KAPITEL 6

Mark erwachte von dem ungewohnten Geräusch, dass fast direkt neben ihm erklang. Als seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten erkannte er Fox, die auf dem Boden kauerte und weinte. Neben ihr lag ein entsicherter Revolver. Mark wusste nur allzu gut, was sie damit vorgehabt hatte und er war froh, dass sie ihre Absicht nicht verwirklicht hatte. Er stemmte sich in die Höhe und griff nach dem Revolver. Nachdem er ihn wieder gesichert hatte, legte er ihn vorsichtig auf den Tisch und trat zu Fox heran. Er wollte ihr den Arm um die Schulter legen, verharrte jedoch mitten in der Bewegung, da er nicht wusste, wie sie darauf reagieren würde.

"Shhh...es wird alles gut.", meinte er tröstend, auch wenn er nicht wusste, wie das alles enden würde. Als Polizist war es seine Pflicht Fox auf der Stelle zu verhaften doch etwas in ihm sträubte sich dagegen und auch der Schlaf hatte nicht die ersehnten Antworten auf sein Problem gebracht.

"Red nicht so einen Unsinn. Nichts ist gut und das wird es auch nicht werden!", meinte Fox, als sie sich wieder einigermaßen gefasst hatte. Sie klang resigniert und schien alle Hoffnung verloren zu haben. "Ich hätte dich töten sollen. Doch nicht einmal das kann ich noch!" Es klang bitter und Mark musste schlucken.

"Fox! Hör zu, du darfst jetzt nicht aufgeben. Es gibt immer eine Lösung."

"Dann solltest du mich jetzt verhaften. Das ist die einzige Lösung die ich sehe."

Damit hatte sie natürlich Recht, doch es musste auch anders gehen! Mark kannte Fox noch nicht sehr lange und ein anderer hätte ihn sicher für verrückt erklärt – er hielt sich ja selbst für verrückt – doch er wusste, dass er Fox auf keinen Fall der Polizei ausliefern würde. Ob es nun Liebe oder etwas anderes war, wusste er nicht, doch es fühlte sich einfach nicht richtig an und nun, da er die Entscheidung getroffen hatte, würde auch keiner mehr etwas daran ändern.

"Das kann ich nicht und das weißt du.", meinte Mark nur. "Aber du kannst mir helfen, die wahren Mörder zu finden, diejenigen die dir die Aufträge gegeben haben. Danach sehen wir weiter."

"Ich kenne die Männer nicht. Es läuft immer auf die gleiche Weise ab: Ich bekomme Informationen, die in einem geheimen Schließfach für mich hinterlassen werden. Bilder und sonstiges, was nützlich sein könnte. Ein Teil der Bezahlung wird auf ein geheimes Konto überwiesen und nach Erledigung des Auftrags der Rest. Die Kunden bleiben immer verdeckt, keiner kennt sie. Und keiner fragt nach ihnen.", erklärte Fox.

"Hast du bereits einen neuen...Auftrag?", fragte Mark und kam sich seltsam dabei vor. Er sprach mit einer professionellen Killerin und doch wollte er ihr helfen aus Gründen über die er sich selbst nicht im Klaren war.

Fox nickte. Sie stand auf und ging zum Schrank, aus dem sie ein braunes Kuvert herausholte. Als sie es Mark reichte fielen bereits einige Bilder heraus. Mark nahm eines von ihnen und betrachtete den Mann darauf.

"Wer ist das?"

Fox zuckte nur mit der Schulter. "Ihm gehört ein Kaufhaus, das ist alles was ich über ihn weiß. Ich bin noch nicht dazu gekommen, die Informationen auszuwerten, die ich über ihn gefunden habe." Sie reichte ihm die Zettel, die sie vorher ausgedruckt hatte und Mark warf einen kurzen Blick darauf.

"Es wird nicht schwer sein, das herauszufinden. Und du weißt ganz sicher nicht, wer dir diesen Auftrag gegeben hat?", versicherte er sich erneut. Fox schüttelte den Kopf. Mark seufzte.

