Okay, hier mal eine...uhm, selbsterfundene Geschichte von mir^^ Liest wahrscheinlich eh keiner, aber einen Versuch ist es wert. Also, das ist eigentlich so ein Mix aus Science-Fiction/Fantasy/Adventure, ich tu's aber mal in die Kategorie Fantasy. Wenn's überhaupt nicht passt, könnr ihr mir das ja sagen :P

So, dann mal viel Spaß, und sagt mir auch, was ihr denkt!!


Silver - Kämpfe für deinen Traum

by Andrea Göppel

a.k.a Kaeera

1.Kapitel: Einsamer Kampf

Der Himmel war dunkel, ein grauverhangenes Etwas, das drohend über ihren Köpfen dahinzog, kriechend, die richtige Untermalung für das düstere Szenario, in dem sie sich befanden. Der Boden war karg, kaltes Gestein, manchmal Flecken darauf, dunkelrot, getrocknetes Blut.
Silver schlich vorsichtig durch den Graben und sog das alles in sich auf, aber es erschreckte sie nicht mehr. In den letzten Monaten hatte sie schon zuviel gesehen und erlebt. Ihre Gefühle waren abgestumpft, ihr stummes Entsetzen hatte sich in resignierte Hilflosigkeit umgewandelt. Trotzdem gab sie nicht auf. Sie ging gebückt durch den Graben, ihr silbernes Haar verklebt von Dreck und Blut. Eine lange Schramme zog sich über die linke Seite ihres Gesichts hinweg, und ihr T-Shirt war schweißgetränkt. Mit der rechten Hand hielt sie fest die Waffe umklammert, wohl wissend, das hinter jeder Ecke erneut der Tod lauern konnte. Plötzlich blieb sie stehen und lauschte.

Der Tiefflieger flog fast lautlos, aber sie hatte ihn dennoch bemerkt. Schnell warf sie sich in den Schlamm, verzweifelt hoffend, dass er sie übersah und weiterflog. Das Kundschafterschiff drehte eine große Kurve über dem Graben, schwenkte einmal herum...und flog weiter. Silver atmete erleichtert auf. Wie sie diese Feldeinsätze hasste! Jedesmal ein Kampf um Leben und Tod...

Auf einmal kam das Kundschafterschiff zurück und feuerte auf sie, aus allen Rohren! Aber...sie waren doch vorbei geflogen! Silver kauerte sich zusammen und machte sich so klein wie möglich. Um sie herum schlugen Querschläger und Splitter ein, brannten große Löcher in den teilweise matschigen Boden. Ein Laserstrahl traf sie an ihrer Schulter, sie konnte sich gerade noch einen schmerzerfüllten Aufschrei verkneifen. Eigentlich müsste sie Schmerz ja inzwischen gewohnt sein, aber es tat jedesmal auf das Gleiche weh.
Das Raumschiff drehte noch einmal eine Kurve und kam direkt auf das große Mädchen zugeflogen. Diese wusste, dass sie keine Chance hatte, bliebe sie am selben Ort, deshalb sprang sie auf und sprintete so schnell sie konnte über das Feld. Es war ein Rennen um Leben und Tod. Erreichte sie die Felswand rechtzeitig, wäre sie in Sicherheit. Wenn nicht....dann würde sie wohl ihren nächsten Geburtstag nicht mehr erleben.

Die Schüsse trafen um sie herum in den Boden, ließen den Schlamm explodieren. Bald sah sahen ihre Haare nicht mehr Silber/Weiß aus, sondern braun und matschig. ihr Atem rasselte, als sie ihr letztes gab, die Augen auf die Felswand fixiert und nicht nach hinten schauend. Sie erinnerte sich an den alten Lehrsatz: "Wer nach hinten schaut, der hat verloren.", und befolgte diesen auf's genaueste. Nur noch Zehn Meter.....nur noch neun....ein Laser traf ganz dicht neben ihrem rechten Fuß ein, der Matsch verzischte dampfend und Silver lief im Hakenlauf weiter.

Die Motoren des Gleiters heulten, doch er schaffte es nicht mehr. Das Mädchen verschwand in der Felswand, irgendwo in den zahlreichen Höhlen, wo ein Raumschiff nicht hinkonnte.

Ihr Atem ging schnell und unregelmäßig, als sie sich an die Wand drückte und verängstigt abwartete. Sie konnte jetzt nur hoffen, dass die Männer in dem Gleiter zu faul waren, um auszusteigen und sie per Hand zu erledigen. Über ihrem Kopf zogen sich die Wolken zusammen, drohende Gebilde, die die Angst und Anspannung des Mädchens zu untermalen schienen. Silver dachte an ihre Freunde, und an die Aufgabe, die sie zu erfüllen hatte. Sie wusste, dass sie nicht zu lange hier im Feld bleiben konnte. Erstens musste sie innerhalb der nächsten zwei Stunden zum Zielort gelangen und danach auch (möglichst lebendig) auch wieder zurück, und zweitens war es beinahe unmöglich, hier länger zu überleben. Ständig flogen Patrouillen hin und her, die jedes Lebewesen erschossen. Der karge Boden war geschmückt mit den Skeletten solcher Unglücklicher...

