Erwägung gezogen worden. Aber nun zurück zum Thema. Meharos Geschichte, der Sie einst auf der Spur gewesen sind und die sich ja als wahr erwiesen hatte, könnte nun die gesamte Intergalaktische Union bedrohen." „Hat Kapitän Arratoi also doch noch…", Mira konnte ihre Frage nicht zu Ende bringen, denn Ingon rief: „Was wissen wir denn da alles nicht? Du bist gleich schlimm wie der Kerl aus dem Film!" „Ssssssei nicht gleich so missssstrauissssss nur weil jemand dir wassssssss nicht ersssssählt hat.", zischelt Taniki nun dazwischen und Mex meint: „Die Wahrscheinlichkeit, dass jeder von uns schon einmal gegen das Gesetzt verstoßen hat, liegt bei 99,763 Prozent." „Lasst die zwei doch das Gespräch beenden, dann können wir unsere liebe Freundin immer noch ausquetschen.", versucht Padme, das zu beruhigen. Tiho hält sich so gut wie möglich raus und tauscht nur einen kurzen Blick mit Mooi aus, die noch immer zuwartet, damit sich ihr Chef beruhigen kann. Sofort will sie ihn nicht in seinem Zorn stören.
Mira schafft es irgendwie, den Fokus wieder auf die Generalin zu richten. Diese erklärt nämlich gerade: „Die Tafel ist laut den zwei Geistern auf Jazirat Alkunz von den Piraten entwendet worden und wir befürchten, dass er nun weitere magische Artefakte suchen und finden wird, um alte Zauber wiederzuerwecken. Meharos Zauber darf aber um keinen Preis noch einmal gewirkt werden. Laut unseren Experten wäre das fatal!" „Und wie sollen wir denen jetzt hinterher? Wir haben wohl keinen Anhaltspunkt.", versucht die Dunyoscherin Klarheit zu bekommen. Es reicht ihr schon, dass sie die Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt haben, da braucht sie nicht noch eine unmögliche Aufgabe. „Nun, das ist nicht ganz korrekt. Wir haben zwei Mitglieder der Piratenbande kürzlich dabei erwischt, wie sie das, von Ihnen kurzgeschlossene, Raumschiff zurückstehlen wollten. Wir hätten ihnen gerne eine lange Haftstrafe aufgebrummt, doch in Anbetracht der Tatsache, dass wir ein viel größeres Problem mit ihresgleichen haben, haben wir darüber hinwegsehen müssen. Der von dem Geschwisterpaar eingebrachte Deal war einfach zu gut, um ihn auszuschlagen." Miras Blick verfinstert sich schlagartig und Generalin Chand nimmt das als Gelegenheit, um das tatsächliche Ausmaß der Angelegenheit zu offenbaren: „Die Abteilung für Sicherheit auf Dunyo hat in Abstimmung mit der Intergalaktischen Union beschlossen, uns auf ein Spiel mit Doppelagenten einzulassen. Im Austausch gegen die Unterstützung auf der Jagd nach den Piraten setzen wir bei entsprechendem Erfolg sämtliche Strafen für die Beiden aus, die sich auf unsere Seite geschlagen haben. Sie und der Rest der Einheit zur Sicherung der Intergalaktischen Ordnung sind dafür verpflichtet, für das Wohl und die Sicherheit unserer Informanten zu Sorgen, die Steintafel von Jazirat Alkunz zurückzubringen und so weit wie möglich Meharos Relikte zu bergen. Kommen Sie bitte so zügig wie möglich, ohne sich jetzt die Nacht um die Ohren zu schlagen, ins dunyoscher Hauptquartiert und nehmen Sie sich den Piratengeschwister an. Die Intergalaktische Union verlässt sich auf ihre Sondereinheit und ist überzeugt davon, dass die ESIO die erwarteten Aufgaben mit Bravour meistern wird. Sie alle wurden nicht umsonst als Elite klassifiziert. Die letzten Details erhalten Sie in einem vollständigen Bericht. Gibt es bis dahin Fragen?" „Ja… eigentlich schon!", meldet sich Omo, woraufhin Taniki fast gleich reagierte wie zuvor: „Dasss passsst hier jetssssst nicht rein." Mira schüttelt daraufhin nur den Kopf, weshalb die dunyoscher Generalin eine ausladende Geste macht: „Dann wünsche ich eine geruhsame Nacht. Wir sehen uns hoffentlich bereits morgen oder spätestens in zwei Tagen." „Gute Nacht, Generalin." Somit endet das Gespräch und Mooi schaltet, aufmunternd lächelnd, den Monitor ab. „Ich habe den Bericht sehr wohl gelesen. Ihr kriegt das hin, da bin ich ganz sicher… aber jetzt bringe ich euch mal in eure Quartiere. Ihr schlaft selbstverständlich an Bord der „Mutterstern" und werdet auch mit mir morgen frühstücken." „Danke Mooi! Du bist die gute Seele deiner Abteilung.", schnurrt Tiho nun und lächelt breit. „Ja, ein Hoch auf Mo!", stimmt Omo darauf ein und auch Ingon lässt sich grölend vernehmen. Taniki stößt auch eine Art Schlachtruf aus und Mex Avatar lacht fröhlich vor sich hin. Nur Mira ist nicht zum Lachen, denn in ihr schwirren die Erinnerungen an eine der unangenehmsten Aufgaben ihres bisherigen Lebens.