"Der Auftrag muss bis übermorgen erledigt sein. Wenn das nicht geschieht, bekomme ich Probleme, und dann werden sie herausfinden, dass ich dir geholfen habe.", bemerkte Fox nach einer Weile.

"Mach dir keine Sorgen, dir wird nichts geschehen." Auf diese Antwort erntete Mark nur spöttisches Gelächter.

"Sei nicht so naiv! Auch wenn du hinter dem ganzen kein System erkennen kannst, ich arbeite nicht allein. Es gibt immer jemanden, der über einem steht und diesen Leuten gefällt es gar nicht, wenn man ihnen in die Quere kommt. Es sind schon mehr Killer gestorben, als du es dir vorstellen kannst und nicht viele haben so sehr gegen die Regeln verstoßen wie ich gerade. Und glaub mir: es ist wirklich nicht leicht, lebend davonzukommen. Vor allem weil du nie weißt, wer dich gerade jagt.", erklärte sie und tigerte dabei im Zimmer umher.

"Ich kann die beschützen..."

"Und wie? Du kannst ihnen nicht sagen, dass ich die Killerin bin, da könntest du mich genauso gut gleich jetzt verhaften. Und als Augenzeugin kann ich mich auch nicht ausgeben, denn es gab keine Zeugen, das weiß die Polizei genauso gut wie ich. Und einfach so werden mich deine Kollegen wohl kaum beschützen."

Natürlich hatte Fox auch in diesen Punkten Recht. Mark seufzte. Es musste doch...plötzlich kam ihm eine Idee. Er griff zum Telefon und wählte eine Nummer.

"Toni? Ich bin's, Mark...ich weiß wie spät es ist...hör zu, dafür ist jetzt keine Zeit. Ich brauche deine Hilfe...am besten du kommst hierher...die Adresse lautet..."

Eine halbe Stunde später klingelte es an der Tür. Mark öffnete, sah sich kurz um und zog dann seinen Partner herein, der schlechtgelaunt und noch immer müde draußen stand. Mark führte ihn ins Wohnzimmer, wo Fox auf dem Sofa saß und die beiden Polizisten misstrauisch beobachtete. Sie wusste nicht, was Mark vorhatte und der Gedanke einen weiteren Polizisten – selbst wenn es sein Partner war – einzuweihen, gefiel ihr nicht. Aber immer noch besser, als gleich im Gefängnis zu landen.

"Was soll das Mark? Deine neue Freundin hättest du mir auch ein andermal vorstellen können!", meinte Toni, der noch immer nicht wusste, worum es überhaupt ging.

"Sei still und setzt dich hin Toni. Es ist sehr wichtig, dass du mir jetzt genau zuhörst, okay?", meinte Mark. Er wollte nicht unfreundlich klingen, doch nun, da er einen Plan hatte, hatte er einfach keine Geduld mehr. Er wollte, dass alles so schnell wie möglich in die Wege geleitet wurde. Toni kannte seinen Partner gut genug um zu wissen, dass es ihm sehr ernst war und dass es um etwas wichtiges ging. Also setzte er sich auf einen Sessel und hörte zu.

"Bist du verrückt geworden, Mark?!", rief Toni und tigerte hin und her. Er betrachtete Fox erneut und schüttelte den Kopf. Sie war hübsch, ohne Zweifel, aber das war noch kein Grund Kopf und Kragen für sie zu riskieren, zumal es sich auch noch um eine gesuchte, hochgefährliche Kriminelle handelte. Er hatte schon immer gewusst, dass sein Partner verrückt war, jetzt hatte er den Beweis.

"Komm schon, Toni! Du darfst mich jetzt nicht im Stich lassen. Und wenn es gelingt, dann haben wir nicht nur die Killerin, sondern auch die Hintermänner." Er warf Fox einen Blick zu. "Wobei wir dann natürlich auf die Killerin verzichten können...", fügte er leiser hinzu. "Nur du hast die Verbindungen und Kontakte. Du bist unsere einzige Chance."

