BELLA DONNA

oder Tod einer Diva

Ich hatte den Fall „Madeleine Rouselle" eigentlich schon abgeschlossen, als ich noch ein mal zu dem Ort zurückkehrte, an dem ich meine Ermittlungen, vor gut einer Woche, aufgenommen hatte. Ich kehrte zurück in das kleine Opernhaus. Hier war Madeleine Rouselle, nach einer Probe, an einem Dienstag, in ihrer Garderobe tot aufgefunden worden. Ihre Schwester Babette hatte sofort die Polizei gerufen, als sie ihre ältere Schwester mit einem Messer in der Hand und einer Stichwunde in Herznähe gefunden hatte. Es musste ein großer Schock für Babette gewesen sein, denn als ich sie zum ersten mal traf wirkte sie verstört und abwesend. Ich ging in die besagte Gardarobe und auf den ersten Blick sah alles nach Selbstmord aus, doch mein Gefühl sagte mir, dass es nicht so war. Ich muss wohl alle, die jemals in diesem Opernhaus gewesen waren verhört haben. Doch es führte zu keinem Ergebnis, denn alle hatten ein lupenreines Alibi. Mein Chef sagte mir, ich sollte die Sache endlich zuende bringen. Ich hatte meinen Bericht schon fertig, als mich Phillip, ein langjähriger Freund der Familie, anrief. Ich erzählte ihm von dem Fall, denn er war lange in der Mordkommission tätig gewesen und hatte früher mit meinem Vater zusammengearbeitet. Er war ein gutmütiger Mensch und man konnte auf ihn zählen. Er versprach mir zu kommen und mir bei der Sache zu helfen. Nun öffnete er die große Flügeltür und wir traten zusammen in die Eingangshalle. Ich kannte das kleine Opernhaus mittlerweile schon auswendig und führte Philippe zunächst in die Gardarobe der Operndiva Madeleine Rouselle. Es sah noch genauso aus wie an dem Abend, an dem ich zum ersten Mal hier war. Eigentlich war das kleine Opernhaus immer einladend und freundlich gewesen. Ich kannte es noch aus meiner Kindheit. Mein Vater hatte mich oft in die Oper mitgenommen und obwohl ich nicht viel sah und verstand, liebte ich es. Die schönen Sitze, die eleganten Kronleuchter und natürlich die feinen Damen, in ihren besten Roben, faszinierten mich. Mein Vater war zu seiner Zeit im ganzen Ort nur als Kommissar bekannt gewesen und als ihn immer alle nach dem kleinen Mädchen, mit den blonden Zöpfen und dem schicken Kleidchen fragten, stellte er mich immer stolz als seine kleine Prinzessin Nikoletta vor. Ich mochte es, wie er mich als Prinzessin behandelt hatte. Es machte mich stolz und glücklich. Doch seit ich diesen Fall übernommen hatte konnte ich diesem Haus nichts mehr abgewinnen. Es wirkte kalt und hatte seine Anziehungskraft von früher verloren. „Sag mal, hast du eigentlich eine Obduktion an der Leiche vornehmen lassen?" fragte mich Phillip und wies mich auf die wenigen Blutflecke auf dem Fußboden hin. Ich gab Philip den Obduktionsbericht. „Es wurden Spuren von Atropin gefunden" sagte Phillip und setzte seine typische Denkermine auf. Ich kannte sie und wusste, das sein Interesse geweckt war. „Ich weiß, die stammen von den Augentropfen, die sie verschrieben bekommen hatte, doch das war nicht die Todesursache. Sie ist an Herzversagen aufgrund des  Messerstiches gestorben." Erklärte ich und leierte schließlich fast den gesamten Obduktionsbericht herunter. Phillip schien die Sache nicht zu überzeugen. Ich konnte mir irgendwie auch nicht vorstellen, dass Madleine Rouselle tatsächlich an diesem Messerstich gestorben sein sollte., doch zu diesem Zeitpunk war es die einzig logische Erklärung. Plötzlich waren Schritte zu hören und ich begab mich aus dem Zimmer. Ich konnte niemanden sehen, doch ich wollte der Sache auf den Grund gehen.  Ich bat Phillip mich in den Keller des Opernhauses zu begleiten, denn die Schritte entfernten sich und es gab nur einen Weg und der führte nun mal nach unten. Also stiegen wir die Treppen hinunter und fanden uns schließlich in einem Gewirr aus Gängen wieder. Die majestätische Atmosphäre, die man trotz allem in der Eingangshalle des kleinen Opernhauses noch spüren konnte, war hier unten nun gänzlich verschwunden. Ich war bestimmt schon an weniger sicheren Orten gewesen, doch hatte ich noch nie solche Angst gehabt. Phillip musste es spüren, denn er sah mich mit einem wissenden Blick an. Ich versuchte zu lächeln, doch es gelang mir nicht. Die Kulissen, die hier unten herumstanden wirkten bizarr und schienen nur da zu sein, um mir Angst einzujagen. Wir kamen ans Ende des Ganges und nun mussten Phillip du ich uns trennen. Ich hatte ein mehr als ungutes Gefühl und als ich plötzlich ein Klavier hörte geriet ich fast in Panik. Wer konnte das nur sein? Meine Neugier kämpfte mit meiner Angst und gewann schließlich. Ich folgte den Klaviertönen. Je näher ich kam, desto mehr beschlich mich ein ungutes Gefühl. Es war keine Angst, doch was war es dann? Eine Vorahnung? Ich bog um eine Ecke und schrie vor Schreck und Entsetzten. Luc, der alte bucklige Hausmeister, war plötzlich aus einer Tür gesprungen und hatte ein Messer in der Hand.