Mooi hat, wie versprochen, die Mitglieder von ESIO gut untergebracht und ist danach noch zu Mr. Gendoi gegangen, der sie aber ins Bett geschickt hat. So kann die Dunkelhäutige schon in der Früh die Weltraumreisenden von ihren Zimmern abholen und zum Frühstück begleiten, was grundsätzlich alle sehr freut, nur Mira wirkt an diesem Tag zwar nicht unnatürlich grantig, aber eindeutig mürrischer als an gewöhnlichen Tagen. „Dir liegt das von gestern noch im Magen, mhm?", fragt Tiho an ihrer Seite, der schon seit ein paar Minuten dabei zusieht, wie seine Kameradin lustlos in ihrem Frühstücksbrei herumstochert, den sie ansonsten sehr gern hat.
„Gestern? Das wird jetzt nicht nur gestern, sondern für die nächsten Tage… Wochen… mit etwas Pech Monaten mein Verfolger sein. Dieses kleine Abenteuer auf einer verdammten Vulkaninsel hat bei mir ziemlich alles auf den Kopf gestellt. Ich will aber jetzt gerade nicht darüber reden.", murrt die Dunyoscherin und verschränkt abwehrend die Arme. „Du weißt, dass Mr. Gendoi ein Miesepeter ist, der sich am Unglück anderer weidet. Natürlich hat er versucht, dir auf die Zehen zu steigen. Aber er ist sonst eigentlich ein guter Kerl.", versucht Mooi daraufhin, die Dinge wieder geradezubiegen, was abgewiesen wird: „Mir ist es eigentlich egal, wenn meine direkte und nicht unwichtige Kontaktperson mich nicht leiden kann. Ich habe nur echt wirkliche Lust darauf, mich noch einmal mit dem Mist der Piraten auseinandersetzen zu müssen." „Ach Mira… aber wie… ich glaube wie Taniki gestern angedeutet hat, hat jeder von uns sicherlich irgendeine solche Leiche im Keller.", mengt sich Jalapadme ein. Die Echse, die bereits beim dritten Teller Würstchen ist, zischelt bestätigend. Ingon murmelt irgendwas Unverständliches, was außer dem Nekomiser und dem Elf niemand verstehen kann. Daraufhin lächelt der gut gelaunte und ruhige Kater noch breiter als sonst und meint: „Dem Zwerg tut seine Aussage von gestern leid!", wobei er dem Spitzohr zuvorkommt. „Tut sie nicht!", schnappt der Betroffene daraufhin sofort, was Tiho zu einer beschwichtigenden Geste bringt. Er lacht leise und verlegen: „Schon Recht, schon recht… Entschuldigung." Kurz starren ihn alle an, doch dann kommt Omo die Idee und er fragt: „Hey, wenn du jetzt schon nicht über die Piraten schwatzen magst, erzählst du uns wenigstens was es mit Meharos Zauber auf sich hat? Ich bin als Magier eindeutig neugierig geworden." „Ich würde diese Geschichte auch gerne in meinem Archiv verwahren. Kann ich mit der Aufnahme loslegen?", bittet auch Mex darum, dass Mira die Geschichte zum Besten gibt. „Na von mir aus.", willigt sie ein und beginnt zu erzählen:

„Vor langer, langer Zeit lebte einst das mächtige Dschungelvolk unter Meharos Regentschaft auf der Insel Jazirat Alkunz, auf Dunyo. Der König war unter dem Volk jedoch unbeliebt und seine Art zu herrschen stieß nicht auf besonders viel Gegenliebe. Aufstände wurden niedergeschlagen, Proteste überhört, nichts und niemand konnte Meharos Machenschaften verhindern. Doch Zwillinge, beide junge Magier, beschlossen, still, leise und unbemerkt zu versuchen, die Macht des Königs zu schrumpfen und dem Volk mehr Freiheit zu schenken. So fassten sie einen Plan. Asinatu und Insinatu waren Zwillinge, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sie waren für ihre Tricks und Zaubereien auf der ganzen Insel bekannt. Meharo kannte die beiden nur als Unterhaltungskünstler und dachte sich daher auch nichts dabei, als er eines Tages ein Ansuchen der beiden übermittelt bekam. ‚Ich bin gelangweilt, das stimmt! Holt mir die Gebrüder Sinatu!', forderte er sofort von seinen direkten Untergebenen. Und diese gehorchten. Nur kurze Zeit später bekamen die Zwillinge die Chance, ihr Können im alten Tempel zu beweisen und kamen traditionell gekleidet und mit Blumen und Lianen geschmückt zum Duschungelkönig in den Thronsaal. Anstelle einer ordinären Show boten sie eine komplette Adaption ihres Könnens an. Hochangesehene Würdenträger wurden als Intriganten parodiert und durch Gestaltenwandlung sogar kopiert. Witze über das dumme Volk wurde gerissen und ein banaler Zaubertrick jagte den nächsten, immer mit der Botschaft, dass nur Asinatu und Insinatu dazu in der Lage waren, den großen König und seine Macht zu verstehen. Die Berater Meharos versuchten den Regenten darauf hinzuweisen, dass er es mit Scharlatanen zu tun hatte, doch zu groß war die Begeisterung des Königs für so lobende und preisende Worte. Wütend über die Kritik an den Zauberern, enthob Meharo alle seine Berater ihres Amtes und ihrer Würde und ließ sich von den Gebrüdern Sinatu einreden, dass sie allein als seine treuen Berater genügten. Sie priesen sein Wissen und seine Fähigkeit zu regieren an und machten ihm deutlich, dass er sonst niemanden brauchte, nur jemanden, der ihn entsprechend würdigte. Und so geschah es: König Meharos ernannte Asinatu zu seiner rechten und Insinatu zu seiner linken Hand, die ihm in dieser schweren Zeit der Kritik zur Seite stehen sollten. Das erste Ziel war erreicht.", kurz macht sie eine Pause, dann fährt sie fort:

„Ein paar Monate verstrichen und die Freude von König Meharo blieb ungetrübt. Die zwei Gaukler hielten ihn so sehr bei Laune, dass er vergaß, sein Volk zu tyrannisieren. Doch nicht nur das! Sie hatten auch entdeckt, dass König Meharo eigentlich ein Magier war und deshalb niemand etwas gegen ihn tun konnte. Nicht die Macht seiner Autorität war so groß, nein, es war seine Zauberkraft, die das Volk in seinem Bann hielt und ihn gefürchtet machte. Somit war es auch nicht die Zauberei der Gebrüder Sinatu gewesen, die den König so fasziniert hatte, sondern deren Kundgebung ihrer Loyalität. Für die zwei stand nun aber auch fest, dass sie ihm diese Macht auf keinen Fall lassen wollten. Und so fassten sie einen Plan. Asinatu und Insinatu bereiteten einen Zauber vor, der das Volk endgültig erlösen würde. Sie ritzten in eine Tafel einen Text ein, den sie an einen ganz speziellen Zauberspruch banden. Sobald Meharo diesen sprechen würde, würde sich seine Zauberkraft auf seine Krone, sein Zepter, seinen Ring und seinen Halsschmuck aufteilen. Die Brüder wollten dem König einreden, dass diese Formel dafür sorgen konnte, dass sein Volk ihn endlich lieben würde, wie er es sich in seiner Machtposition schon immer gewünscht hatte. Und auch dieser Plan ging auf. Voller Stolz und in hoher Erwartung ließ König Meharo ein Festmahl ausrichten und las dann lautstark den Zauber vor, den seine treuen Berater ihm geschenkt hatten, doch die Wirkung blieb aus. Stattdessen wurde der Inselherrscher plötzlich müde, alle Farbe wich ihm aus der Haut und Krone, Zepter, Ring und Halskette glühten rot. Kaum, dass er entkräftet zu Boden ging, sprangen die Zauberer hervor und ergriffen die vier Stücke und die Tafel, ehe sie das Weite suchten. Im Voraus vorbereitete Boote wurden aufgesucht, in welche die Artefakte aufgeteilt wurden. Jedes Boot war mit einem Zauber belegt, sodass sie alle in eine andere Richtung übers Meer hinaus in die Ferne glitten. Stolz auf ihr Werk sahen die Zauberer ihnen nach. Sie hatten das Volk gerettet.", wieder lässt sie eine kurze Pause eintreten. Ihre Zuhörer nicken einfach als Zeichen dafür, dass sie bisher mitgekommen sind. Mira erzählt damit wieder weiter:

„Tja, nur leider sahen das nicht alle so. Die ehemaligen Berater des Königs und ihre eigenen Verbündeten hatten die Show genutzt, um ihren Platz an der Seite des Königs zurückzuerobern und hatten einige Stammeskrieger hinterhergeschickt, die Asinatu und Insinatu letzten Endes fassten und mit den legendären Worten: „Meharos Schutz endet hier. Jeder weitere Schritt führt ins Verderben!", richten wollten. Doch mit Zauberei und Hinterlist gelang den Gebrüdern Sinatu noch einmal die Flucht. Sie brachen auf dem Weg durch den Dschungel die Steintafel in zwei und jeder nahm eine Hälfe mit, ehe sie sich selbst trennten in der Hoffnung, sich noch einmal lebend wieder zu sehen.
Insinatu wurde jedoch einige Tage später gefasst und hingerichtet. Traditionsgemäß durfte er sich zwischen zwei Wegen des Todes entscheiden, die Meharo persönlich auswählte, nachdem sich der König erholt hatte. Der Zauberer konnte sich aussuchen, ob er sich von den Jagdhunden des Königs zu Tode hetzen lassen oder auf der einsamen Insel der Verdammten sein Lebensende fristen wollte. Insinatu jedoch, der nicht geplant hatte, dem König die Genugtuung der Urteilsfällung zu schenken, verzauberte sich selbst. Was genau geschah, konnte niemand genau sagen. Es hieß einfach nur, er habe den Namenlosen Tod gewählt, was eine Bezeichnung für Selbstmord sein könnte. Seine Steintafel nahm der König in Gewahrsam und ließ diese im heiligen Tempel lagern.
Asinatu hingegen gelang es noch jahrelang, sich durch Verstecke und Zauberei am Leben zu erhalten, bis er sich schließlich erschöpft in einer Höhle verschanzte, wo er seine letzten Lebenstage fristete. Er wurde schließlich mit der zweiten Hälfte der Steintafel in den Armen gefunden. Eben diese wurde mit der ersten Hälfte vereinigt. Die Artefakte von König Meharo, die seine linke und rechte Hand in die Ferne geschickt hatten, wurden von den Inselbewohnern nie mehr gefunden. Für die einen blieben die Gebrüder Sinatu Helden. Für die anderen ein ewiger Beweis, dass Lug und Trug niemals siegen konnten."

„Wow, da soll noch einer sagen, dass nur der Film gestern tief ging. Das echte Leben hält echt sehr viel Mist bereit.", kann es sich Omo nicht verkneifen, einen Kommentar dazu abzugeben. „Und diese Geschichte ist wirklich wahr?", will Padme eine Bestätigung, weshalb Mira nickt. „Das heissssst, wir folgen nun deinen…", Taniki betont bei seiner Aussage das Wort „deinen" besonders, „Ssssssatten der Vergangenheit." „Reitet am besten noch mehr darauf herum.", bellt Mira nun, die eindeutig wieder die Plauderlust verlässt. „Ich finde nicht, dass du dir da auch nur irgendeinen Fehltritt geleistet hast. Ich habe den Bericht immerhin gelesen. Aber ihr solltet dann bald los, wenn ihr Generalin Chand nicht zu lange warten lassen wollt.", muss Mooi schließlich das ganze abwürgen. Widerwillig lassen sich nun alle gemeinsam auf das Drängen ein und sehen zu, dass sie zu ihrem Schiff zurückkommen.

Part 3: Ratten, Mäuse, Krokodile

Die Reise in den dunyoscher Sektor tritt die ESIO durch dasselbe Sprungtor an, aus dem sie in Nekomis herausgekommen sind. Der Ablauf ist mit dem letzten Mal am Vortag ident, nur geht es eben in einen anderen Bereich der Sternenkarte von Alwatan.
Diesmal allerdings müssen sie die LM 510 parken und zurücklassen, denn dieses Schiff ist zu groß, um in die Umlaufbahn von Dunyo einschwenken zu dürfen. So steigt das Team mitsamt dem nötigen Gepäck auf ihr kleines Reiseschiff, der Altairan Rajul T4, um. Das große Wohnschiff ist über eine Brücke an der dunyoscher Raumstation angedockt und somit fixiert, damit es den Parkplatz nicht mehr irrtümlich verlassen kann.