Ihre smaragdgrünen Augen schweiften unruhig umher, nahmen jedes Detail der Umgebung war, auf der Suche nach einem Ausweg. Der Gleiter war immer noch zu hören, diesmal waren sie wohl hartnäckig...
Silver war in einer relativ kleinen Höhle gelandet, gerade mal so hoch wie sie selber und sich nach hinten verengend. Die Wände bestanden aus dem selben, kargen und sandfarbenen Gestein wie auch die Gegend draußen. Hier war die Wüste, im wahrsten Sinne des Wortes, wo nichts, aber auch gar nichts existierte. Selbst Insekten suchten schnell das Weite, denn das trockene Land wurde immer wieder von erbitterten Schlachten durchzogen, Blitzkriege mit Tausenden von Gleitern, Minen und chemischen Waffen. Schon längst wuchs hier nichts mehr. Eine deprimierende Szenerie.

Inzwischen hatte sich das kurzhaarige Mädchen entschlossen, tiefer in die Höhle vorzudringen. Es war ihre einzige Chance noch zu der Energiestation zu gelangen. Sie wusste, dass ihre Freunde auf sie zählten, und ebenso schmerzhaft war ihr bewusst, dass ihre Freunde tot waren, falls sie es nicht rechtzeitig schaffte - und sie genauso.
Sie hatten ihr, Silver, diese Aufgabe anvertraut, wohl wissend, dass sie damit ihr Leben in die Hände des sehnigen Mädchens legten. Und Silver war fest entschlossen, dieses Leben zu bewahren.

Langsam schlich sie sich in die Dunkelheit, innerlich fluchend, weil sie keine Lampe dabei hatte. So musste sie sich wohl auf ihren Tastsinn verlassen. Schon bald war das Licht vom Eingang her verschwunden und völlige Dunkelheit umgab das Mädchen. Doch sie erlaubte es sich nicht, Angst zu haben. Der Schweiß floß von ihrer Stirn, als sie sich so ihren Weg durch das scheinbar undurchdringliche Dunkel bahnte.

Mit der Zeit zerrte der schweißtreibende Weg durch die absolute Dunkelheit an ihren Nerven. Sie konnte nichts sehen, es machte überhaupt keinen Unterschied, ob sie die Augen offen hatte oder nicht. Ihr Körper war schon übersät von blauen Flecken, die alle von unsanften Begegnungen mit störrischen Felsbrocken/-wänden/-decken herrührten. Silver's Atem ging schwer, als sie versuchte, die aufkeimende Panik zu unterdrücken. Sie war nie klaustrophobisch gewesen, aber nun verstand sie einen Teil der Angst, die solche Leute verspüren mussten. Es war als ob die Wände sich um sie herum legten, ihr die Luft zum Atmen nahmen und sie immer mehr im Felsen einschlossen. Sie glaubte zu ersticken, sah Horrorvisionen vor ihrem inneren Augen, wie sie so auf ewig verdammt war, in diesem Labyrinth herumzuirren, bis sie irgendwann kläglich verendete...
Es kostete sie eine unglaubliche Willensanstrengung, nicht einfach auszuflippen und herumzuschreien. Und mit jeder Minute, die verstrich, wurde es schlimmer...
Der einzige Gedanke, der sie vorwärts trieb, war der von der Pflicht, die sie erfüllen musste. Sie dachte an ihre Freunde, die ihr während der letzten Monate zu einer zweiten Familie geworden waren, und die jetzt dort draußen um ihr nacktes Überleben kämpften.

Irgendwie hätte sie lieber mit den anderen gekämpft. Das Schlachtfeld war ein grauenvoller Ort, und nichts würde sie freiwillig dorthin bringen, aber dieser Alleingang mit dem belastenden Wissen, dass alles an ihr lag, war weitaus schlimmer. Nur der kleinste Fehltritt, nur die winzigste Verspätung - und aus wäre es mit ihnen. Sie durfte nicht sterben, denn das Leben der anderen hing davon ab. Eine seltsame Vorstellungen - sie riskierte tagtäglich ihr Leben im Kampf, riskierte es für andere, aber nun war ihr das verboten.
Früher war ihr Leben mal weitaus wichtiger gewesen als jetzt. Doch...sie war schon so oft dem Tod nahe gewesen, hatte den Gefahren ins Auge geblickt und sich einfach soviel mit dem Gedanken eines Endes auseinandergesetzt...dass eine gewisse Abstumpfung eingetreten war. Sie hatte keine Angst mehr vor dem Tod. Er gehörte zum Job. Zum Leben. So wie ihre Hände zu ihr gehörten. Er begleitete sie immer, war allgegenwärtig und konnte jederzeit zuschlagen.

Nur jetzt...jetzt gerade durfte er das nicht! Momentan war ihr Leben zu wichtig...

Silver kroch weiterhin durch den niedrigen Gang, hoffend, dass bald ein Ausgang zu sehen war. Sie war ein hohes Risiko eingegangen, als sie sich hier hinein gewagt hatte, denn es war ja nicht sicher, dass es auch einen Weg nach draußen gab...
Andererseits, sie wäre dem Gleiter nie entkommen und die Zeit drängte. Das Mädchen konnte nur hoffen, dass das Glück auf ihrer Seite war.

Ihre tastenden Hände berührten plötzlich Leere, und sie stoppte erschreckt. Vorsichtig hielt sie sich mit einer Hand an der Wand fest und berührte mit der anderen das Gestein. Vor ihr hörte der Boden plötzlich auf, auch der Fels um sie herum verschwand von einem Zentimeter zum nächsten. Ihre suchenden Finger tasteten um die Ecke, versuchten herauszufinden, wie es weiterging. Ihre Augen starrte suchend durch das Dunkel, unfähig etwas zu erkennen. Offensichtlich erstreckte sich vor ihr eine größere Höhle, deren Ausmaße sie nicht erkennen konnte. Silver fluchte. Das hatte ihr gerade noch gefehlt.
Nun blieben ihr zwei Möglichkeiten - springen oder wieder den Weg zurückgehen. Beide gefielen ihr nicht besonders gut....

