Just Monday

„Piep...piep...piep“ Auf die grausamste Weise werde ich aus meinem wunderschönen Traum gerissen. Blind greife ich nach dem Wecker und schalte ihn aus. Montag! Wer auch immer diesen verdammten Tag erfunden hat, sollte verklagt werden! Langsam, sehr langsam quäle ich mich aus dem Bett. Wo sind die dämlichen Hausschuhe? Jeden morgen friere ich mir fast die Füße ab, weil meine Hausschuhe irgendwo im Zimmer rumliegen. Aber wenigstens wird man von der Sucherei wach. Der Weg über den Flur ist immer ein Kampf mit mir selbst. Schau ich nun in den Spiegel, oder nicht? Ich tue es und bereue es sofort. Schrecklich, ich sehe aus, als wäre ich gerade einem Horrorfilm entsprungen. Endlich in der Küche angekommen muss ich auch schon die nervenzerreibende Stimme meiner Mutter hören. Jeden Morgen trällert sie ausgelassen irgend ein dämliches Lied und jeden Morgen bekommt sie einen bösen Blick von mir dafür. Gelangweilt löffle ich meine Cornflakes und warte bis mein Vater endlich das Bad frei macht. OK, jetzt gilt es die schwierigste Frage des ganzen Tages zu beantworten, was ziehe ich an? Endlich passend gekleidet kommt das nächste Problem, die Haare. Ohne Fön, Haarschaum- und spray, wäre ich aufgeschmissen. Endlich fit für den Schultag, stelle ich fest, das meine Tasche noch nicht gepackt ist. Schnell spurte ich in mein Zimmer und kralle mir wahllos die Bücher, die in Pyramidenform auf meinem Schreibtisch lagern. Noch ein letzter Sprint in die Küche, das Essen einpacken und ja, wie aufs Stichwort läutet die Klingel. Jenny ist da! Nachdem ich es endlich geschafft hab meine Schuhe und die Jacke anzuziehen machen wir uns auf den wichtigsten Weg des Tages, zum Bäcker. Ich habe in der ganzen Zeit, in der mich Jenny früh abholt noch nie erlebt, dass sie ihr eigenes Essen mit hat! Sobald wir uns mit genügend Zuckerkram eingedeckt haben gehen wir in Richtung Irrenhaus, dass einige auch Schule nennen. Gleich am Eingang werden wir von ein paar sehr ‚netten’ Lehrern begrüßt, die ausflippen, wenn man nicht guten Morgen sagt, es selber aber nicht für nötig halten einen überhaupt anzugucken. Schnell renn ich zu meinem Schließfach und bringe meine Jacke weg, bevor ich einen Blick auf den Stundenplan riskiere. Oh nein, Physik. Ich hasse Physik, dieses Fach ist so sinnlos. Wen interessiert es, wie ein Fernsehbildröhre funktionier? Hauptsache ist doch das sie funktioniert! Während unsere Lehrerin einen spannenden Vortrag über Elektronen, Ionen und Positronen hält, schweife ich ab in die wunderbare Welt des Wachschlafes, so wie ungefähr 2/3 der Klasse mit mir. Endlich klingelt es und ich folge meiner Klasse zum Matheunterricht. Wie fast jedes mal, wenn wir Mathe haben fragt mich Kevin, ob er die Mathehausaufgaben abschreiben kann, obwohl er doch so ein Mathegenie ist. Ach ja, Mathe, es könnte so schön sein, gäbe es Frau Müller nicht! Wenigstens hat sie mich in die letzte Reihe gesetzt, da kann ich zu mindest ungestört mit Niek über sie lästern. Sie ist dünn wie eine Bohnenstange und hat ein Gesicht wie ein Breitmaulfrosch und ich hab immer noch nicht rausgefunden, ob das auf ihrem Kopf Haare sind oder ein Vogelnest. Wie jede Stunde schnappt sie sich das hässliche, rosa Klassenbuch und wählt ihr Opfer. Natürlich bin ich der festen Überzeugung, dass ich nicht dran komme, weil ich in Mathe auf zwei stehe, aber wie das Leben so spielt, wird ausgerechnet mein Name gesagt. „Verdammt“ denke ich mir und gehe nach vorne an die Tafel. Ich schwöre, falls jemand mir die Notwendigkeit des Sinussatzes erklären kann, dann erhält er von mir den Nobelpreis. Es ist grade mal halb neun und es ist Montag, wieso um Himmels Willen muss ich diese bescheuerte Formel können? Gott sei dank kann mich Frau Müller einigermaßen gut leiden und gibt mir noch ne 2. Auf dem Rückweg zu meinem Platz schnapp ich ein paar Worte auf „...Siehst du, die kriegt wieder ne 2, dass ist total ungerecht...“ „Ungerecht ist es, dass du immer noch in meiner Klasse bist“ denke ich mir und setze mich entnervt auf meinen Platz. Endlich, endlich ist große Pause. Das alltägliche Katz und Maus Spiel zwischen Aufsichtsschülern und normalen Menschen beginnt. „Raus, es ist große Pause!“ „Aber es regnet!“ „Na und, ihr seid nicht aus Zucker! Und wenn ihr noch weiter diskutiert, dann hol ich...“ Bevor wir erfahren welchen Lehrer wir gleich auf dem Hals haben sind wir schon verschwunden. „Was haben wir jetzt überhaupt?“ frage ich in die Runde. „Latein, hast du Vokabeln gelernt.“ „Oh oh, ich wusste das ich was vergessen hatte.“ Wieso, muss Herr Meier unbedingt heute schreiben, ausgerechnet heute? Verzweifelt auf ein Wunder hoffend betrete ich den Lateinraum. „Bitte, lass ihn die Arbeiten vergessen haben!“ bete ich, doch Fehlanzeige. Herr Meier teilt unbarmherzig die Blätter aus. Oh nein, er hat in Gruppen unterteilt. Unsicher, ob ich diese Stunde überleben werde, starre ich auf mein Blatt, wie ein Schwein ins Uhrwerk. Wieso müssen sich diese dämlichen Vokabeln alle gleich anhören?

