Eine Juliimpression –

ein Jahr später

Die Sonne scheint grün in den Bäumen.

Noch immer ist der Himmel bedeckt.

Es fühlt sich viel wärmer an als 19 Grad Celsius.

Vier Personen warten auf den Bus, der diesmal pünktlich ist – fast.

Eine alte Frau vertut sich in der Zeit und sieht in der falschen Spalte nach.

Ein Missverständnis. Verlegenes Gelächter.

Fahre sechs Stationen mit dem miefenden Bus.

Es gibt keine Fenster. Warum nicht?

Alle schweigen.

Ein älteres Ehepaar rennt hinkend zum Bus.

Gerade noch bekommen. Der Fahrer lacht.

U-Bahn.

Ein Mann zündet sich eine Lucky Strike an, obwohl Rauchen untersagt ist.

Warum haben dann die Mülleimer alle Aschenbecher?

Alle schweigen.

Fahre mit der U-Bahn zwei Stationen.

Ein Berliner hat das gelbe Trikot in der 7. Etappe gewonnen.

Freude.

Oder doch nicht?

Eine Handvoll kleiner Jungs – Hertha BSC-Fans – spielen Wrestling auf den hinteren Sitzen.

Der Zug schaukelt.

Menschen gucken empört drein.

Diesmal mache ich dir Tür mit nur einer Hand auf.

Die Rolltreppe ist gesperrt.

Ich gehe die Stufen hoch – ich versuche öfters Treppen zu steigen.

Es ist warm draußen. Oder bin ich nur erhitzt?

Eine große Blondine raucht eine Zigarette

Und geht in das Sonnenstudio hinein.

Sie wirft die vollständige Zigarette auf den Gehweg.

Links von ihr hängt ein Mülleimer mit Aufschrift:

Geben Sie Ihrer Kippe ein Zuhause.

Danke, BSR.

Ein dicker Mann telefoniert durch sein Handy während er Rad fährt.

Ich komme an einen penetrant riechenden Bäckerladen vorbei.

Das alte Haus an der Straßenabzweigung hat sehr schöne Erker.

Welcher Stil das wohl sein mag?

Ich schweige.

Jemand öffnet mir unten die Tür. Glück gehabt.

Der junge Kerl im Fahrstuhl hat nicht Tschüß gesagt.

Ich warte zehn Minuten und sehe mir die Straße vom fünften Stock aus an.

Auf dem Rückweg.

Mein Walkman funktioniert nicht.

Die Batterie ist leer.

Dabei wollte ich unbedingt Kid Rock hören. Das Lied, bei dem man immer so gut mitsingen kann.

Das Lied von Janine.

Die Bahn fährt gerade weg.

Sechs Minuten später kommt die nächste.

Eine Frau füttert ihr Kind mit Salzstangen.

Das Kind will nicht und schreit stattdessen aus vollem Halse.

Schon wieder werfen Menschen Seitenblicke.

Diesmal fahre ich mit der Rolltreppe, denn jemand anders hat sie bereits zum Laufen gebracht.

Wozu also die Energieverschwendung?

Es ist Sonntag, der 15. Juli 2001.

Ein riesiges Plakat schreit mir entgegen:

Das Leben ist nicht freudlos.