Silver brauchte nicht lange zu überlegen. Sie fummelte in ihren Taschen herum, bis sie endlich ihre Notration - einen Müsliriegel - entdeckt hatte. Seufzend hielt sie ihn in den Händen und dachte an ihren leeren Magen, dann warf sie ihn in das Dunkel vor ihren Augen und zählte die Sekunden. Es dauerte nicht langem und sie hörte den dumpfen Laut des Aufpralls. In Gedanken rechnete sie - der Boden war wohl fünf Meter weiter unten, eigentlich nicht sehr tief - unter normalen Bedingungen sprang sie das locker - aber hier wusste sie ja nicht, wie der Untergrund beschaffen war. Es konnte leicht eine Geröllhalde sein, ein Feld von spitzigen Stalagmiten, oder noch schlimmer: Ein Vorsprung, der zwar groß genug war, einen Müsliriegel zu tragen, auf dem ihre Füße niemals Platz haben würden....sie schluckte, als sie sich einen langen und schmerzhaften Sturz in die Tiefe vorstellte.

Trotzdem spürte das Mädchen, dass ihr eigentlich keine andere Wahl blieb. Seufzend drehte sie sich um und ließ sich langsam rücklings den Felsvorsprung hinunter. Ihre Armmuskeln schmerzten schon, waren im Laufe des Tages schon zu sehr beansprucht worden, doch sie war fest entschlossen, sich soweit hinunter zu lassen wie es ging - jeder Zentimeter war wertvoll.

Dann hatte sie das Limit ihrer Arme erreicht und baumelte im Dunkeln, ihre Füße über dem drohenden Abgrund, den sie nicht sehen konnte. Plötzliche Angst überkam sie, aber dann dachte sie an ihre Freunde, ihre Kampfgefährten - Surfer, Tear, Cat, Aristo und all die anderen - und ließ sich endlich, mit einem gemurmelten "Was soll's" in die Tiefe fallen.

Der Sturz war kurz und seltsam unspektakulär. Ein Rauschen des Windes, ein harter Schlag in ihre Kniekehlen und dann - Stille. Kein Laut durchbrach die Dunkelheit der Höhle, kein Ton war zu hören. Silver's Hand zitterte leicht, dann, auf einmal, atmete sie mit einem lauten Seufzen aus und sank auf ihre Knie. Es war ihr nichts passiert - naja, außer dem Schmerz in ihren Füßen, aber damit konnte sie leben. Erleichtert schloss sie die Augen und merkte, wie die Anspannung von ihr flog. Sie tastete suchend umher, wollte den Müsliriegel finden, da ihr Magen knurrte, doch leider erfolglos. Es war ihre einzige Ration gewesen,, und seit gestern morgen hatte sie nichts mehr zwischen die Zähne gekriegt. Sehnsüchtig erinnerte sie sich an die leckeren Gerichte, die es zu Hause gegeben hatte...

Nein! Nicht! Keinen Gedanken an früher verschwenden. Die Aufgabe war wichtiger! Sie raffte sich auf und lief durch die Höhle, die Hände weit nach vorne gestreckt, um Unfälle zu vermeiden. Silver konnte die Uhr nicht sehen, doch sie wusste auch so, dass ihre Zeit verrann, und sie nicht gerade weit vorne lag. "Ich schaffe das!", murmelte sie entschlossen. Sie war nun bestimmt einen Kilometer gelaufen, und diese Bergketten waren nicht besonders breit und hoch. Eigentlich sollte demnächst ein Ausgang kommen...

Plötzlich knackte und knisterte es am ihren Gürtel. Das Mädchen fuhr erschreckt zusammen und hielt die Luft an, bis ihr einfiel, dass das Geräusch von dem Funkgerät an ihrem Gürtel stammte. Seltsam, dass es hier Empfang hatte....der Ausgang musste wohl recht nahe sein. Sie tastete nach dem Gerät und schaltete es ein. "Silver hier."

"Silver, wo bist du?", quäkte eine gehetzte Stimme. "Wir haben keine Zeit mehr! Beeil dich, verdammt noch mal! Die schicken hier immer mehr Leute, wir können unsere Position nicht mehr lange halten!"

"Ich tu ja schon was ich kann!", meinte sie verzweifelt. "Bald hab ich es geschafft. Haltet noch etwas durch!"

"Aber mach schnell! Was hat dich aufgehalten?"

"Uhm...da waren ein paar Gleiter, und ich musste flüchten.", erklärte sie während sie weiter ihren Weg suchte.

"Gleiter?", die Stimme klang besorgt. "Du bist doch hoffentlich nicht verletzt?"
Silver dachte an den Schuss, der ihre linke Schulter getroffen und den sie in all der Hektik total vergessen hatte. Und wie es immer so bei Wunden war, tat die Verletzung genau dann weh, wenn man an sie dachte. Sie zuckte zusammen, als sie die Brandwunde betastete.

"Öh, nein, eigentlich nicht.", flunkerte sie. "Du weißt doch, dass ich ziemlich schnell sein kann."