Es dauert von der Raumstation aus jedoch noch gut zwei Stunden, bis sie die Umlaufbahn erreichen und förmlich den Planeten entlanggleiten. In dieser Zeit hat Mira als Pilotin das Cockpit nicht verlassen und stattdessen über dem Bericht der Generalin gebrütet.
Als eine weitere Stunde verstrichen ist, setzt sie zum Sinkflug an, wobei die Atmosphäre mit heftigem Gegendruck reagiert. Das Raumschiff, das dafür aber konstruiert ist, hält diesem Druck und auch den aufkommenden Temperaturen stand und bringt genug Kraft zustande, um immer weiter durch die Atmosphäre zu dringen. Schließlich befindet sich das Team im Luftraum von Dunyo und ist somit der Schwerkraft ausgesetzt. Die intelligente Maschinerie der Altairan ermöglicht es, das Raumschiff auch als Flugzeug zu benutzen und sogar die Zufuhr von frischer Luft ist nun gegeben. Je weiter das Schiff sinkt, desto deutlicher werden die Konturen und dann steht fest: Sie befinden sich direkt über einem Ozean. Die Blicke der Teammitglieder sind allesamt aus dem Fenster hinaus gerichtet, um möglichst viel vom Landemanöver sehen zu können. In der Zeit nimmt Mira bereits Kontakt mit der Bodenmannschaft der IGU auf, um die Anweisungen für die Landung einzuholen.

Schließlich kommt die Landebahn des dunyoscher Hauptquartiers der IGU in Sicht, das wirklich mitten im Meer liegt. Sanft und gekonnt setzte Mira das Reiseschiff auf der Rollbahn auf und drosselt gemütlich das Tempo. Als das Ende der Bahn in Sicht kommt, kann man eine riesige Kuppel aus Panzerglas sehen, auf der systematisch verteilte Leuchtdioden rot blinken. Direkt vor ihnen steht links und rechts hinter der Scheibe jeweils eine Wache und noch ein paar Meter weiter hinten ist eine Art Hütte aus Metall und Beton zu entdecken.
Doch es tut sich etwas, als Mira weiterhin auf die Glasfront zusteuert und kurz bevor die Nase des Schiffs am Glas anschlägt, gehen zwei riesige Glasschiebetüren davor auf und Dampf entweicht der Öffnung, welche die Maschine einhüllt. Bis es zur Annäherung der Flügel kommt, ist die Schleuse ebenfalls bereits weit genug offen, sodass ein problemloses Passieren möglich ist. Aus der Frontscheibe des Cockpits sieht man bereits deutlich die freie Fläche zwischen dem Flughafen und dem restlichen Gebilde des IGU-Hauptquartiers. Zwei Marshaller passen sie nun in einem Mini-Pick-Up ab. Der eine fährt, der andere steht auf der Ladefläche und gibt mit seinen leuchtenden Tafeln Anweisungen. So gelangt Mira zu ihrem Parkplatz, wo sie die Maschine ordnungsgemäß abschaltet. Dann steht sie vom Pilotensitz auf und geht aus der Kabine heraus, um einen großen, roten Schalter umzulegen, der die Türe entsichert, ehe sie ruft: „Alle aussteigen!" Sie ist dann auch gleich die erste und wird vom Chef der Bodentruppe und drei weiteren Mitgliedern der IGU empfangen.

Bis alle ausgestiegen sind, unterhält sich Mira bereits mit den drei Kollegen, einer Frau und zwei Männern, während der Bodentrupp das Gepäck entlädt. „Alle da?", fragt sie, und als genickt wird setzt sie fort: „Das hier sind Kapitän Rautt Skegg…", die Dunyoscherin deutet auf den hellhäutigen blonden Mann mit Kapitänsmütze und dann auf die beiden anderen, „… Laiminga Siela und Cepat Juruterban." Laiminga ist eindeutig eine Südländerin, die es scheinbar genießt ihre sehr großen, rundlichen Brüste Omo quasi unter die Nase reiben zu können, woraufhin er nicht anders kann als auf diese zu starren. Der Elf kassiert deshalb prompt einen überraschend harten Treffer von Jalapadmes Ellbogen für sein Starren, gefolgt von einem bösen Blick. Laimingas Landsmann, der verstanden hat, was los ist, lacht daraufhin: „Ihr kann man wirklich nicht widerstehen." „Wahrlich eine fesche Frau.", kommt es von weiter unten und alle sehen zum Zwerg hinab, der unter der Brust der adretten Frau steht und eben diese gerade selbst mustert. „Zum Kuckuck! Lasst den Unfug!", mahnt Mira ab, die sich sichtlich für das unreife Theater schämt. Tiho, der sich so gar nichts aus ihrem gefährlich werdenden Unterton macht, schnurrt: „Lass ihnen das doch.", was genügt, um den Cyborg wenigstens etwas friedlicher zu stimmen. Jetzt reagieren aber auch die anderen auf sie… alle außer Mex. Diese will nun nochmal wissen: „Können Sie drei mir vielleicht sagen, was es da jetzt zu sehen gab?" „Mexsssssss! Lassss die blöden Fragen. Dasssss kannssssssst du eh nicht verssssssstehen.", ist es Taniki, der keine Lust auf diese Art von Geschwätz hat. Er kommt damit Mira zuvor, die bereits bellen will, nun aber wieder den Mund schließt und es runterschluckt. Stattdessen bittet sie einen Seufzer später: „Können wir nun weiter?" Da sind nun doch wieder alle dabei und gemeinsam verlässt die Gruppe den Flughafen, um zum nächsten geplanten Meeting zu kommen, allen voraus der Cyborg und Kapitän Rautt. Tiho ist der letzte seiner eigenen Leute und hört damit noch etwas, was eigentlich nicht für seine Ohren bestimmt ist: „Wenn ich Mira nicht kennen würde, hätte ich echt so meine Zweifel an dieser Truppe." „Die habe ich trotzdem." Es sind Laiminga und Cepat, die diese Worte gewechselt haben und die leise Pfote fragt sich still und leise, ob ihre eigene Kameradin dem zustimmen würde. Er beschließt, dass er das Mira unbedingt fragen muss, um etwaige Unstimmigkeiten bereits im Voraus zu beheben. Es scheint nämlich so, als ob kaum jemand was für die ESIO übrighat und das obwohl das Team noch keine Chance gehabt hat, sich zu beweisen. Das ändert sich nun, so hofft er.
Vom Flughafen weg dauerte es doch beinahe eine halbe Stunde, bis sie alle in einem großen Konferenzzimmer an einem runden Tisch sitzen. Nur eine gut zwei Meter breite Öffnung bietet dem Leiter der Konferenz die Möglichkeit, in der Mitte zu stehen, um sich allen Teilnehmern bequem zuwenden zu können. In diesem Fall ist es Generalin Chand, die in diesem Zentrum und am Wort ist. Sie wird gerade mit der Begrüßung fertig und kommt nun, ohne lang zu fackeln, zum Thema:

„Nun, meine Damen und Herren, ich gehe davon aus, dass Sie alle inzwischen genauestens wissen, weshalb Sie hierher einberufen worden sind." Omo hebt die Hand, wird aber von Mira darauf aufmerksam gemacht, dass er sich per Knopfdruck zu melden hat. Sich verlegen am Hinterkopf kratzend und grinsend drückt er auf das kleine Knöpfchen vor sich, das mit einem „Ding" eine violette Lampe aktiviert. „Ja, Mr. Silberpfeil?", wendet sich die ältere Blonde in der Mitte an ihn. „Ich verstehe nur nicht, weshalb wir zuerst im Mutterstern aufkreuzen mussten.", fragt er, nochmal auf den Knopf drückend, um die Leuchte zu deaktivieren. Die Antwort: „Wir sind dazu verpflichtet, zuerst die betroffenen Ratsmitglieder einzuweihen, um dort die Genehmigung für die Teams einzuholen. In Ihrem Fall hat sich Mr. Gendoi so sehr dagegen gewehrt, dass ich euch vorher offiziell mit ihm gemeinsam sprechen musste. Die Genehmigung haben wir nun bekommen, um Sie und Ihre Kameraden damit überhaupt beauftragen zu dürfen.", gefällt allerdings keinem und Ingon murrt: „Bürokratie.", bevor es still wird.
„Nun denn, fahren wir fort.", legt die Generalin fest und wandert durch den Kreis des Tisches, während sie weitererzählt: „Kapitän Arratoi ist uns schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Jedes Mal, wenn wir kurz davor waren, ihn zu fassen, ist ihm das Verschwinden in die Weiten des Weltalls geglückt und wir haben dann länger nichts mehr von ihm gehört. Inzwischen wissen wir aber, dass die Piratenbande eine ganz schön große kriminelle Organisation ist, die bereits auf intergalaktischer Ebene arbeitet. Und eben diese Bagage ist nun eindeutig einen Schritt zu weit gegangen."
Kurz legt sich eine Stille über den Raum, ehe Kapitän Rautt den Knopf vor sich betätigt und sogleich die Aufmerksamkeit von Generalin Chand erhält. „Was hat den Unterschied zwischen dem ersten Manöver der Piraten gemacht, das Miss ti Igbaraga vereitelt hat, und dem jetzt geglückten? Das ging aus dem Bericht nicht hervor." „Schwarze Magie.", lautet die Antwort. Der Blick des Kapitäns zeugte von Verwirrtheit und es ist dann noch einmal Omo, der sich meldet, diesmal aber mit keiner Frage, sondern mit einer Information: „Schwarze Magie ist sehr selten und wirklich gefährlich. Die Zauberkraft derjenigen, die sie verwendet, entstammt den negativen Emotionen und ist weitaus mächtiger und unkontrollierbarer als die weiße Magie der positiven Emotionen. Demnach müsste dieser jemand bereits auffällig gewesen und der Magieinspektion bekannt sein." „Dem ist leider nicht so.", berichtet Generalin Chand und nimmt vom linken Rand neben der Öffnung im Tisch ein Tablet zur Hand, drückt und wischt darauf herum und informiert: „Das ist das Schreiben der Magieinspektion.", ehe sie vorliest: „Trotz mehrfacher Untersuchung konnten den Spuren der schwarzen Magie kein Zauberer zugeordnet werden. Auf die Beschreibung von Augenzeugen hin wurde nach dem Unbekannten gefahndet, was bis heute jedoch zu keinem Ergebnis geführt hat. Und so weiter." Generalin Chand legt das Tablet wieder weg und sieht in die Runde, stellt fest, dass keiner mehr Fragen dazu hat, und setzt dann wieder an: „Trotz allem haben wir einen Hoffnungsschimmer. Wie Sie bereits informiert worden sind, wurden zwei der Piraten aus den Reihen von Kapitän Arratoi gefasst. Diese beiden, ein Zwillingspaar, haben sich dazu bereit erklärt, uns bei der Arbeit gegen ihre eigenen Crew-Mitglieder zu helfen." Da schlägt Ingon mit voller Wucht auf seinen Knopf und knurrt: „Um uns dann für dumm zu verkaufen. Wenn sich der Kopf der Bande schon Rattenkönig nennt, dann sind das seine Ratten und die sind nie etwas Gutes! Ich hab mir das schon beim letzten Mal gedacht, als es zur Sprache gekommen ist." Alle Augen wandern zu ihm, viele Blicke verhärten sich und kaum einer zeigt Verständnis für seinen Ausbruch. Die Generalin seufzt: „Ich verstehe diese Ansicht, aber die Intergalaktische Union rechnet sowieso damit, dass nur ein Bruchteil der Informationen stimmen wird. Unser Ziel ist es, das Vertrauen der beiden Piraten zu gewinnen und sie auf unsere Seite zu ziehen." „Das ist verrückt!", bleibt der Zwerg dabei. „Der Auftrag an Sie alle ist eigentlich klipp und klar gewesen und die IGU duldet keine Widerworte…" Und da machten es allesamt, und zwar ausnahmslos alle, deutlich, dass sie gegen den eingebrachten Vorschlag sind und nicht kooperieren werden. Vor allem Team ESIO ist bekannt, dass Sie mit ihrem Veto zumindest eine weitere Prüfung des Antrags erzwingen. Damit muss dieser direkt vom Rat kommen, damit sie tatsächlich in die Pflicht genommen werden können. Die Generalin wirkt daher zerknirscht und seufzt: „Dann werde ich die Versammlung jetzt auflösen und einen anderen Weg wählen, wenn ich so keine Unterstützung bekomme." Diese Worte haben zur Folge, dass noch während der Auflösung der Runde schon die ersten Diskussionen beginnen. Jetzt will jeder noch seinen Senf dazu geben, ohne, dass es protokolliert werden und gegen sie verwendet werden kann. Keiner ist damit unzufrieden, dass das Thema erstmals vom Tisch ist und der Raum leert sich. Mira möchte ebenfalls aus dem Besprechungsraum, als ihr die Generalin nachruft: „Miss ti Igberaga, bitte bleiben Sie doch noch auf ein persönliches Wort mit mir." Somit bleibt sie stehen, wartet, bis auch der letzte Teilnehmer der Sitzung draußen ist, schließt die Türe und gesellt sich nochmal zu Generalin Chand.
Da erweichen die Züge der sonst strengen blonden Frau und auch der Ton wird bittend: „Mira, ich weiß, dass sich das jetzt wie der größte Fehler auf Dunyo anhört, zwei Piraten zu vertrauen, die dabei geholfen haben, dieses Unglück heraufzubeschwören. Doch mein Instinkt sagt mir, dass die beiden Crew-Mitglieder von Kapitän Arratoi ehrlich gewillt sind, ihre Freiheit zurückzuerlangen. So bitte ich dich inständig und unter Freunden: Tu mir den Gefallen, wie ich ihn dir getan habe. Ich habe viel dafür in Bewegung gesetzt, um deinen Ruf sauber zu halten und so hoffe ich, dass du auch mir da jetzt entgegenkommst." „Ach Nivida… ich habe mir fast gedacht, dass du den Trumpf ausspielen wirst… Und du weißt, dass ich dir das nicht ausschlagen werde. Aber ich muss Ingon recht geben. Es ist verrückt." „Deine Methode war einst nicht konventioneller als die meine…Oh und außerdem hat einer der Piraten ungemeines Interesse daran gezeigt, die Diebin seiner eigenhändig geklauten und umgebauten Maschine kennenzulernen. Vielleicht kannst du ihm prompt etwas entlocken." Damit gibt sich Mira endgültig geschlagen. „Okay, okay, ich mach's und ob der Rest des Teams will oder nicht, ich zieh sie da alle mit rein. Aber bevor du mich da in was Ärgeres reinreitest, will ich die zwei Piraten mal kennenlernen." „Ich wusste, ich kann auf dich zählen.", zeigt sich Nivida Chand hocherfreut und steht wieder auf, um ihre Freundin zu den zwei Gesellen zu bringen, für die es sich einzusetzen gilt.