Frustriert mache ich mich schließlich auf in den Geschichtsunterricht. Ich hab nichts gegen Geschichte, nein ehrlich, ich mag es. Ich kann bloß Herrn Schulzes Unterricht nicht ausstehen. Es ist so langweilig, das selbst der begeistertste Historiker ins Wachkoma fallen würde. Am besten ist es, wenn man so tut als würde man aufpassen und ab und zu mal ne richtige Antwort gibt, die aber bitte keine eigene Meinung enthalten sollte. Kurz vor Stundenende riskiere ich einen Blick auf meinen Stundenplan. Oh nein, zwei Stunden bei meiner Klassenlehrerin, Frau Kunze. Warum, musste ausgerechnet ich diese...Person als Klassenleiterin bekommen? Doch bevor wir uns in die Höhle des Löwen begeben ist die zweite große Pause angesagt. Betrübt stelle ich fest, dass ich nichts mehr zu essen habe und gehe hungrig nach draußen. Gefährliche Kombination, ich habe Hunger und mir stehen zwei Stunden Kunze bevor! Sie unterrichtet uns in Deutsch und Französisch und jedes mal fragt sie uns: „Und, mit welcher Fremdsprache fangen wir an?“ Eine Frage, wieso nennt sich das Muttersprache, wenn Deutsch ne Fremdsprache sein soll? Sie behauptet immer, das sie jeden von uns beweisen könnte, wie fremd uns unsere Sprache doch sei, aber dabei haut sie selbst immer gnadenlos Deutsch und Französisch durcheinander. In Deutsch beschäftigen wir uns mit einer Novelle von Gottfried Keller : Romeo & Julia auf dem Dorfe. Ich weiß nicht was mich dazu getrieben hat, aber ich habe dieses Buch tatsächlich gelesen. Ich hasse Gottfried Keller. Meiner Meinung nach schreibt er nicht besonders gut. Erst mal wären da diese ewiglangen Schachtelsätze. Er schreibt eine Seite und das ist alles ein Satz und dann verlangt er, dass man das versteht? ! Ich bin Weißgott kein Kulturmuffel, aber mit diesem Typ kann ich absolut nichts anfangen. Und dann diese kläglichen Versuche unserer Lehrerin irgendwelche Symbole für irgendwelchen Mist, in irgendwelchen Steinen zu suchen. Ich weiß warum es in der Schule keine Literatur gibt, die jünger als 100 Jahre ist. Die Lösung ist ganz einfach. Weil die Lehrer die Bücher dann lesen müssten! So können sie ihre Aufzeichnungen aus ihrer Schulzeit noch benutzen!

Endlich sind die zwei Stunden um und wieder einmal ist das seltene Naturschauspiel vorbei. In keiner anderen Stunde gucken alle gemeinsam auf ihre Uhren und sehnen sich danach, das diese 45 Minuten doch schneller vorbeigingen.

Wie könnte man einen Montag in der Schule schöner ausklingen lassen als mit einer Stunde bei Frau Kuhn? Ich weiß nicht, wer dieser Frau erlaubt hat zu unterrichten, aber derjenige gehört auf jeden Fall verboten. Die Stunden bei Frau Kuhn sind für beide Seiten die schlimmsten der ganzen Woche. Diese Frau hat so viel Ahnung von Jugendlichen, wie ich von einer Elektronenstrahlröhre. Ich weiß nicht wie oft sie uns nun schon umgesetzt hat, bei 50 hab ich aufgehört zu zählen. Sie versucht krampfhaft ihren merkwürdigen Sitzplan durchzusetzen, den keiner, manchmal nicht mal sie, versteht. Sie scheint irgendwie nicht begreifen zu wollen, das nicht jeder Sitzplan auf jeden Raum anwendbar ist, da die Tische überall anders stehen. Nachdem wir nun alle unsere Plätze gefunden haben klingelt es auch schon wieder und ein weiterer überflüssiger Montag ist vorüber.

Erleichtert schlendere ich nach hause, wo mein Vater mich schon zum Mittagessen erwartet. Wie jeden Tag fragt er mich: „Und, wie war die Schule?“ und wie jeden Tag antworte ich: „So wie immer!“



Anmerkung: Die Namen der Lehrer wurden von mir geändert, weil ich nicht riskieren will von dieser wunderbaren Schule zu fliegen *ggg*