"Ich weiß nicht recht....", kam die wenig überzeugte Antwort. "Ach was, du siehst immer alles zu negativ.", erwiderte Silver fröhlich. "Ich bin bald da, ja? Bis heute abend!"

Sie schaltete ihr Funkgerät ab und seufzte erleichtert auf. Wenigstens waren die anderen jetzt beruhigt...sie selber war ein anderes Problem.
Erleichtert atmete sie auf, als wieder Stille den Raum füllte. Es war besser, wenn ihre Freunde nicht von der Verletzung wussten - sie wären nur besorgt gewesen und hätten sich nicht mehr auf ihren Teil der Mission konzentrieren können.

A propos Mission - Silver schob ihre Hand in die kleine Tasche, die an ihrem Gürtel hing und fühlte nach der vertrauten Form des kleinen Chips, den sie bei sich trug. Er war das Kernstück zum Gelingen dieser Aufgabe. Sie wusste, dass ihr Ziel - eine kleine Kommandostation - nicht mehr weit entfernt war. Gleich hinter dieser Gebirgskette. Dieser Chip war der Schlüssel zum Zentralcomputer und gleichzeitig der Träger des vernichtenden Virus. Es war Silvers Aufgabe, die Wachen schlafen zu legen' und in die Station einzudringen.

Hoffentlich reichte die Zeit noch!

Das Mädchen setzte ihren Weg durch das Dunkel fort, ungeduldig und angespannt. Sie fühlte sich eingesperrt und ihr war heiß; ihre Klamotten waren total durchnässt von dem Schweiß. Die dicken Tropfen liefen ihr Gesicht hinunter, sie konnte das Kitzeln spüren, liefen in ihre Augen, ihren Mund und machten sie immer gereizter. Sie war drauf und dran einfach loszuschreien, als sie plötzlich einen Lichtfunken bemerkte. Blinzelnd blieb sie stehen. Ja, dort vorne schimmerte Licht! Endlich!

Erleichtert beschleunigte sie ihren Schritt. So langsam erhellte sich die Szenerie um sie herum - sie konnte die schemenhaften Umrisse ihrer Hände erkennen, sah den Boden und ihre Füße. Silver kletterte über ein paar Felsbrocken und zwängte sich durch einen Spalt. Immer heller wurde das Licht, langsam taten ihre Augen weh und sie musste blinzeln.
Der Gang verengte sich immer mehr, bis dass dünne Mädchen seitlich zwischen zwei Felswänden steckte und sich nur noch zentimeterweise vorwärts schieben konnte. Das rauhe Gestein scheuerte ihre Wange auf, doch unerbittlich zwängte sie sich weiter durch den schmalen Durchlass. Sie kniff die Augen zu, damit sie die Wand vor ihrer Nase nicht sehen musste; es war ein gar zu bedrängendes Gefühl, als ob sie in einer Schrottpresse steckte.

Dann, endlich, war sie draußen.

Wie ein Korken aus der Flasche taumelte sie ins Freie und fiel auf den sandigen Boden. Am liebsten hätte sie gejubelt vor Freude, doch dazu war sie zu fertig. Wie zerschlagen fühlte sie sich!
Silver rollte sich auf dem Boden zusammen, schloss die Augen und atmete schwer. Es war, als ob sie aus einem schlimmen Alptraum erwacht war - das Gefühl der Erleichterung war da, aber sie verspürte dennoch eine gewisse Beklemmung...

Sie schüttelte den Kopf und setzte sich auf. Keine Zeit für sowas! Keinen Gedanken daran verschwenden! Einfach weitermachen und nicht zurückblicken - denn wer das tat, fand in dieser Welt schnell den Tod! Sie rückte ihr blauschwarzes T-Shirt zurecht, welches während der engen Reise in der Höhle total verdreht, verschmutzt und durchlöchert war und klopfte den Staub von ihren dunklen Hosen. Ihre Schulter schmerzte nun immer mehr, und sie drehte den Kopf, um die Wunde sehen zu können. Es war zwar nur ein Streifschuss, aber es war ziemlich viel Haut verbrannt, teilweise recht tief. Das würde wohl mal wieder eine Narbe geben....harter Job! Und sie wurde nicht einmal dafür bezahlt...

Nachdem sie sich orientiert hatte, lief sie langsam in Richtung Ziel. Höchstens ein Kilometer noch, doch die Zeit drängte. Ihre Kameraden hatten ja selbst gesagt, dass sie sich nicht mehr lange halten konnten - und wenn sie das taten, musste die Situation echt ernst sein. Sorge wuchs in Silver und sie beschleunigte ihre Schritte noch mehr.


Die Station lag in einer kleinen Mulde, getarnt vor den Blicken von zufällig vorbeilaufenden Subjekten(wobei in dieser Gegend wohl kaum irgendjemand freiwillig spazierenging!). Silver legte sich flach auf den Sand und robbte vorsichtig näher. Sie musste auf der Hut sein, denn die Kameras und Sensoren waren überall. Gottseidank kannte sie sich inzwischen mit der Technik aus und wusste von den Tricks, mit denen man die Abwehrmechanismen überwinden konnte.

"Echt komisch", dachte sie amüsiert. "Ich kann mich in ein Hochsicherheitsgebäude einschleichen, hab aber keine Ahnung von Mathe - außer dem Zeug, das ich hier tagtäglich brauche. In der Schule wäre ich 'ne Niete, aber im Überleben bin ich top!" Sie musste lachen bei dem Gedanken eines Unterrichtsfaches namens Überleben' - Lehrer: "Und heute springen wir alle von einer steilen Klippe!" Schüler: "Och nö, nicht schon wieder!" - aber schnell hatte sie sich wieder unter Kontrolle und konzentrierte sich auf ihre Aufgabe.