In einer kleinen Kammer, bewacht von vier Leuten der IGU sitzen auf zwei ziemlich ungemütlichen Stühlen die Piraten-Zwillinge, wobei sie nicht dem gleichen Geschlecht angehören. Was sie wiederum vereint ist das braune wuschelige, lockige Haar und die Größe von zwei Metern. Cora und Aaron gehören seit ihrer Geburt der Crew von Kapitän Arratoi an und üben ihren Teil als, vom Piratenkönig selbst so bezeichnetes, Rattenvolk aus. Dies zählt unter den Mitgliedern der Organisation sogar als Kompliment und wird seit 28 Jahren von den beiden sehr geschätzt.
Cora sitzt gelangweilt, die Beine am Tisch abgelegt und sich durchgestreckt, am Sessel und fragt: „Kann ich wenigstens eine Zigarette haben? Die Warterei macht mich noch krank!", beschwert sie sich und fährt sich durch das lange, kaum zu bändigende Haar, das mit einem rot-weiß geschnörkeltem Tuch, welches zu einem Band gedreht wurde, zusammengehalten wird. Ihr Zwilling hingegen trägt das Haar nicht länger als ins Genick und offen, sodass seine Locken in alle Richtungen wegspringen, während er auf und ab läuft, nicht wissend, wohin mit seinen Energien. Ab und an kratzt er sich über das so gut wie haarlose Kinn und stemmt dabei die rechte Hand in die Hüfte. Dabei streicht er sich über seinen purpurne Kunstfaser-Mantel, der dabei ein paar kleine Funken abgibt. Dieser ist magischer Natur und hält bei jedem Wetter und jeder Lebenslage angenehm warm oder kühlt sogar. Es ist seine erste Errungenschaft gewesen, die er in seinem Leben als Pirat erfolgreich in Eigenregie entwendet hat.
Aarons Schwester ist eindeutig luftiger angezogen. Ihre dünne, knappe Bluse verdeckt gerade so die Brust, lässt jedoch den Nabel frei. Die rotbraune lederne Hose ist wiederum robuster und mündet in kniehohen, braunen Stiefeln mit einem ganz niedrigen, flachen Absatz. Auf ihre Frage hat sie bisher keine Antwort bekommen und offenbar wird die auch weiterhin ignoriert. „Hallo?! Ich hab was gefragt. Wenn ihr uns schon hier festhaltet, könnt ihr uns wenigstens beschäftigen.", meckert sie, wird aber von ihrem Bruder nun angeschnauzt: „Jetzt kannst du ja endlich mit der Scheiß Raucherei aufhören." „Hab' ich aber nicht vor und es kann dir auch scheißegal sein. Du bist immerhin schuld daran, dass wir jetzt hier sind." „Ich kann nichts dafür, dass so eine dahergelaufene Roboterkreatur die Frechheit besessen hat, einfach so mir nichts dir nichts mein Schiff zu kapern, das ist immer noch mein Job!" „Den du vermasselt hast!"
Die Streiterei geht so weiter, bis schließlich die Türe aufgeht und zwei Frauen hereinkommen. Die eine ist Generalin Chand, die bereits mehrere Verhöre mit den beiden geführt hat. Die andere wird von Aaron und Cora eindeutig als die Person identifiziert, die ihnen das Schiff gestohlen und ihren Ruf unter den Piraten zerstört hat. „Ah, eins der Krokodile war das.", zeigt sich die Braunhaarige nun wenig überrascht. Aaron wiederum stutzt: Denn so roboterhaft sieht diese Person nun doch wieder nicht aus, wie in seiner Erinnerung. Sie ist sogar menschlicher als erwartet. „Androide?", will er wissen. „Beleidigt sie nicht.", meint die Generalin und stellt sich mit Mira gemeinsam auf die gegenüberliegende Seite des Tisches, „Sie ist diejenige, die euer Ticket in die Freiheit einlösen kann… natürlich nur, wenn ihr ernsthaft kooperiert." „Pah, wer's glaubt.", spuckt Cora aus, zieh die Füße vom Tisch und beugt sich vor. „Aber ich hab' den Vorschlag ja selbst gemacht, bin selbst schuld, wenn ich ab jetzt mit einem Krokodil leben muss. Ist es wenigstens zahnlos?" „Ich bin weder ein zahnloses Krokodil noch ein Androide und ich schwöre euch eines, wenn ich mich jetzt darauf einlasse, und ihr mir und meinen Leuten Ärger macht, dann setze ich euch beinhart in eine Rettungskapsel und lasse sie irgendwo allein im Weltraum zurück.", faucht Mira, die sich nicht pflanzen lassen will. Und so geht es noch eine gute Viertelstunde weiter.