Er sah mich verblüfft an. „Oh Madam Lacont...Entschuldigung" stammelte er. „Ich, ich wollte sie wirklich nicht erschrecken, aber seit der Sache mit der Diva." Ich hatte mich schnell wieder beruhigt und sah nun Luc mit einem Lächeln an. „Schon gut, aber Luc, was wollten sie denn mit dem Messer?" fragte ich, obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, dass Luc überhaupt mit diesem Ding umgehen konnte. Er war ebenfalls ein gutmütiger und freundlicher Mann, jedoch redete er nicht viel. „Mich schützen Madam" antwortete er, als ob es selbstverständlich wäre. „Dann glauben sie nicht, dass Madeleine Rouselle Selbstmord begangen hat?" fragte ich instinktiv, „Nun, ich denke sie kennen sich damit besser aus, aber..." Er verstummte und ich beließ es dabei und fragte nicht weiter nach. „Sie war immer so freundlich gewesen, wenn ich ihr die Kirschen brachte, aber ihre Schwester hat es mir schließlich verboten und es lieber selbst gemacht. Sie ist eine gemeine Frau" fing Luc plötzlich an zu erzählen. Ich ließ ihn reden, denn einige Dinge über die Rouselle-Schwestern waren mir neu. „Sie hat immer vor der Probe Kirschen gegessen?" fragte ich schließlich, denn etwas sagte mir, das ich wohl etwas übersehen hatte. Ich ging mit Luc zurück durch die Gänge, die mir immer noch ein bisschen merkwürdig vorkamen und fand schließlich Phillip im Orchestergraben. Da fiel mir das Klavier wieder ein, das ich bei der ganzen Aufregung vergessen hatte. Es war verstummt, doch ich hatte die Melodie noch in den Ohren, so als hätte sie sich festgesetzt. Ich rannte durch die Kellerräume, doch nirgends war nun noch ein Klavier zu hören. Als ich stehen geblieben war holten mich Phillip und Luc ein und fragten mich nach dem Grund meines plötzlichen Davonlaufens. Ich erzählte ihnen von dem Klavier und Luc lief rot an. „Äh, das war ich" entschuldigte er sich und ich erfuhr, dass er heimlich immer auf dem alten Klavier im Instrumentenraum spielte. Trotzdem wusste ich , das meine Suche noch nicht abgeschlossen war. Phillip und ich verabschiedeten uns von Luc und stiegen die Treppen, zur Gardarobe der Diva, empor. Die weißen Marmorstufen schienen ihre Reinheit verloren zu haben und die goldene Griffleiste schien nur noch halb so viel zu glänzen. Als wir uns dem Zimmer näherten hörte ich eine Stimme daraus. Ich öffnete die Tür und fand Babette Rouselle. Sie machte ein überraschtes und zugleich entsetztes Gesicht. Anscheinend hatte sie nach etwas gesucht, denn der kleine Papierkorb war ausgekippt und sie hatte Gummihandschuhe an. Eins war sicher, Babette Rouselle war nicht so unschuldig wie sie tat. „Suchen sie das hier?" fragte Phillip und holte eine kleine Plastiktüte aus der Innentasche seines Jacketts. „Eine zermatschte Kirsche? Phillip, was hat das zu bedeuten?" fragte ich und riss Phillip die Tüte aus der Hand. Ich begriff nur langsam, was sollte diese Kirsche mit meinem Fall zu tun haben? „Das ist keine normale Kirsche. Es ist eine Tollkirsche. „Verdammt" fluchte Babette leise, doch ich hörte es. In meinem Kopf arbeitete es. Die Puzzleteile fügten sich zusammen. „Babette Rouselle, hiermit verhafte ich sie, wegen vorsätzlichen Mordes an ihrer Schwester Madeleine Rouselle" sprudelte es aus mir heraus und ich verhaftete Babette.

Später war der Fall unter dem Namen „Bella Donna" bekannt geworden. Nach dem lateinischen Namen der Tollkirsche ,Atropa bella-donna'. Madeleine Rouselle was nicht an dem Messerstich, sondern an der Vergiftung durch Atropin, dem Gift der Tollkirsche gestorben. Babette gestand schließlich ihrer Schwester bewusst Tollkirschen gegeben zu haben, die sich kaum von den Kirschen unterschieden, die Madeleine sonst immer aß. Diese starb nach einiger Zeit an Herzversagen. Da Madleine Augentropfen einnahm dachte Babette, es würde niemandem auffallen. Babette wollte es wie Selbstmord aussehen lassen und erstach Madleine zusätzlich . An dem Abend, an dem ich mit Phillip noch einmal ins Opernhaus gegangen war, wollte sie sichergehen, das auch wirklich alle Beiweise fehlten. Das Motiv war blanke Eifersucht. Madeleine war beliebt und bekannt und Babette war nur die unscheinbare Hobbybiologin, die immer im Schatten der großen Schwester stand. Nach diesem Fall war mir die Lust auf Kirschen oder Oper vergangen. Nie wieder besuchte ich das kleine, unschuldig wirkende Opernhaus, das noch viele Diven kommen und gehen sah.

Anmerkung: Haha, alle Personen, Orte usw. gehören mir!!! Diese Geschichte war eine Hausaufgabe und in diesem Zusammenhang möchte ich mich noch einmal bei meinem ehemaligen Biolehrer Herrn Gleibler bedanken, der mir bei der Suche nach dem perfekten Gift geholfen hat. Dankeschön, sie haben mir ne 1 eingebracht. Außerdem möchte ich meinen Klassenkameraden danken, die damals so aufmerksam zugehört haben, das war echt ne Ehre *ggg*.