Das Reinkommen war also kein Problem, sie sollte nur vorher wissen, wieviel Leute in dem kleinen Gebäude waren. Aus den unergründlichen Tiefen ihrer Taschen kramte sie ein kleines Gerät hervor und hielt es sich vor die Augen. Es war ein kleines Fernglas, allgemein auch Glotzer' genannt(Tear hatte es getauft, mit ihrem unergründlichem Sinn für Humor), welches allerdings noch einige Extraoptionen besaß. So konnte es zum Beispiel Gebäude nach Lebensformem durchforschen, eine sehr sinnvolle Eigenschaft.

Das Mädchen scannte die Station und sah fünf Schemen auf ihrem kleinen Display. Zufrieden stopfte sie das gerät in ihre Tasche zurück. Mit fünf Leuten konnte sie fertig werden, wenn sie es gut plante. Gebückt rannte sie zur Seite des Gebäudes und presste sich gegen die Wand. In ihrer Hand hielt sie die kleine Waffe, ein Betäubungsstrahler von großer Wirkung, mit der anderen öffnete sie die Seitentüre.
Der Wächter in dem Zimmer war vollkommen überrascht und wollte um Hilfe schreien, doch ein Fuß in seinem Gesicht hinderte ihn daran. Bewusstlos fiel er zu Boden und riss dabei den Stuhl um, auf dem er gesessen hatte. Es polterte laut - die anderen waren jetzt wohl alarmiert und würden gleich hereingestürmt kommen. Silver verlor keine Zeit und zerstörte schnell die Alarmanlage. Nun musste alles Schlag auf Schlag gehen. Sie stürmte den Gang entlang, musste den Zentralrechner erreichen bevor Hilfe kam oder die Wächter sich zu drastischen Maßnahmen entschlossen.

Gehetzt erreichte sie einen großen Raum. In der Mitte stand eine große Säule, an die mehrere Monitore angeschlossen waren. Der Zentralrechner! Silver seufzte erleichterte an und schlitterte zu der Maschine. Vereinzelte Rufe wurden laut - die Wächter hatten realisiert, was geschehen war und machten nun Jagd auf sie. Nicht mehr lange und sie würden hier sein - allerhöchstens 30 Sekunden. Sie griff nach der nächstbesten Plug-In Stelle und entfernte die metallene Platte. Schnell nahm sie das Gerät mit dem Virus und schloss es an den Rechner an. Auf dem Monitor erschien eine Nachricht:

Loading Virus, please wait....data transfer will be completed in 02:00 minutes

Zwei Minuten lang musste sie hier in diesem Raum ausharren und ihre Gegner davon abhalten, das Gerät wieder zu entfernen. Sie krempelte die Ärmel hoch und knackte mit ihren Fingerknöcheln. Ein teuflisches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. "Jetzt geht's los!"

Die ersten zwei betraten den Raum mit gezogenen Waffen und riefen eilig Befehle nach hinten. Silver ließ ihnen keine Zeit zum Nachdenken, sondern sprang direkt auf sie zu und entwaffnete den ersten mit einem gezielten Schlag. Der zweite feuerte auf das Mädchen, doch sie konnte gerade noch ausweichen. Ohnehin wäre ein Treffer nicht sonderlich fatal gewesen, da die Wachen in dem Raum nicht mit voller Feuerkraft feuern konnten - ein Treffer auf den Computer wäre verheerend!

Data transfer will be completed in 01:46 minutes

Silver zückte nun ihre Betäubungspistole und schickte den ersten Mann in das Reich der Träume. Doch der zweite war auf einmal hinter ihr und erwischte sie mit seiner Handkante. Sie keuchte und fiel zu Boden, genau auf ihre verletzte Schulter. Die Waffe fiel aus ihrer Hand und rutsche mit einem klappernden Geräusch an das andere Ende des Zimmers.
Tränen des Schmerzes schossen in ihre Augen, doch sie rappelte sich schnell auf und trat ihrem Gegner in die Kniekehle. Er fluchte unfein und wollte nach ihr greifen - die Faust auf seiner Schläfe hielt ihn allerdings davon ab.

Data transfer will be completed in 01:23 minutes

Die restlichen Wächter stürmten in den Raum und attackierten das Mädchen. Sie geriet langsam außer Atem und war der Verzweiflung nahe. Ihre Waffe war weg und der Gegner haushoch überlegen - und immer noch zuviel Zeit, bis der Virus vollständig geladen und der Vorgang nicht mehr rückgängig zu machen war. Mit einem entschlossenen Schrei stürzte sie sich auf eine schwarzhaarige Frau, die gerade das Ladegerät entfernen wollte und stieß sie zur Seite.

Data transfer will be completed in 01:15 minutes

Die beiden stürzten zu Boden und fingen an zu raufen, wobei Silver's Gegnerin schlichtweg versuchte, das sehnige Mädchen festzuhalten, damit ihre Kollegen den Virus entfernen konnte. Silver kämpfte wie eine Löwin und hieb der Frau schließlich mit ihrem Funkgerät auf den Kopf. Bewusstlos fiel sie in sich zusammen.