„Also, wir Schiffsratten sollen für euch Krokodile Mäuschen spielen und ihr sorgt dafür, dass wir nicht vor Langeweile drauf gehen?", fragt Cora nun, stehend und auf Mira hinabschauend, die Hände in die Hüfte gestemmt. Das Mitglied von der ESIO verschränkt die Arme und sieht auf die gut 30 Zentimeter größere Frau hinauf, der Blick nicht unbedingt vor Freude strahlend. „Zum ich weiß nicht wievielten Mal, ja. Und auch dafür, dass euch euer werter Kapitän nicht den Kopf abreißen kann, sollte er heraufinden, dass ihr Infos weitergeht. Sind wir uns jetzt endlich einig?" „Kriegen wir einen Plasmafernseher?", ist alles, was Aaron dazu noch wissen will, der sich bisher nicht dazu bequemt hatte, vom Sessel aufzustehen. „Von mir aus.", murrt Mira, die Augen verdrehend. Daraufhin steht er doch auf und fordert zum Handschlag auf: „Dann sind wir im Geschäft, Miss Kroko." „Erklär mir nur noch, weshalb ihr ständig dieses dämliche Krokodil erwähnt.", verlangt die Agentin daraufhin. „Das ist so üblich bei uns. Wir sind die Ratten, wir spielen für euch jetzt die harmlosen Mäuse und ihr seid die Krokodile, die uns fressen wollen. Klar?" Mira zieht verdreht die Augen, zuckt mit den Schultern, schüttelt den Kopf und macht gleichzeitig eine genervte, aber bestätigende Geste. Das deutet Aaron eindeutig als Zusage und ruft aus: „Super!", und schlägt mit ihr ein, ehe er nachhakt. „Und ich hab' jeden Kanal zur Verfügung, den ich haben will?" „Ahhhrgggh! JA!" Die Generalin muss sich im Hintergrund bemühen, nicht zu lachen, was ihr auch gelingt. Sie will ihre Freundin nicht an die Grenzen treiben und sie erst recht nicht zum Rückzieher animieren.

„Du hast was gemacht?!", fragt Ingon, quer durch den Gemeinschafsraum brüllend, während sie beim Essen zusammensitzen. „Mich breitschlagen lassen, okay? Wenn ich dir was schuldig bin, fragst du mich auch irgendwann mal danach, es zurückzuzahlen, oder nicht, Zwerg?", versucht Mira, die einfach nur mehr genervt und müde von dem Theater ist. „Wir bekommen eine Chance uns zu beweisen, also sollten wir es hinnehmen.", wirft Tiho sanftmütig ein und stellt sich auf Miras Seite, worauf er eigentlich nur gewartet hat. Er möchte sich ihre Sympathie sichern, bevor er sie fragt, was er fragen will. Omo, der sich seinen Zeigefinger in die Ohren gesteckt hat, um keinen Trommelfellschaden durch Ingon bato Uta zu erleiden, zieht diese nun langsam wieder raus, weil er auch die anderen damit nicht mehr deutlich gehört hat und fragt „Sind die beiden wenigstens cool?" „Wenn du damit nervtötend meinst, so wie du es manchmal mit deiner lockeren Art bist, dann ja. Dann sind sie sehr cool.", äußert sich die Dunyoscherin nur beiläufig und lehnt sich zurück, mal wieder keinen Appetit habend. Padme schiebt ihren Teller näher und meint: „Gräm dich doch nicht so. Ist halt jetzt was Persönliches. Du kannst zu mir ins Zimmer ziehen, wenn wir eh noch zwei Betten kriegen und alles ist gut." „Ich werde ein ssssssarfessss Auge auf die beiden haben. Gibt esssss wenigsssssten Anhaltsssssspunkte für diessssse Misssssssion?" „Ja, aber das klären wir erst, wenn wir wieder beim Schiff sind.", beharrt Mira darauf, dass das kein Tischgespräch mehr ist. „Ich übernehme die Überwachung, wenn Taniki die Nase voll hat… sagt man doch so, oder?", meldet sich Mex nun zu Wort und Padme nickt bestätigend. „Und wo sind die beiden?", will der Kater nun wissen und packt seine, wie immer, gute Miene aus. „Die bestellen sich gerade eine Grundausrüstung. Wir können Sie nicht ohne Gepäck mitnehmen… außer es will jemand seine Zahnbürste und den Schlafanzug mit den zwei Meter großen Hünen teilen.", kommentiert Mira, wenigstens zum Besteckt greifend. „Zwei Riesen sind das? Muss ich mich als Zwerg jetzt veralbert fühlen? Du bist mir schon eine.", raunzt Ingon gleich wieder. „Wenn du nicht meckern kannssssst, bisssst du nicht glücklich, wie?", zischelt die Echse nun verärgert. „Ich bin nicht glücklich damit, dass wir diese Ratten jetzt an Bord nehmen müssen.", schnaubt der kurzbeinige Mann mit Bart. „Das hättest du jetzt nicht dazu sagen müssen.", murmelt Padme, was Omo mit einem Nicken quittiert. Da wippt Mex auf ihren zwei Beinen auf und ab und hüpft vergnügt durch die Landschaft: „Die Betten und der Fernseher kommen! Ich mach den Herrschaften mal die Türe auf. Einrichtungswünsche?" „Mach es ihnen nicht zu gemütlich.", verlangt Ingon nun, um zum x-ten Mal seine Meinung zu unterstreichen. Mira seufzt: „Tu, was nötig ist." Daraufhin nickt Mex und ihr Avatar gleich mit und schon läuft sie mit ihren staksigen Schritten davon.