"Ja, ja, das darf ich mir ständig anhören." Toni seufzte und blieb endlich am Fenster stehen. "Das ist ein bescheuerter Plan, das kann ich dir sagen. Und normalerweise würde ich so etwas niemals gutheißen... aber du bist nun mal mein Partner und wenn ich in Schwierigkeiten wäre, würdest du mir auch helfen. Also habe ich wohl keine Wahl, oder?", meinte er schließlich.

"Danke, Toni."

"Ja, ja. Ich würde ja jetzt sagen 'nicht der Rede wert' aber das ist leider nicht so. Na schön. Woran genau hast du gedacht?", fragte Toni resigniert.

"Versteckt, so dass sie keiner findet. Nicht allzu weit von hier. Bis übermorgen ist sie noch sicher, doch danach wissen wir nicht, mit wem wir zu rechnen haben. Und keiner darf davon wissen, verstanden?"

Toni nickte. "Das lässt sich einrichten. Ich sage dir dann Bescheid, wenn ich etwas passendes gefunden habe." Er machte sich auf den Weg zur Türe. "Wirst du heute zur Arbeit kommen?" Mark schüttelte den Kopf. "Habe ich mir schon gedacht. Na dann. Seid vorsichtig." Damit verschwand er nach draußen.

"Können wir ihm wirklich trauen?", frage Fox vorsichtig, als Mark gedankenverloren vor ihr saß.

"Keine Sorge, er ist ein guter Freund. Mit ihm werden wir keine Probleme haben. Im Gegensatz zu anderen..."

Es war draußen bereits hell geworden, als Toni gegangen war. Nun saßen Fox und Mark noch immer im Wohnzimmer ohne zu sprechen. Schließlich hielt Mark es nicht mehr aus.

"Darf ich dich fragen, wie du zu diesem...ungewöhnlichen Beruf gekommen bist?", fragte er nach einer Weile. Fox reagierte nicht und Mark war schon dabei aufzugeben auf eine Antwort zu hoffen.

"Es ist das einzige, was ich kann.", meinte Fox schließlich.

"Das glaube ich nicht. Es gibt bestimmt vieles, was du machen kannst. Vielleicht glaubst du das wirklich, oder jemand hat es dir gründlich eingeredet, aber es gibt immer mehr. Und es kann wohl kaum dein Traumberuf sein, Menschen für Geld zu töten."

Fox erinnerte sich an ihre Unterhaltung mit Selena und sie seufzte wie schon so oft an diesem Tag. Sie wusste noch immer nicht, warum sie das alles überhaupt tat. Mark hatte natürlich Recht, es musste noch anderes geben als das ständige Töten. Vermutlich hatte sie nur nie den Mut und das Verlangen gehabt, etwas anderes auszuprobieren. Vermutlich würde sie auch nicht mehr die Gelegenheit dazu bekommen.

Plötzlich klingelte das Telefon. Mark hob ab und lauschte angestrengt. "Danke, Toni. Ich schulde dir was.", meinte er dann und legte den Hörer zurück. "Das war Toni, er hat etwas gefunden. Noch weiß keiner davon, hoffen wir, dass es auch so bleibt." Fox nickte. Vielleicht war es gar nicht so eine schlechte Idee für einige Tage zu verschwinden. Hier in der Stadt hatte sie sowieso keine Chance, man würde sie finden, egal wo sie sich aufhielt. Vielleicht gab es ja doch eine Möglichkeit den Killern zu entfliehen. Fox musste plötzlich lachen, doch gleichzeitig kroch Angst in ihr hoch. .

In weniger als zwei Tagen würde die Jägerin selbst zur Gejagten werden.

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Hmmm. Ich bin nicht wirklich zufrieden mit der Story, aber ich hoffe, dass ich sie trotzdem zu einem annehmbaren Ende bringe! Aber noch nicht zu bald, ein paar Ideen habe ich noch (hoffe ich doch *g*). Danke jedenfalls für die Reviews!