Data transfer will be completed in 00:44 minutes

"Verdammt!", entfuhr es ihr, als sie das malträtierte Gerät betrachtete. Knisternde Laute drangen aus dem Wirrwarr von Plastik und Drähten. Doch sie hatte keine Zeit, sich weiter darüber aufzuregen, denn zwei Hände wanden sich um ihren Hals und würgten sie so fest, dass ihr keine Luft mehr blieb. Sie gurgelte etwas unverständliches und schlug um sich, doch traf niemanden. Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, wie sich der letzte verbleibende Wächter an dem Virus-Transmitter zu schaffen machte. Nein! Nicht! Die anderen sind verloren, wenn es nicht klappt!
Sie weinte fast vor Zorn und Frust, doch ihre Kräfte schwanden und Punkte tanzten vor ihren Augen. NeinNeinNeinNeinneinneinnein....

Data transfer will be completed in 00:07 minutes

Ihre Sinne schwanden, doch gerade als sie kurz davor war in Ohnmacht zu fallen, spürten ihre tastenden Finger etwas Hartes. Ohne lange zu überlegen griff sie danach und hieb blind nach hinten. Der knirschende Laut verriet ihr, dass es voll einen schmerzhaften Kontakt gegeben hatte - die Finger lockerten sich von ihrer Kehle. Sie keuchte und japste nach Luft. Mit letzter Kraft griff sie nach einer Waffe und zielte auf die Person, die gebeugt über dem Rechner stand und fieberhaft versuchte, den Loading-Prozess zu unterbrechen. Ein Lichtstrahl schoß aus der Waffe und der Mann fiel leblos zu Boden. Silver schnaufte hart und ließ die Waffe polternd fallen. Sie war am Ende.

Data transfer is completed. Virus will start working now.


Es dauerte eine Weile, bis ihr Atem langsam wieder zur Ruhe kam. Sie wischte sich erschöpft den Schweiß von der Stirn und hielt sich die schmerzende Schulter. Jetzt, nachdem die Aufregung vorbei war und das Adrenalin so langsam verebbte, spürte sie den Schmerz viel intensiver als zuvor. Silver schloss die Augen und schüttelte den Kopf. Sie fühlte sich erbärmlich schwach, wusste aber, dass sie sich keine Pause leisten konnte, sondern so schnell wie möglich zu ihren Gefährten stoßen musste. Sie griff nach dem Funkgerät - bis ihr einfiel, dass sie es ja demoliert hatte. Leise fluchend untersuchte sie das Gerät, doch musste sie enttäuscht feststellen, dass es zu nichts mehr zu gebrauchen war. Wie dumm...dabei hätte sie damit doch ihre Freunde kontaktieren müssen, um einen Treffpunkt auszumachen. Jetzt blieb ihr wohl nichts anderes übrig als zu Fuß zu gehen...

Silver schnitt eine Grimasse und richtete sich auf. Mit einem letzten Blich überprüfte sie, ob die Wächter auch alle bewusstlos waren(und es auch noch eine Weile bleiben würden) und ob der Virus auch funktionierte. Mit einem zufriedenem Nicken verließ sie den Raum, nachdem sie ihren Strahler wieder an sich genommen hatte.

Es erwartete sie die gleiche Einöde wie vorher, doch diesmal betrat sie den kargen Boden mit einem weitaus leichterem Herzen. Nicht mehr lange und sämtliche Verteidigungsanlagen des Feindes würden durch den Virus außer Kraft gesetzt - naja, nicht alle, aber die von der Stadt, bei der ihre Freunde gerade kämpften. Außerdem würden geheime Dateien auf ihre Rechner überspielt, so dass sie mehr Informationen über Waffen und Technologie der anderen Seite hatten. Eins musste man Aristo schon lassen, programmieren konnte er! Auch wenn er nicht so der dolle Kämpfer war...aber jeder hatte eben seine Stärken und Schwächen.

Ein kleines Gerät auf ihrem Multi-Function-Armband zeigte ihr die Himmelsrichtungen an. Bis zu ihrem Behelfscamp waren es vier Tage strammer Fußmarsch - wenn sie Glück hatte. Hoffentlich kamen die anderen auf die Idee, sie unterwegs aufzusammeln. Mussten sie eigentlich. Wenn ihnen nichts passiert war...wenn der Virus nicht zu spät überspielt worden war...
Sie verschob die bedrückenden Gedanken aus ihrem Kopf und fiel in einen leichten Trablauf. Wenn die Wächter aufwachten, wollte sie so weit weg sein wie möglich.

Der Sand knirschte unter ihren Füßen und der Wind blies ihr scharf ins Gesicht. Die Landschaft war ziemlich deprimierend, aber inzwischen war sie daran gewöhnt. Eigentlich hatte sie in den letzten Monaten nur deprimierende Szenarios gesehen, und verglichen mit einigen anderen war dieses noch human...sie schauderte, als sie an die Leichenberge der Schlachtfelder dachte, an die tiefen Gräben, in denen man sich vor den feindlichen Roboterschiffen versteckte und nur noch beten konnte, dass sie einen nicht fanden...oder die engen Luftschächte in den Bergwerken, durch sie sich hatte schlängeln müssen, um an die lebensnotwendige Nahrung zu kommen - sie war fast gestorben vor Platzangst. Wochenlang verfolgten sie Träume von schwarzen Räumen, die sie einschlossen bis sie keine Luft mehr bekam.