Bereits direkt nach dem Essen begibt sich das restliche Team zum Schiff, wo die Ladung: zwei Betten, ein Fernseher und ein Stapel Kisten, die für Cora und Aaron sind, gerade geliefert wird. Sie alle rüsten hoch, um auf alles vorbereitet zu sein. Taniki geht sogar davon aus, dass die beiden Piraten versuchen würden, die Altairan Rajul T4 zu stehlen, um sich aus dem Staub zu machen.
Weil das wieder Diskussionen auslöst, verzieht sich Mira schließlich schnell vom Laderaum ins Innere des Schiffs und richtet drinnen die Reservebank für die zwei Mitreisenden her, die nun auf die Liebe Maja mitgenommen werden. Ihre Begeisterung lässt immer noch zu wünschen übrig, doch jetzt hat sie Nivida zugesagt und es gibt kein Zurück.
Gerade hat sie die Bank bereitgestellt, als die Debatte draußen lauter wird. Doch die Dunyoscherin hält sich davon fern, auch wenn jedes Wort durch die offene Türe bis zu ihr dringt. Sie versucht eine andere Beschäftigung zu finden. Dabei läuft sie prompt in Tiho rein, den sie nicht kommen gehört hat. „Du sollst dich nicht an mich ranschleichen!", knurrt sie. Der Kater macht eine entschuldigende Geste und erinnert: „Ich heiße nicht umsonst ‚Leise Pfote'." „Ja, ja… stimmt… was gibt's? Du siehst erwartungsvoll aus." „Nun, da gibt es etwas, was ich fragen will… und zwar geht es um …", weiter kommt er nicht, denn da ruft Omo: „Mira, deine Hausgäste sind da!" Daraufhin gib die Angesprochene nur einen Laut der Verzweiflung von sich und meint forsch: „Frag mich später, Tiho…" Dabei geht sie an ihm vorbei und sieht seinen leicht enttäuschen Blick. „Entschuldige… du kannst nichts dafür… aber bitte frag wirklich später, ja?", reißt sie sich zusammen, was der Kater sehr gut aufnimmt, denn er lächelt sofort wieder und nickt. Erst da verlässt Mira nun tatsächlich das Schiff, um Aaron und Cora in Empfang zu nehmen.

Zwanzig Minuten später sitzt die gesamte Mannschaft der ESIO bereit und bewaffnet im Schiff. Mex ist ausnahmsweise mit Mira im Cockpit, während Taniki mit seinem elektro-modifiziertem Kampfstab, Omorfos mit seinem Magierstab und Ingon mit einer ziemlich großen und beängstigenden Handkanone im Passagierbereich sind. Tiho hält es nicht für nötig, seine Waffen sichtbar zu tragen und macht es sich auf seinem Platz in der Sitzreihe gemütlich. Padme ist nur mit einer kleinen Pistole zur Notwehr bewaffnet. Sie ist aus dem Team die einzige, die erst lernen hatte müssen, damit umzugehen, als sie dem Team beigetreten ist. Trotz allem hofft sie immer und immer wieder, dass sie die Handfeuerwaffe niemals brauchen würde.
Cora und Aaron sitzen an der Längsseite im Gang, wo sie alle gut im Auge haben. Die braunhaarige Hünin kaut gelangweilt auf einem Kaugummi herum, während ihr Zwilling neugierig seine neuen Reisegefährten begutachtet. „Kann ich den mal anfassen?", will er von Tanikarataniki wissen, der ihm gegenüber sitzt und deutet auf den Kampfstab. „Für wie blöd hältssssst du mich denn?", fragt eben dieser seinen Schwanz und den Stab gleichzeitig einziehend. „Langweiler.", brummt der Pirat und nun Informant von der ESIO und lehnt sich bequem vor, die Arme auf den Oberschenkeln ablegend.
Aus dem Lautsprecher ist nun Mira zu vernehmen: „Alles bereit?" „Jawohl!", gibt Omo durch, der sich, wie alle anderen, schon angeschnallt hat. „Ich würde lieber selbst fliegen!", vermeldet Aaron und wird mit einem einstimmigen: „Nein!", abgewiesen. „Du hast denen zugesagt. Nicht ich.", erinnert seine Schwester ihn, sich zu ihm rüber beugend. Doch bevor es sich einer der beiden noch einmal überlegen kann, setzt sich das Raumschiff in Bewegung und rollt, wie bei der Landung, durch die Tore der Kuppel hindurch auf die zugewiesene Startbahn. Nur kurze Zeit später gewinnen sie an Geschwindigkeit, heben dann auch schon ab und zischen in Richtung der Raumstation, bei der die LLM 510 geparkt ist. Zweifelnd wirft Mira einen Blick auf die Monitore, die ihr einen Überblick im Passagierbereich verschaffen und seufzt. „Meine Analyse hat ergeben, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast.", erklärt der Roboter, der am Co-Piloten-Stuhl sitzt und somit eigentlich den gesamten restlichen Platz benötigt, der noch verfügbar ist. „Will ich doch hoffen…", kommentiert die Dunyoscherin und versinkt im Schweigen, während Mex sie mit Zahlen, Fakten und Statistiken überschüttet. Alles, was sie sich dazu denkt ist aber nur: „Das wird eine lange, harte Zeit werden…"
Ratten, Mäuse, Krododile… All das wurde bereits einmal erwähnt an diesem Tag und nichts passte für sie. Sie fühlte sich gerade jetzt nämlich eher wie eine Dompteurin im Zirkus und wünscht sich nichts mehr, als dass die Mission nicht im absoluten Desaster endet.