Silver wusste, dass es den anderen genauso ging. Selbst Surfer, mit seiner vorwitzigen Einstellung, verspürte gewiss hin und wieder die gleiche Angst wie sie alle, die gleiche Trauer, die gleiche Depression. Warum führten die Menschen nur Kriege? Warum konnte es, verdammt noch mal, nicht endlich Frieden geben? Und warum gerade eine Gruppe von verängstigten Teenagern, die noch ihre ganze Zukunft vor sich hatten - gehabt hatten? Fragen, die sie verzehrten, doch auf die sie keine Antwort fand. Es waren Momente wie diese, in denen sie sich den Tod wünschte. Wenn sie alleine war und die ganzen Erinnerungen auf sie niederprasselten, sie unter sich begruben...dann wollte sie nur noch weinen, sich in eine Ecke verkriechen und sterben. Manchmal wünschte sich das Mädchen, dass es jemanden gab der sie trösten konnte, der sie einfach mal in den Arm nahm und sagte

"Alles wird gut", doch sie wusste ebensogut, dass sie darauf nicht hoffen durfte. Denn ließe sie es erst einmal zu, dann wäre sie nicht mehr stark genug um zu kämpfen!

Ich sollte nicht soviel nachdenken....lieber schneller laufen...

Sie biss die Zähne zusammen und beschleunigte ihre Schritte. Einfach nichts denken. Das war am einfachsten. Ihre Schulter schmerzte höllisch, doch sie ignorierte es. Einfach nur weiterlaufen.


Es war alles so eintönig! Die Landschaft änderte sich nicht, bot dem Auge keine Abwechslung. Zum Einschlafen! Sie seufzte und setzte ihren Weg fort - was sollte sie auch anderes tun? Ihr Magen knurrte und hing ihr schon zwischen den Kniekehlen, doch ihren letzten Riegel hatte sie ja geopfert. Wie blöd, jetzt könnte sie ihn gut gebrauchen...es war aber auch ewig lang her seit sie das letzte Mal gegessen hatte. Mhmm....Essen....ihr lief das Wasser im Mund zusammen bei dem Gedanken an all die leckeren Gerichte, die es früher gegeben hatte. Oder auch nur eine Schüssel Cornflakes....ein paar Kräcker, selbst die ekligen Gemüseteile, eine warme Suppe mit dicken Nudeln...

Silver musste sich selbst ermahnen, nicht ins Schwärmen zu geraten. Dauernd schweiften ihre Gedanken ab, das war wirklich nervig! Kein vernünftiger Mensch konnte auf solch einer Basis arbeiten. Also, strengste Konzentration war angesagt! Mal sehen...leise begann sie, die verschiedenen Waffentypen, die es gab vor sich her zu murmeln. "Betäubungsstrahler AKA-11b, starke Dosis, bis zu 20-stündiger Schlaf nach Volltreffer. Nadellaser Death-Glare, dünner feiner Strahl, tödlich. Hoher Energieaufwand. MP-32, neuestes Modell, schnell zum Nachladen, Plastikgriff, kleine Projektilgeschosse von drei Millimeter Durchmesser, sehr effektiv. Uzi, Handschnellfeuerwaffe, erhitzt leicht, aber effektiv im Nahkampf.....", die Liste war lang, sie würde also viel Zeit damit totschlagen.

Doch nach fünf Minuten war ihr schon wieder langweilig und ihre Gedanken schweiften zurück zum alten Thema. Zur Hölle! Musste das sein?
Vielleicht half ja singen?

"It's an endless world.", fing sie an. "Blue Sky and singing birds, yellow sun, my favourite. Just when I see you, I feel it, the darkness, I see it, the endless, the endleees woo-orld. Can't you see me? Can't you? Why do you close your eyes? Why do you close your soul? I am hurting...and it's an eeeendless world....", ihre Stimme kiekste und sie stellte einmal mehr fest, dass sie absolut nicht singen konnte.

Nichtsdestotrotz war es eine Erleichterung, sich mal die Seele aus dem Leib zu brüllen. Sie war inzwischen weit genug weg, es bestand also nicht mehr die Gefahr, dass sie von irgendwelchen feindlichen Individuen gehört wurde. Sie liebte Musik und kam nur selten dazu, welche anzuhören oder zu singen. Manchmal, wenn sie einen erfolgreichen Kampf hinter sich hatten, grölten sie lustige Lieder am Lagerfeuer. Sowas in der Art. Man sang, weil es laut war. Die Melodie kam dabei zu kurz...

"You are standing in front of me....your eyes downcast, can't you see....that I am hurting, that I want to go away....with you....", sie begann im Rhythmus der Melodie zu marschieren. Es war mittlerweile Nacht geworden, und sie lief nun schon seit mehreren Stunden. "Can't you see me....", sang sie laut und falsch. Das Mädchen wusste sehr wohl, was für einen blöden Anblick sie abgab, aber es war ihr sowas von egal...hier sah sie sowieso niemand außer ein paar Felsbrocken, und die erzählten es bestimmt keinem weiter.
Nun begann sie auch noch in die Hände zu klatschen. "Hey, hey, hey!", machte sie, weil sie den Text nicht weiter wusste.

"Dadadada...da...da....daaaaayahyaaaaah!", Silver hatte die Augen geschlossen und hielt den letzten Ton sehr lange aus, fast wie eine Opernsängerin - nur klang es bei ihr nicht so schön.

"Mein Kompliment.", erklang da eine spöttische Stimme aus dem Nichts und leises Klatschen erklang. Silver drehte sich ruckartig um.

"Was?", schrie sie entsetzt und griff nach ihrer Waffe, bis ihr einfiel, dass sie diese gewissen Person ja kannte. "Surfer?", brachte sie erstaunt hervor. Der Ton ihrer Stimme verriet Erleichterung, Schrecken und Ärger, etwas, das nur Silver bis zur Perfektion beherrschte - jedenfalls laut ihrer Teamkameraden.

"Hach, was für ein erfrischender Empfang.", grinste der blonde Junge. Er stand auf einem Motojet, ein kleines Gefährt, auf das man sich draufsetzen und mit seinem Körpergewicht lenken konnte. Die Dinger waren ziemlich schnell und schwer zu kontrollieren; man benötigte ein sehr gutes Gleichgewichtsvermögen. Für Surfer allerdings kein Problem, er trug seinen Namen nicht umsonst.

"Du hast nichts gehört, klar?", Silver bedachte ihn mit einem drohendem Blick, doch sie wusste, dass es nicht viel bringen würde. Spätestens am Abend würde das ganze Team von ihrer Singerei wissen und sie, mit Surfer vorneweg, necken und ärgern.

"Ja,ja.", Surfer grinste sie an. "Weißt du, dass wir dich überall gesucht haben? Dein Funkgerät hat nicht funktioniert, und deshalb haben wir Leute kreuz und quer durch die Landschaft geschickt...."

"Ich musste den Kopf eines Wächters neu formen.", sie zeigte die Überreste. "Oh.", machte Surfer und zuckte dann mit den Schultern. "Na komm, setz dich hinten drauf, die anderen warten schon!"
Silver stieg zögernd auf das Gefährt. "Wie ist der Kampf denn gelaufen?", wollte sie dann wissen.

"Ach, es war alles ziemlich knapp. Wir dachten schon, wir gehen drauf, aber dann sind auf einmal alle Schutzschilde runter und wir konnten angreifen. Wir haben es geschafft, und laut Aristo läuft der Virus schon und sammelt Informationen. Das hast du gut gemacht!"

Silver strahlte. Ein Lob war in diesen Zeiten selten. "Was ist mit Verletzten?", fragte sie dann vorsichtig.

"Nur ein paar Schrammen und leichte Schusswunden, nichts Ernstes. Wir hatten verdammtes Glück!"

Silver atmete erleichtert auf. Die Sorge um ihre Freunde hatten sie die letzten Stunden ständig begleitet, und nun war es, als ob ein riesengroßer Felsbrocken von ihrem Herzen fiele. Sie klammerte sich an Surfer's Schulter fest. "Na, dann mal los.", meinte sie fröhlich.
Der Junge grinste nach hinten und warf den Motor an. Sofort schwebte der kleine Jet einen Meter hoch über dem Boden. Die Turbinen hinten starteten auf einen Schlag und ließen ihn nach vorne schnellen. Der Wind blies den beiden Jugendlichen ins Gesicht, als das Gefährt immer schneller wurde.

"Willst du nicht weiter singen?", meinte Surfer grinsend über die Schulter hinweg.

"Sei bloß still.", brummte das Mädchen genervt. Es fing schon an! Jetzt musste sie sich tage-, nein, wochenlang dieses dumme Gelaber anhören. Womit hatte sie das verdient?

Ein fröhliches Lachen war ihre einzige Antwort, und sie versetzte ihrem Vordermann einen spielerischen Schlag. Im Moment war sie viel zu gut gelaunt, um allzu böse zu sein. Die Aufgabe war fertig, sie war auf dem Weg nach Hause - oder das, was sie jetzt Zuhause nannte - und die anderen waren relativ unversehrt. Müdigkeit überkam das zähe Mädchen, und wieder begann ihre Schulter zu schmerzen. In jedem schwachem Moment meldete sich diese verdammte Wunde wieder zu Wort! Sie stöhnte entnervt und erntete einen verwunderten Blick Surfers.

"Schau lieber nach vorne!"

Er runzelte die Stirn, tat aber was sie sagte. Wenn man einen Motojet fuhr, war es fast Selbstmord, den Blick von der Straße abzuwenden, denn die kleinste Unebenheit auf dem Boden ließ das Kraftfeld, auf dem das Gefährt schwebte, rucken und flackern, so dass der Jet bockte wie ein wildes Pferd. Gerade das machte dieses Fahren so gefährlich - und so beliebt.

Ihre Gedanken schweiften wieder zurück zu dem vergangenen Tag. Die Jagd, die Höhle, der Kampf, all das erschien ihr nun weit weg, obwohl es doch erst vorhin passiert war. Ein Leben im Kampf; ständig neue Gefahren, ständig neue Herausforderungen. Dauernd flüchteten sie, oder griffen an, oder arbeiteten hart um Essen zu erhalten, lebensnotwendige Dinge, ohne die sie kläglich zugrunde gehen würden. Was war bloß aus ihrem bequemen Leben geworden? Ein Leben, in dem man morgens aus dem Haus gehen konnte, ohne dass man Angst haben musste erschossen zu werden. Ein Leben, in dem man Leichen nur vom Tele kannte und nicht, weil man schon neben einer geschlafen hatte, gezwungenermaßen.
Silver fühlte sich zerschlagen, fertig, müde, als das Adrenalin immer mehr verflog und auch ihre Freude nachließ. Ohne das sie es eigentlich wollte, sank ihr Kopf immer mehr nach unten, bis er schließlich an den breiten Schultern Surfer's lehnte. Es dauerte nicht mehr lange und sie war fest eingeschlafen.

Fortsetzung folgt....